Die Geschädigten zahlten per EC-Karte

Gemminger Pärchen: "So hat uns ein Schlüsseldienst um 2.100 Euro abgezockt"

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Immer wieder verlangen Schlüsseldienste in der Region nach kurzen Arbeitseinsätzen horrende Summen.
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Unglaublich frech: Am Ende verlangte der Monteur sogar noch Trinkgeld!

Erst war die Situation unangenehm. Dann sorgte sie für eine schlaflose Nacht – und die Frage: "Wie konnten wir nur so leichtgläubig sein?"

Ein Pärchen, im Alter von Mitte 30, geht am Samstagabend vor zwei Wochen ins Kino. Als die beiden gegen 1 Uhr nachts in ihre Wohnung in Gemmingen zurückwollen, stellen sie fest: Von innen steckt der Schlüssel. Sie googlen, rufen den erstbesten Schlüsseldienst. "Eine 0800er Nummer", sagt der Gemminger. Es meldet sich eine Zentrale in Essen. Der Gemminger: "Auf die Frage, was uns das Öffnen der Tür kosten würde, hat man erklärt, das würde uns der aus Sinsheim kommende Handwerker vor Ort sagen. Für die Anfahrt sollten 20 Euro anfallen."

Schlüsseldienst-Rechnung zieht den Boden unter den Füßen weg

Eine halbe Stunde später fährt ein junger Mann vor und beginnt kurz nach halb zwei am frühen Sonntagmorgen mit der Arbeit. Der Gemminger erinnert sich: "Der südländische Typ hatte ein professionelles Auftreten." Doch bei der Arbeit hat er gepfuscht: "Er hat gleich den ersten Bohrer abgebrochen – ich vermute mit Absicht." Dann hat er den neuen Zylinder eingebaut und uns nach 30 Minuten die Rechnung präsentiert. Und das zog uns den Boden unter den Füßen weg."

Für die beiden benutzten Bohrer fielen jeweils 79 Euro an, 189 Euro kostete der Einsatz als solcher, dazu kamen nochmals 189 Euro Wochenendzuschlag, zudem 100 Euro für die Arbeitszeit – und dann kam es knüppeldick: Für jeden Millimeter, den der Monteur den Schlüsselzylinder eingebaut hatte, fielen 15 Euro an. Der Gemminger: "Bei 70 Millimeter sind das 1.050 Euro!" Zuzüglich weiterer Kosten verlangte der junge Mann unverschämte 2121,40 Euro. "Wir waren fassungslos!"

Schlüsseldienst-Monteur tischt dreiste Lüge auf

Sofort präsentierte der Handwerker ein Formular und erklärte, 1.900 Euro seien durch die Hausratversicherung abgedeckt. Eine dreiste Lüge, wie das Paar später herausfand. Die Gemmingerin unterschrieb die Rechnung, ihr Freund zahlte die Summe per EC-Karte. Besonders frech: "Der Handwerker fragte uns auch noch nach Trinkgeld." Erst als der Mann über alle Berge ist, begreift das Pärchen was passiert ist. Der Gemminger: "Unser Verhalten ist uns heute selbst unerklärlich. Wir konnten die ganze Nacht nicht schlafen. Es lag wohl an der Stresssituation mitten in der Nacht." Das Paar erstattet Anzeige bei der Polizei. Die Chance, das Geld wiederzusehen, ist gering. Der Name des Mannes ist unbekannt.

Schlüsseldienst-Betrüger: Wie kann man sich schützen?

Corinna Heppe von der Polizei Heilbronn erklärt: "Den Preis für die Leistung sollte man vor dem Auftrag verbindlich vereinbaren." Weigert sich der Angerufene, eine Summe zu nennen, ist das schon verdächtig. Heppe: "Wenn der Monteur dann eine abweichenden Preis verlangt, sollte man nichts bezahlen, sich nicht unter Druck setzen lassen und die Polizei rufen." Grundsätzlich sei es ratsam, einen Betrieb aus der Region und keine Service-Zentrale anzurufen. Wobei man auch hier oft zu Callcentern umgeleitet werden kann. Und erst recht gilt: Keine überteuerte Rechnung unterschreiben!

Der Gemminger sieht den Vorfall heute mit Galgenhumor: "Wir haben viel Lehrgeld bezahlt. Jeden Tag steht irgendwo ein Dummer auf. An diesem Tag war’s ich."

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