Viola Peter will im Stangensport hoch hinaus

Pole-Dance: Möckmühlerin kämpft gegen Vorurteile an

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Die Studentin und die Stange sind unzertrennlich – seit mittlerweile mehr als zwei Jahren.

Sie ist 25 Jahre jung, Studentin der Hochschule Heilbronn und hat eine Leidenschaft: Pole-Dancing. Nein, Viola Peter ist weder Stripperin, noch muss sie sich dafür nackt präsentieren. Die Möckmühlerin erzählt, mit welchen Vorurteilen sie als Stangentänzerin zu kämpfen hat – und weshalb diese sie überhaupt nicht mehr interessieren. Schließlich hat sie nur ein Ziel: Sie will ganz hoch hinaus im Stangensport.

Prinzipiell ist die junge Frau eine ganz normale 25-Jährige: Neben der Hochschule trifft sie sich mit Freunden, versinkt in Büchern, reist um die Welt. Momentan ist sie in der Endphase ihres Studiums im Bereich "Management und Personalwesen". Was eben nicht ganz alltäglich ist: Die Studentin und die Stange sind unzertrennlich – seit mittlerweile mehr als zwei Jahren. Peter erzählt: "Aufgrund eines Praktikums bin ich nach München gezogen. Ich wollte unbedingt etwas Neues ausprobieren. Dann stieß ich auf das Pole-Dancing." Von Sekunde eins war sie total begeistert: "Keine andere Sportart hat mich je so gefesselt und motiviert, besser zu werden. Mich faszinieren die Vielseitigkeit und der Ausgleich zwischen Kraft, Technik und Flexibilität. Zudem sieht es auch noch sehr schön aus."

Bilder von Pole-Dancerin Viola Peter

Es scheint dennoch, als sei das Pole-Dancing immer mehr in Verruf geraten: Mit blöden Kommentaren muss auch Peter rechnen. Sie erzählt: "Auch ich habe ganz verschiedene Bemerkungen dazu bekommen. Letztendlich habe ich aber mein Umfeld von der Seriosität der Sportart überzeugen können." Doch noch immer gibt es heikle Situationen. Ein Beispiel: Wenn sie bei Bewerbungsgesprächen nach ihren Hobbies gefragt wird. Peter: "Am Anfang wollte ich dann nicht sagen, was genau ich mache und habe nur Tanzen gesagt. Bei weiteren Nachfragen kam ich dann aber immer etwas in Zugzwang. Mittlerweile erzähle ich offen vom Pole-Dancing. Falls ich deswegen eine Absage bekomme, sagt es wohl mehr über das Unternehmen und deren Urteilsbildung auf Basis von Vorurteilen aus, als über mich."

Peter weiter: "Es ist schade, dass die Sportart noch nicht so etabliert und respektiert ist." Schließlich gehört mehr dazu, als sich nackt an einer Stange zu räkeln. Die 25-Jährige gibt sogar Unterrichtsstunden, erzählt: "Ich unterrichte momentan jeden Freitag für 'Anfänger 3'. Prinzipiell sind die meisten Kurse vom Ablauf ähnlich aufgebaut, jedoch vom Schwierigkeitsgrad unterschiedlich. Ich selbst trainiere beispielsweise jeden Dienstag im Kurs 'Profi 1'.“

Auch wenn momentan relativ wenig Zeit für das Tanzen bleibt, will Peter irgendwann zu den Besten gehören! Sie erklärt: "Ich würde gern einmal an einem Wettbewerb teilnehmen. Die meisten Teilnehmer trainieren täglich und studieren eine Choreografie monatelang ein. Ich konzentriere mich gerade eher aufs Studium. Danach werde ich schauen, ob ich es zeitlich schaffe, mich auf einen Wettbewerb vorzubereiten." Trotz des großen Zeitaufwands ist die 25-Jährige zuversichtlich und rechnet sich gute Chancen aus: "In einer einfacheren Kategorie könnte ich sehr weit kommen. Allerdings würde es mich auch reizen, in einer höheren Kategorie mitzumachen, um mich selbst zu fordern und um alle Figuren zeigen zu können, die ich beherrsche."

Peters will zeigen, was sie kann - und wofür sie so lange trainiert hat. Das Problem: Im Wettkampf dürfen bei einfacheren Kategorien nicht alle Figuren gezeigt werden. Es wird davon ausgegangen, dass man noch nicht alle kann, oder sie zu schwer sind. Peter: "Wenn ich also weitaus mehr kann, wie in der untersten Gruppe, dann würde ich dort nicht antreten wollen - auch wenn ich innerhalb dieser gute Chancen auf eine Top-Platzierung habe." Für sie steht nicht die Platzierung im Vordergrund, sondern die Erfahrung und die Menschlichkeit: "Ich möchte so viele Erfahrungen wie möglich sammeln. Außerdem geht es auch darum, die Fairness gegenüber anderen Teilnehmern zu gewähren."

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