Das höchste Vogelnest im Ländle

Schwabenlandtower in Fellbach: Video zeigt Falken-Babys in 107 Metern Höhe

Vier Falkenbabys sitzen in einem Nest auf dem Schwabenlandtower in Fellbach.
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Die Falkenbabys warten auf ihre Eltern.
  • Berkan Cakir
    vonBerkan Cakir
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Der Schwabenlandtower in Fellbach ist eigentlich als Wohnanlage für Menschen gedacht. Mittlerweile hat es sich an der Spitze des Turms jedoch ein Falkenpärchen gemütlich gemacht.

Fellbach - Noch bis vor knapp drei Jahren schrieb der Schwabenlandtower als „Pleitetower“ viele negative Schlagzeilen. Das ambitioniert geplante Projekt in Fellbach (Rems-Murr-Kreis*), das sich nordöstlich der Landeshauptstadt Stuttgart* befindet, sollte Platz für 66 Luxuswohnungen bieten. Das Projekt scheiterte. Bis bekannt wurde, dass eine Berliner Gesellschaft den Turm gekauft und aus dem Luxuseinheiten 192 Mietwohnungen machen will, vegetierte das unfertige Gebäude seit 2016 vor sich hin. Ob die ersten Eigentümer und Mieter nun wie geplant Ende 2021 einziehen, bleibt bei der Vorgeschichte des Turms aber fraglich.

Mittlerweile haben es sich ohnehin ganz andere Bewohner auf dem Schwabenlandtower gemütlich gemacht. Wie die Stuttgarter Nachrichten berichten, lebt in 107 Metern Höhe ein Falkenpärchen in seinem Nest. Bis vor kurzem brütete Mutter Perenelle dort zusammen mit Vater Falco auf den Eiern ihrer Babys. In der Zwischenzeit sind sie geschlüpft und die Falkenfamilie ist um vier weitere Mitglieder gewachsen. Das Familienglück lässt sich live mitverfolgen: Der Naturschutzbund (Nabu) in Fellbach hat dafür zwei Kameras im Falkenappartement eingerichtet.

Schwabenlandtower in Fellbach: Ein Blick auf die Federknäuel ist nicht einfach

Es ist aber gar nicht so einfach, einen Blick auf die kleinen Federknäuel zu erhaschen. Die Babys sind frisch geschlüpft. Das erste Küken kam vergangenen Donnerstag zur Welt, die anderen drei einen Tag später. Der Beschützerinstinkt der Mutter ist noch groß. Derzeit ist daher eher zu beobachten, wie Mutter Perenelle ihre Kinder hudert - sprich: Sie nimmt die Vierlinge schützend unter die Flügel.

Im Gästebuch der Nabu-Seite ist die Freude dennoch groß, die Tiere beobachten zu können. „Jeden Morgen ist der erste Gang nach dem Aufstehen, Laptop an und die Falkenfamilie begrüßen. Dann wird Kaffee gemacht und mein Mann und ich beobachten mit viel Freude wie‘s der Family geht und hoffen, dass bald gefüttert wird“, schreibt eine Besucherin. Auch bei Fütterungen wurden die Tiere schon beobachtet: „Bei der letzten Fütterung um 12:05 Uhr hatte ich auch den Eindruck, dass nicht alle vier Küken etwas bekamen. Gilt hier auch Frechheit siegt?“, fragt ein Nutzer.

Die Falkenbabys wärmen sich gegenseitig, während Mutter Perenelle Ausschau hält.

Schwabenlandtower in Fellbach diente schon einmal als Brutstätte

„Normalerweise bekommt der etwas, der den Schnabel am weitesten aufsperrt“, antwortet Friedemann Tewald vom Nabu in Fellbach auf die Frage des wissbegierigen Vogel-Beobachters. Gebe es genug Futter, würden alle etwas abkriegen. Manchmal schlüpfe das Nesthäkchen erst mehrere Tage später und habe es dann bis zum Schluss immer schwerer. „Dieses Jahr sieht das gut aus und wir gehen davon aus, dass alle vier groß werden“, gibt Tewald Hoffnung. Mit viel Spannung wird indes der erste Flug der Vögel erwartet. 

Es sind nicht die ersten Vogelkinder auf dem Schwabenlandtower, die in schwindelerregender Höhe geboren wurden. „Zum ersten Mal sind die Wanderfalken hier vor ein paar Jahren aufgetaucht. Wir haben dann recht kurzfristig einen Nistkasten auf dem Dach installiert, schon am nächsten Tag waren die Falken drin und haben gebrütet“, sagt Michael Eick vom Nabu gegenüber den Stuttgarter Nachrichten. Auch wenn eines der Küken der damals ersten Generation später auf unglückliche Weise ums Leben gekommen war, sind die anderen Vögel mittlerweile erwachsen.

Schwabenlandtower in Fellbach wird von Graffiti-Sprayern in Beschlag genommen

Im vergangenen Jahr war das Falkenpaar umgezogen. Jetzt sind sie wieder zurück und mit dem Versorgen einer neuen Familie beschäftigt. Nahrung finden sie dabei zuhauf. In der Zeit des Coronavirus in Baden-Württemberg* gibt es durchaus Tierschützer, die sich Sorgen um die Nahrungsbeschaffung von Vögeln machen. In Heidelberg etwa werden Tauben von einer Tierschützerin* gefüttert - wenngleich das verboten ist. Sie sorgt sich um das Nahrungsangebot der Tiere, da in der Corona-Pandemie weitaus weniger Menschen in der Stadt unterwegs sind und sie damit weniger Essensreste hinterlassen.

Die Falkenfamilie hat so ein Problem indes nicht. Ab und zu schaffen es die Eltern sogar, den einen oder anderen leckeren Sperling mit nach Hause zu bringen. Problematischer sind da auf dem Schwabenlandtower eher die Graffiti-Sprayer, deren Schriftzüge neuerdings den Tower zieren. Gerade in der sensiblen Phase der Eiablage und zu Beginn der Brutzeit könnten solche Störungen zu Problemen bei den Tieren führen, erklärt Friedemann Tewald. Abgesehen davon ist der Schwabenlandtower aber offenbar der perfekte Brutplatz. Der Falkenfamilie dürfte es also ganz recht sein, dass sich die Fertigstellung des Turms so lange zieht. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.DIGITAL.

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