"Oben bleiben"-Wunsch seit zehn Jahren 

Die 500. Demo: Stuttgart 21-Gegner gehen weiterhin auf die Straße

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Heute findet die 500. Demo gegen Stuttgart 21 in der Landeshauptstadt statt.
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Schon seit zehn Jahren werden sie nicht leiser: die Gegner von Stuttgart 21. Heute findet die 500. Montagsdemo statt.

○ Schon in den 1990er Jahren bietet die Bahn Stuttgart ein Großbauprojekt an - ein neuer Hauptbahnhof soll gebaut werden.
○ Die Proteste gegen Stuttgart 21 mit Montagsdemonstrationen beginnen im Herbst 2009.
○ Heute findet die 500. Demonstration gegen Stuttgart 21 am Hauptbahnhof statt.

"Oben bleiben" hallten vor zehn Jahren zum ersten Mal die Rufe in der Landeshauptstadt Stuttgart in den Straßen. Gegner des Großprojekts Stuttgart 21 riefen diesen Schlachtruf immer wieder.

Auch heute, zehn Jahre später, fordern sie weiterhin: "Oben bleiben!" Und das obwohl weitergebaut wird und die Chancen auf eine Abkehr von Stuttgart 21 gleich null stehen. Die 500. Demonstration gegen den Neubau des Stuttgarter Hauptbahnhofes findet heute statt. Am 26. Oktober 2009 gingen die Montagsdemonstranten zum ersten Mal in Stuttgart gegen den neuen Bahnhof auf die Straße. Aus einem oberirdischen Kopfbahnhof, soll ein unterirdischer Durchgangsbahnhof werden und das bis 2021.

Stuttgart 21: Das Projekt ist umstritten, der Protest groß

Doch das Projekt ist umstritten. Es gibt Bedenken um die Stuttgarter Mineralquellen, die Belastungsfähigkeit des neuen Bahnhofs und auch das Abholzen alter Bäume im Schlossgarten sehen die Gegner kritisch. Immer mehr wird Stuttgart 21 zu einem Politikum. Mehr und mehr Menschen gehen auf die Straße und zeigen, dass sie das Projekt und auch die extremen Kosten nicht in Stuttgart wollen.

Die Demonstrationszüge wachsen an und tausende Menschen starten am Stuttgarter Hauptbahnhof, legen den Verkehr in der Innenstadt lahm - wie kürzlich bei der Bauerndemo - und treffen sich zu Kundgebungen im unteren Schlossgarten, wo Aktivisten die alten Bäume besetzt haben und schützen. Der Protest geht durch alle Alters- und Bevölkerungsschichten: ob Rentner, Student oder Familie, die Demonstranten sind sehr unterschiedlich - doch alle eint ein Ziel: "Oben bleiben". Das Demonstrieren scheint vielen Schwaben im Blut zu liegen, denn auch gegen die Schließlung der Rockfabrik in Ludwigsburg gingen viele Menschen auf die Straße.

Stuttgart 21-Demonstration endet mit Verletzten beim "schwarzen Donnerstag"

Doch dann kommt es zu einem tragischen Ereignis von dem die Stuttgarter heute noch als "schwarzer Donnerstag" reden. Im Sommer 2010 geht die Polizei aggressiv mit Pfefferspray und Wasserwerfern gegen die Demonstranten im Schlosspark vor. Einige von ihnen werden dabei schwer verletzt. Doch auch das hält die Stuttgart 21-Gegner nicht davon ab weiter zumachen. Auch die Volksabstimmung zu Stuttgart 21 bei der sich eine Mehrheit für das Großprojekt ausspricht, zwingt die neue Grün-Schwarze Landesregierung  Stuttgart 21 fortzusetzen, obwohl gerade auch die Grünen große Zweifel an der Sinnhaftigkeit des Projekts zweifeln.

Der Protest geht über die Jahre weiter. Zwar sind es heute nicht mehr tausende, die jeden Montag auf die Straße gehen. Doch der Widerstand gegen Stuttgart 21 bleibt ungebrochen. Für die heutige Jubliäumsdemonstration erwarten die Veranstalter mehrere tausend Teilnehmer. Auch die Schüler von Fridays for Future gehen weiterhin für den Klimaschutz auf die Straße.

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