Die Liste der Folgen ist lang

Nach der Höllenqual: So geht es dem Opfer der Öhringer Notunterkunft heute

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Der Geschädigte musste unglaubliche Qualen erleiden.
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Es grenzt an ein Wunder, dass der 48-Jährige überhaupt noch lebt.

30 Schläge ins Gesicht und auf den Schädel, Kopfnüsse, eine Haarbürste in den Mund gerammt und dazu der Versuch, seine Tätowierung am Bauch herauszureißen. Etwa zwei Stunden dauerte das Martyrium, das der 48-jährige Bewohner einer Öhringer Notunterkunft am frühen Morgen des 2. Dezembers 2017 erleiden musste. Seit gestern steht der 36-jährige mutmaßliche Täter, ein Saufkumpan des Öhringers, vor Gericht. Dieser sagt, er könne sich an nichts mehr erinnern.

Glück im Unglück für das Gewalt-Opfer

Nach dem Gewaltexzess lag der ehemalige Landwirt mehrere Wochen im Koma. Schwellungen, Bruch des Augenhöhlenbodens, Traumata mit inneren Blutungen, posttraumatische Belastungsstörungen, mehrfacher Schädelbruch: Die Liste der Verletzungen ist lang. Vorsitzender Richter Roland Kleinschroth sagt am ersten Verhandlungstag: "Nach dem Martyrium, das Sie erleiden mussten, ist es erstaunlich, dass sie heute so dasitzen. Wir hatten schon Fälle mit weniger Gewalteinwirkung, bei denen die Geschädigten starben oder zum lebenslangen Pflegefall wurden."

Panikattacken in der Nacht

An den Folgen der offenbar grundlosen Tat leidet der frühere Alkoholiker heute noch: "Vor dem Vorfall hatte ich keine körperlichen Beschwerden. Jetzt habe ich Sehstörungen, immer wieder Schwindelanfälle und Konzentrationsprobleme." Sein ganzer Kopf ist vernarbt, an einigen Stellen wachsen keine Haare mehr. "Immer wieder habe ich Kopfschmerzen, die richtig, richtig, richtig böse sind. Nachts wache ich immer wieder auf und habe Panik. Bis heute kann ich nicht mit einer anderen Person zusammen in einem Zimmer übernachten." Bewusst ansprechbar sei der 48-Jährige erst wieder mehr als einen Monat nach der Tat gewesen. Bis heute sei er nicht arbeitsfähig.

Kompletter Filmriss

Am Tattag habe er kräftig dem Alkohol zugesprochen - in seiner Erinnerung fehlen die Stunden vor dem schlimmen Gewalt-Exzess komplett. Aufgrund seines Zustands habe er sich nach bisherigen Erkenntnissen auch nicht gegen die Qualen wehren können.

Die Schilderungen der Angriffe durch einen damals anwesenden Zeugen hält der Geschädigte kaum aus, sodass er den Sitzungssaal verlässt. Die Entschuldigung des mutmaßlichen Täters während der Verhandlung akzeptiert der aus Thüringen stammende 48-Jährige nicht: "Das kann ich nicht ernst nehmen."

In diesem Jahr hat der Geschädigte eine Alkohol-Therapie beendet. Er erklärt zudem: "Die wiederkehrenden Alpträume nach der Tat habe ich mittlerweile im Griff. Aber ich weiß nicht, was in zwei oder drei Wochen ist."

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