Coronavirus in Stuttgart

Stuttgarter Klinik-Chef malt düsteres Corona-Szenario: „Können nicht alle retten“

  • vonIsabel Ruf
    schließen

In Stuttgart steigt die Zahl der Neu-Infektionen mit dem Coronavirus weiter. Besonders besorgniserregend sind die vielen infizierten Reise-Rückkehrer. Der Chef des Klinikums Stuttgart warnt jetzt vor fatalen Folgen.

  • Die Zahl der Corona-Fälle steigt an – auch in Stuttgart ist man in Alarmbereitschaft.
  • Besondere Sorge machen den Behörden die vielen infizierten Reise-Rückkehrer.
  • Der Chef des Klinikums Stuttgart warnt davor, bei weiterem Anstieg nicht alle Patienten retten zu können.

Gefährliche Entwicklung der Corona-Zahlen in Stuttgart – Stadt in Alarmbereitschaft

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen steigt – viele Städte schlagen aus diesem Grund Alarm. In Heilbronn gilt die Vorwarnstufe*, nachdem eine kritische Anzahl an Neuinfektionen bekannt geworden ist. Am Samstag (22. August) registrierten die Behörden deutschlandweit 2.034 neue Corona-Fälle – damit war erstmals seit Ende April die 2000er-Marke überschritten worden! Dabei war die Zahl der Neuansteckungen im Mai in der Tendenz gesunken, seit Ende Juli steigt sie jetzt wieder. Droht eine zweite Welle?

Auch in der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart ist laut echo24.de* das Gesundheitsamt in Alarmbereitschaft, denn dort steigen die Corona-Fälle ebenfalls stark an. Am Samstag vermeldete die Stadt, dass es in den vergangenen sieben Tagen 20 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner gegeben hatte. Zur Erinnerung: Bei 35 ist eine Vorwarnstufe erreicht, bei 50 drohen drastische Schritte bis hin zum erneuten Lockdown!

Corona-Entwicklung in Stuttgart: Heftige Zahl an Neu-Infektionen bei Reise-Rückkehrern

Besonders besorgniserregend ist in Stuttgart die Zahl der Neuinfektionen, die aus dem Ausland importiert werden. Reise-Rückkehrer machen einen Großteil der neuen Fälle aus: Seit Mitte Juni sind es 42 Prozent aller Infektionsfälle – und die Tendenz ist steigend! In ganz Baden-Württemberg sind es laut Landesgesundheitsamt sogar noch mehr: Hier machen die importierten SARS-CoV-2-Fälle 53 Prozent aller Fälle aus! Aus diesem Grund warnen die örtlichen Behörden auch, dass Corona-Tests im Land knapp werden* könnten.

Infektionsländer sind vor allem Kroatien und der Kosovo. Vor allem Urlauber, die in den Party-Hochburgen in Kroatien unterwegs waren, ließen die Corona-Zahlen in die Höhe schnellen. Zuletzt hatten sich drei Abiturienten aus Fellbach bei Stuttgart* in Novalja in Kroatien mit Corona infiziert. Etwa zehn Tage zuvor wurden elf Abiturienten aus dem Kreis Göppingen* nach einer Abifahrt in Kroatien positiv auf Corona getestet worden – über 50 Personen mussten daraufhin in Quarantäne. Am 20. August reagierte das Robert-Koch-Institut und erklärte zwei Regionen in Kroatien zu Risikogebieten*.

Klinikum Stuttgart: Krankenhaus-Chef mit düsterem Szenario angesichts Corona-Entwicklung

Auch in den Krankenhäusern in der Landeshauptstadt beobachtet man die Corona-Entwicklung mit Sorge. "Es war zwischenzeitlich so – Ende Juni –, dass kaum noch positive Abstriche zu verzeichnen waren. Das ändert sich gerade und das sehen wir gerade auch in den anderen Kliniken in Stuttgart", sagt der Vorstandschef des Klinikums Stuttgart, Prof. Dr. Jan Steffen Jürgensen, gegenüber dem SWR zur aktuellen Lage in Stuttgarter Kliniken.

Es gehe jetzt darum, den Vorsprung, den Deutschland in der Corona-Pandemie gegenüber anderen Ländern hatte, nicht zu verspielen. Der Klinikchef aus Stuttgart warnt davor, dass die Kapazitäten im Gesundheitswesen erschöpft sein könnten, wenn sich der bedenkliche Anstieg fortsetze. „Wenn es sich exponentiell entwickelt, dann werden wir nicht die vier Prozent, die kritisch krank werden, retten können", so Jürgensen.

Angesichts der steigenden Zahl an Corona-Fällen schlagen die Verantwortlichen in den Stuttgarter Kliniken Alarm. (Symbolbild)

Diese Warnung lässt Erinnerungen an die dramatische Lage im Elsass im März 2020 wach werden. Angesichts der vielen Infizierten arbeiteten dort Mediziner weiter mit Corona-Patienten, selbst wenn sie selbst infiziert waren. Patienten, die über 80 Jahre alt waren, wurden nicht mehr beatmet, weil zu wenige Beatmungsgeräte vorhanden waren. Zwei Corona-Patienten aus dem Elsass hatte das SLK-Klinikum am Gesundbrunnen* in Heilbronn damals aufgenommen.

Stuttgart: Corona-Zahlen steigen bedenklich – Gesundheitsamt mit dringendem Appell

Auch das Gesundheitsamt in Stuttgart appelliert an das Verantwortungsbewusstsein und die Selbstdisziplin der Bevölkerung. Die Lage bereite zunehmend Sorge, hält der stellvertretende Leiter des Gesundheitsamts Stuttgart, Dr. Florian Hölzl, fest. „Daher ist es unbedingt erforderlich, dass die Menschen weiterhin mitziehen und die geltenden Regeln befolgen – wie Maskenpflicht, Abstand halten und Reduktion der sozialen Kontakte", wird er in einer Mitteilung der Stadt zitiert.

Besonders im medizinischen und pflegerischen Bereich sei Vorsicht wichtig, damit „vulnerable Personen, aber auch Mitarbeitende" nicht gefährdet werden. Hölzl empfiehlt, dass sich auch Reise-Rückkehrer, die nicht im Risikogebiet waren, auf Corona testen lassen – auch wenn es bislang lediglich eine Pflicht nur für die Risikogebiete gibt. Bis die Getesteten das Ergebnis vorliegen hätten, sei oberste Priorität, die persönlichen Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren. Ansonsten könne man seine Mitmenschen unnötig in Gefahr bringen. *echo24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © Soeren Stache/dpa-Zentralbild/ZB/Symbolbild

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema