Wenn es in der Familie kriselt

Streit mit dem Kind: Das rät der Psychologe

+
Symbolbild
  • schließen

Nach dem Fall Ciara erklärt ein Psychologe, warum es so wichtig ist, mit unseren Kindern zu reden.

Wie sieht ein Fachmann einen Fall wie den von Ciara (10)? Dass Kinder in diesem Alter von zuhause weglaufen, kommt schon mal vor, erklärt Dr. Claas van Aaken, Chefarzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie im Zentrum für Psychiatrie in Weinsberg.  "Außergewöhnlich ist in diesem Fall die Dauer."

Wenn es mal Streit gibt, sollen die Eltern versuchen, dem Kind trotz aller Kritik vermitteln, dass sie es gut meinen und fürsorglich handeln - auch wenn Strafe sein muss. Van Aaken: "Es ist wichtig, dem Kind zu erklären, warum man so handelt." Grundsätzlich gilt: "Niemals das Kind als Person kritisieren, sondern das Verhalten." Also nicht schimpfen: "Du bist ein schlechtes Kind", sondern: "Mich hat gestört, dass du zu spät nach Hause gekommen bist. Deshalb musst du heute früher ins Bett."

Psychologe gibt Tipps: Was tun bei Streit mit dem Kind?

Und wenn ein Kind ausgebüxt ist? Erst mal Ruhe bewahren. "Die Eltern kennen ihr Kind und haben ein Gefühl, wie es sich verhalten könnte." Vielleicht kommt es schon nach ein paar Minuten zurück? Ist das nicht der Fall, überprüfen, wo das Kind sein könnte. Wenn das nichts bringt, kommt nach einer halben bis einer Stunde der Zeitpunkt, die Polizei zu verständigen. Ciaras Verschwinden über eine ganze Nacht: "Das ist ganz klar eine Sache der Polizei", sagt Dr. van Aaken.

Zum Glück ist das Mädchen aus Unterheimbach wieder aufgetaucht. Eltern in einer solchen Situation empfiehlt der Experte, zuerst mal nicht zu schimpfen sondern dem Kind zu zeigen: "Wir sind froh, dass du wieder da bist." Später könne ein ruhiges, entspanntes Gespräch helfen - und das Signal, Konflikte künftig gemeinsam zu lösen. Der Chefarzt: "Das Problem zu benennen, muss sein - aber nicht als erste Reaktion."

Tipps vom Psychologen: Wo es Hilfe gibt

Wer kann helfen, wenn es in der Familie mit Kind kriselt? Der Weinsberger Chefarzt stellt klar: "Nicht hinter jedem Weglaufen muss eine psychische Erkrankung stecken." Bei Auffälligkeiten - Ritzen, Selbstmordgedanken - könne ein psychiatrischer Check jedoch sinnvoll sein. Ansonsten empfehlen sich Jugendhilfe, Jugendamt oder Beratungsstellen für Eltern und Familien.

Auch interessant

Der Druck wächst: Mehr Kinder mit psychischen Problemen in Therapie

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare