Der Alkohol floss in Strömen

Toter Trucker: Angeklagter verstrickt sich in Widersprüchen

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Pavel P. ist wegen Körperverletzung mit Todesfolge angeklagt.
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Hätte der 32-Jährige geistesgegenwärtig gehandelt, könnte der Lkw-Fahrer noch leben.

Wenn der Suff ins Spiel kommt, fallen die Hemmungen. In diesem Fall gleich in mehrfacher Hinsicht. Und das kostete letztendlich einen 46-jährigen Lkw-Fahrer aus Polen das Leben. Seit heute läuft der Prozess gegen den 32-jährigen Weißrussen Pavel P. am Heilbronner Landgericht. Er soll für den Tod seines Kollegen verantwortlich sein. Das Schlimme dabei: Hätte er geistesgegenwärtig gehandelt, könnte der 46-Jährige heute noch leben.

Am Samstag, 24. September, ist Lkw-Fahrer P. mit einem Kleinbus und sieben Kollegen unterwegs. Alle sind in guter Stimmung, der Alkohol fließt in Strömen. Denn nach wochenlangen Touren soll es nun vorübergehend in die Heimat nach Weißrussland gehen, zur Familie. Doch vorher steht ein Zwischenstopp an: Am Rasthof Hohenlohe Süd wartet der 46-jährige Lkw-Fahrer L. Der soll mit in den Kleinbus steigen, ein anderer Mitarbeiter der Spedition soll dessen Tour fortsetzen.

Am Rasthof angekommen, schlägt die losgelöste Stimmung gegen 22 Uhr sofort in Aggression um: L. ist völlig betrunken, stürmt über den Platz, schreit herum, weigert sich, den Schlüssel seines Fahrzeugs herauszugeben und bei der ordnungsgemäßen Fahrzeugübergabe mitzuarbeiten. Es kommt zum Gerangel, L. tritt den Angeklagten. Und der wehrt sich, schlägt L. mit der Faust ins Gesicht. Und dann das Tragische: L. kommt mit dem Kopf auf und verletzt sich schwer.

Im Landgericht gibt P. nicht nur den Faustschlag zu, sondern erklärt zudem unter Tränen: "Danach ist er nicht mehr aufgestanden. Ich war erschrocken, bin weitergegangen. Die Verletzungen habe ich nicht gesehen." Zusammen mit einem der anderen Lkw-Fahrer entfernt der Weißrusse den Niedergestreckten L. von der Fahrbahn und legt ihn auf einen Grünstreifen ab. Danach fährt der Trupp weiter, kehrt erst am Sonntagmorgen, 25. September, gegen 7.30 Uhr wieder zu dem Rasthof zurück. Angeblich, um eine Gasflasche abzuholen. L. ist zu diesem Zeitpunkt bereits tot. Todesursache sind die Kopfverletzungen des Sturzes.

Die Männer ließen ihren schwerverletzten Kollegen einfach liegen und überließen ihn seinem Schicksal. P.: "Ich dachte, er kommt langsam wieder zu sich." Hätte er versucht, seinen Fehler - den Faustschlag - wieder gut zu machen und hätte P. Hilfe geholt, wäre der Tod möglicherweise zu verhindern gewesen.

Und an diesem Punkt verstrickt sich der 32-Jährige in Widersprüche. Er behauptet, Gewissenbisse gehabt, sich viele Gedanken über L. nach dem Schlag gemacht zu haben. Dafür, nicht den Notruf verständigt zu haben, hat er eine Menge Ausreden parat: Sein Handy-Akku sei leer gewesen, er habe die Nummer nicht gewusst, er spreche die deutsche Sprache nicht, er sei zu betrunken gewesen. Überhaupt habe er gedacht, der Niedergeschlagene werde schon wieder aufstehen. Irgendwie.

Gegen Ende des ersten Prozesstages nimmt das Gericht ein Video in Augenschein, das allerdings einen ganz anderen Eindruck erweckt: Die Männer filmen L., sind gut gelaunt, scherzen. Von Gewissensbissen ist wenig zu sehen.

War der Tod des Polen nur die Folge einer Verkettung unglücklicher Umstände? Oder steckt doch mehr dahinter? Dies klärt das Landgericht Heilbronn in den weiteren fünf Prozesstagen, zu denen noch 11 Zeugen geladen sind. Das Urteil soll am Freitag, 7. April, fallen.

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