Der Angeklagte bestreitet die Tat

Hexenkessel-Prozess: Schwere Vorwürfe gegen die Polizei

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Muss der 33-jährige Faschingsfan die Tat eines anderen ausbaden?
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Sitzt etwa die falsche "Hexe" auf der Anklagebank?

Es ist dunkel, die Stimmung ausgelassen, die Menschen umtriebig. Eine 18-Jährige und einer ihrer Freunde machen Blödsinn, schubsen sich hin und her. Da ruft der Freund zu den vorbeilaufenden, verkleideten Hexen: "Nehmt sie mit!" Und tatsächlich wird die junge Frau von einer maskierten Person an der Taille, von einer anderen an den Beinen gepackt. Sekunden später steht sie im 45 Zentimeter tiefen kochenden Wasser eines brodelnden Kessels, erleidet schwere Verbrennungen und hat bis heute mit den Folgen zu kämpfen. Wer sie gepackt hat? Das kann sie nicht genau sagen. Schließlich wimmelte es vor Verkleideten.

Hexenkessel-Fall Eppingen: Verletzungen aus Jux

Das Hexenkassel-Unglück sorgte auch über die Region hinaus für Aufsehen. Seit heute Morgen ist nun ein 33-jähriger Versicherungsfachmann vor dem Heilbronner Amtsgericht angeklagt. Der Vorwurf: Das Mitglied der Faschingsgruppe Bohbrigga Hexenbroda soll auf dem Eppinger Nachtumzug am 3. Februar der jungen Frau, die er nicht kannte, die Brandverletzungen zugefügt haben und sie aus Jux über den kochenden Kessel gehalten haben. Dann sei sie ihm entglitten. Aufgrund seiner Pelzjacke habe man ihn identifiziert.

Der Mann bestreitet die Tat. Er sei zum Zeitpunkt des Vorfalls nicht in der Nähe des von einem Holzofen beheizten Kessels gewesen. "Ich hatte ihn gar nicht im Blick", erklärt er. Allen aus der Gruppe Bohbrigga Hexenbroda, die mit 19 Personen am Eppinger Nachtumzug teilgenommen hat, sei klar, dass man mit dem heißen Wasser keine Scherze treiben dürfe. Aufgrund der Ereignisse fällt der Nachtumzug im kommenden Jahr aus.

Eppinger Hexenkessel-Fall: Schlechte Ermittlungen der Polizei?

Der Verteidiger des Angeklagten, Manfred Zipper, erklärt: "Mein Mandant ist erschüttert, dass er für den Vorfall verantwortlich sein soll. Wenn er es gewesen wäre, hätte er es allein schon aus Freundschaft zu den anderen Mitgliedern der Gruppe zugegeben." Zuvor wurde gegen alle 19 Anwesenden der Bohbrigga Hexenbrodaermittelt. Grundsätzlich hätte jeder aus der Gruppe Zugang zum Kessel gehabt.

In diesem Kessel zog sich die 18-jährige Geschädigte auf dem Eppinger Nachtumzug am 3. Februar die Verbrennungen zu.

Zipper: "Es entsteht der Eindruck, dass man sich einfach einen herauspickt, der es gewesen sein soll. Mein Mandant muss nun die schlechte Ermittlungsarbeit ausbaden. Es sitzt der Falsche auf der Anklagebank." Alle Mitglieder der Gruppe seien mit ihren Masken und dicken Jacken "ähnlich bis identisch gekleidet gewesen". Auch der Pelz an der Jacke des mutmaßlichen Täters sei bei weitem kein eindeutiges Unterscheidungsmerkmal.

Die Ermittler hätten laut Zipper viel genauer klären müssen, "wer wann was wo gemacht hat". Auch die Geschädigte aus Rheinstetten bei Karlsruhe kann nicht sagen, ob es der 33-Jährige war: "Alles ging so schnell und fast jeder sah gleich aus." Das Urteil im Hexenkessel-Fall soll am Mittwoch fallen.

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