Niemals vergessen

Diese Frau schenkt Sternenkindern einen Platz

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Ein Kind zu verlieren, ist für Familien ein schrecklicher Schicksalsschlag. Olga Illi versucht auf eine ganz besondere und berührende Weise, den Betroffenen zu helfen.

Olga Illi aus Öhringen ist in der 16. Woche schwanger. Im November 2016 steht, wie jeden Monat, die Routine-Untersuchung an. Schon zwei Wochen zuvor plagt sie ein seltsames Gefühl, möglicherweise eine Intuition. Als sie dann beim Arzt ist, bricht ihre Welt zusammen: Das Herz des Babys schlägt nicht mehr. Auch im Krankenhaus wird der Tod festgestellt – der bereits seit zwei Wochen eingetreten ist. 

Die Ursache: Trisomie 13. Das Kind sollte ein Mädchen sein, ihr Name: Lisa. Illi: "Ich konnte nach der Fehlgeburt ihre Augen und all ihre Zehen sehen. Ein kompletter Mensch, neun Zentimeter groß." Lisa wird normal beerdigt und bekommt ein eigenes Grab. Für die 31-Jährige Mutter steht fest: Lisa hat existiert, sie verdient einen eigenen Platz. Für die Familie folgen Monate der tiefen Trauer. 

Illi erzählt: "Ich habe Wochen nach der Fehlgeburt noch mit dem Kuscheltier von Lisa geschlafen. Ich war einfach kaputt nach diesem Schicksalsschlag." Sie beginnt ins Fitnessstudio zu gehen um sich abzulenken. Doch schnell lässt sich das nicht mehr mit dem Alltag vereinbaren, schließlich hat die 31-Jährige zwei Töchter, einen Job und einen Haushalt. Illi: "Seit ich zwölf Jahre alt bin, zeichne ich für mein Leben gern. Nach Lisas Tod konnte ich keinen Stift mehr in die Hand nehmen, aber irgendwann habe ich eine Alternative zum Sport gesucht. Also bin ich zu meiner Leidenschaft zurückgekehrt."

Aus ihrem schweren Schicksalsschlag und ihrer Passion zum Malen entstand ihre Facebook-Seite "Sterne der Erinnerung". Die Idee dahinter: "Es geht hauptsächlich um die Sternenkinder und dass sie ihre eigene Welt haben, in der es ihnen gut geht." 

Schon immer ist die 31-Jährige fasziniert von Sternenhimmeln – sie beginnt, Monde und ihre kleine Lisa mit auf die Bilder zu zeichnen. Schnell findet ihre Idee Anklang und auch andere Eltern mit dem gleichen Schicksal wünschen sich ein solches Bild. Illi: "Jeder darf seinen Wunsch äußern, mir seine Geschichte erzählen und ich bringe meine persönliche Note mit in die Bilder." 

Diese Frau schenkt Sternenkindern einen Platz

Damit möchte sie Eltern mit dem gleichen Schicksal Mut machen, ihnen zeigen, dass sie nicht allein sind. Die Öhringerin erklärt: "Ich möchte das Thema offener machen. Den Leuten zeigen, dass sie über ihre Probleme reden müssen, sich trauen dürfen und vor allem, dass sie verstanden werden. Sternenkinder sollten kein Tabu-Thema mehr sein." Das Feedback zu ihrer Arbeit? Sehr positiv: Viele Frauen ermutigen sie damit weiterzumachen. 

Illi: "Sie sagen, solch individuelle Bilder gibt es nicht im Laden zu kaufen." Belastend sind die Schicksalsschläge für die Mutter nicht – ganz im Gegenteil: Sie freut sich, mit ihrer Kundschaft über das Erlebte sprechen zu können und ihnen mit ihrer Kunst eine Freude zu bereiten. 

Sie erklärt: "Auch meine beiden Töchter werden in das Thema mit einbezogen. Für mich gehört das genau so in die Aufklärung einer Familie dazu. Im Leben kommt und geht eben alles – wir sind nicht unsterblich." Für alle Eltern mit Sternenkindern wünscht sie sich mehr Verständnis und Akzeptanz: "Man darf sich nicht verstecken, oder sich Vorwürfe machen. Nichts geschieht grundlos."

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