Gewalt bei Anti-Rassismus-Demo in Stuttgart

Linksextreme Gewalt bei "Black Lives Matter"-Demo - Orgateam distanziert sich 

  • Daniel Hagmann
    vonDaniel Hagmann
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  • Melissa Sperber
    Melissa Sperber
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  • Julia Cuprakowa
    Julia Cuprakowa
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Tausende demonstrieren in Stuttgart gegen Rassismus. Doch laut Polizei kommt es zu Gewalt-Zwischenfällen. Orgateam distanziert sich von Krawallen am Rande der Demo. 

  • "Black Lives Matter"-Demos in Stuttgart am Samstag mit großem Zuspruch.
  • Tausende gehen gegen Rassismus und Hass auf die Straße.
  • Friedlicher Grundgedanke wird jedoch nicht von allen Teilnehmern ausgelebt.

Stuttgart: "Black Lives Matter" Orgateam distanziert sich von Gewalttaten

Update vom 9. Juni: Es sollte eine friedliche Demo gegen Rassismus und Hass werden, doch die "Black Lives Matter"-Demo in Stuttgart gerät in Verruf wegen mehreren Gewalttaten gegen die Polizei. Die Organisatoren der Demo distanzieren sich jedoch von dieser Protestform.

Das Orgateam der "Black Lives Matter"-Bewegung hatten rund 750 Teilnehmende für die Demo in Stuttgart angemeldet - es kamen aber mehrere Tausend Menschen. "Wir haben mit so viel Zuspruch nicht gerechnet", sagt der 20-jährige Stuttgarter aus dem Orgateam. "Die Leute waren friedlich und haben sich auch bemüht, die Corona-Schutzregeln einzuhalten. Und am Ende kam die Polizei zu uns und hat uns gelobt und sich bei uns bedankt", berichtet der 20-Jährige. 

Wie die StN.de berichtet, ist dem Orgateam der Demo in Stuttgart zwei Dinge wichtig. Zum einen distanziert sich die Organisatoren klar von den Krawallen gegen die Polizei nach der Veranstaltung. "Wir sind eine Generation, die etwas verändern kann, daran glaube ich – aber friedlich, mit unseren Stimmen, ohne Gewalt." Zum anderen spricht sich das Team für die Befolgung der Corona-Vorsichtmaßnahmen aus und sind froh, dass die Mehrheit der Demonstranten einen Mundschutz getragen habe.  

Stuttgart: Linksextreme Gewalt bei "Black Lives Matter"-Demo? Polizei äußert sich

Update vom 8. Juni: Die "Black Lives Matter"-Bewegung ist in Deutschland angekommen und auch in Stuttgart gab es am Samstag die ersten Demos gegen Rassismus. Tausende Menschen nahmen teil, die meisten verhielten sich friedlich - aber leider nicht alle. Denn: Am Rand der Proteste gab es Angriffe auf die Polizei. Und die verurteilt die Polizeigewerkschaft nun scharf.

Ralf Kusterer, Landesvorsitzender der Polizeigewerkschaft, sagte am Sonntag gegenüber der dpa, dass "rund 500 Personen" am Samstagabend vor das zentrale Innenstadtrevier gezogen seien und an die Tür gehämmert hätten. Dazu seien Rufe wie "Ganz Stuttgart hasst die Polizei" gekommen, wie am Einsatz beteiligte Kollegen erzählt hätten.

Kusterer bezog sich außerdem auf ein Schreiben der Antifa, in dem dieser Vorfall beschrieben sei. Seinen Informationen zufolge hätten sich Linksextreme unter die Demonstranten gemischt. Die Vorfälle zeigten, "dass insbesondere linke Extremisten die Anti-Rassismus-Demonstrationen und Bekundungen für deren Zwecke missbrauchen, um Gewalt gegen die Polizei und den Staat auszuüben".

"Black Lives Matter"-Demo in Stuttgart: Linksextreme sollen sich unter Teilnehmer gemischt haben

Bereits während der beiden Demonstrationen gegen Rassismus der "Black lives matter"-Bewegung in Stuttgart hatte die Polizei auf Twitter von mehreren Zwischenfällen und geworfenen Gegenständen gesprochen. Aber: Von einem Marsch zu einem Innenstadtrevier war nicht die Rede gewesen.

Ein Sprecher der Polizei Stuttgart erklärte am Sonntag auf dpa-Nachfrage, dass zwei eine größere Menge an Personen zu dem Revier gezogen sei und dass sich viele auch auf die Treppe des Haupteingangs begeben und an Fenster und Türen getrommelt hätten. Doch es gäbe auch keine Bannmeile rund um das Revier. Jetzt soll der Fall nochmals untersucht und bewertet werden.

Stuttgart: Polizei berichtet von Gewalt rund um "Black Lives Matter"-Demos.

Stuttgart: Polizei berichtet von Gewalt rund um "Black Lives Matter"-Demos

Erstmeldung vom 7. Juni: Grundsätzlich eine gute Sache: Tausende Menschen sind gestern in Stuttgart auf die Straße gegangen, um bei den "Black Lives Matter"-Demos auf überbordenden Hass, Rassismus und Diskriminierung aufmerksam zu machen. Schließlich soll ein Vorfall wie der Tod von George Floyd in den USA niemals wieder passieren. Weder in Übersee noch sonst irgendwo auf der Welt.

Doch völlig ohne Gewalt liefen die Demos in Stuttgart nicht ab: So spricht die Polizei Stuttgart etwa von teilweise sehr aggressiver Stimmung auf den "Black Lives Matter"-Demos, auf denen auch eine junge Stuttgarterin eine entscheidende Rolle spielte. Rund um die Demonstration "Gegen Rassismus" habe sich eine Reihe von Zwischenfällen ereignet.

Nach der eigentlichen Demonstration am Neuen Schloss hätte sich mehrere einzelne Aufzüge formiert. Personengruppen hätten sich dabei mehrfach in der Innenstadt von Stuttgart und um den Stadtkern herum bewegt. Die Einsatzkräfte seien mehrfach mit Gegenständen beworfen und Pyrotechnik gezündet worden. Auf den Straßen rund um den Stadtkern kam es teils zu erheblichen Verkehrsbehinderungen, mehrere Menschen wurden vorübergehend festgenommen. Ein Passant sei attackiert worden, habe das Krankenhaus aber inzwischen verlassen, berichtete ein Polizeisprecher am heutigen Sonntag.

"Black Lives Matter"-Demo in Stuttgart: Aggressionen gegen die Polizei

Zudem habe die Polizei Stuttgart während der "Black Lives Matter"-Demo gegen Rassismus auf Hinweis der Organisatoren der Demonstration einen offenbar angetrunkenen Mann festgenommen, der sich mit einer abgebrochenen Flasche in der Hand aggressiv gegenüber den anderen Teilnehmern verhalten hatte. Nach dem Ende der Demo bewegte sich ein Großteil der Demonstrierenden in Richtung Neues Schloss in Stuttgart, wo einige die Freilassung eines zuvor Festgenommenem forderten, der im Verdacht steht, kurze Zeit vorher am Stuttgarter Landtag zusammen mit einer weiteren Person ein mit Polizeibeamten besetztes Fahrzeug mit Steinen beworfen zu haben.

Nadia Asiamah, Initiatorin der Stuttgarter "Silent Demo", einer Demonstration gegen Rassismus und Polizeigewalt, hebt im Oberen Schlossgarten die Faust in die Höhe.

Zuletzt hatten auch die Demonstrationen in Stuttgart gegen die Coronavirus-Verordnungen immer wieder für Aufmerksamkeit gesorgt. Auch an diesem Sonntag wollen sich wieder Tausende Menschen in der Landeshauptstadt von Baden-Württemberg treffen, um ihren Unmut kundzutun.

Rubriklistenbild: © Christoph Schmidt/dpa

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