Gericht entscheidet: Zehn Jahre und sechs Monate Haft!

Getöteter Junge in Künzelsau: Urteil im "Pflegeoma-Prozess" nun rechtskräftig

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Die Pflegeoma (Mitte) übernahm vor Gericht die Verantwortung für den Tod des Siebenjährigen.
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Das Urteil im "Pflegeoma-Prozess" am Landgericht Heilbronn ist nun rechtskräftig. Keiner der Beteiligten hatte Revision eingelegt.

+++Update 16. April+++ 

Wie das Landgericht Heilbronn bekannt gegeben hat, ist das Urteil gegen die 70-jährige Pflegeoma nun rechtskräftig: Sie wurde wegen des begangenen Totschlags an dem siebenjährigen Jungen zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren und sechs Monaten verurteilt. Da keiner der Beteiligten - Staatsanwaltschaft, Nebenklage, Verteidigung und Angeklagte - Revision eingelegt hat, ist das Urteil der Schwurgerichtskammer vom 8. April seit heute rechtskräftig.

+++Update 8. April 15:34 Uhr +++ Urteil gefallen

JETZT ist das Urteil gefallen: Das Heilbronner Landgericht verurteilt die Pflegeoma des siebenjährigen Jungen am Montag zu zehn Jahre und sechs Monate Haft wegen Totschlags! Der Junge war am 28. April 2018 tot im Haus der Verurteilten gefunden worden. Die 70-Jährige würgte den Jungen mindestens drei Minuten lang und legte ihn später tot in eine mit Wasser gefüllte Badewanne. Seine Eltern fanden dort am nächsten Morgen seine Leiche.

Der Vorsitzende Richter betonte, dass nicht der geringste Zweifel daran bestehe, dass die Angeklagte den sieben Jahre alten Jungen vor rund einem Jahr vorsätzlich getötet habe - und sagte: "Sie müssen sich von uns den Vorwurf gefallen lassen, objektiv einen Mord begangen zu haben." Wie die dpa berichtet, sprach er von einem Motivbündel. 

Wie das Gericht erklärte, sei die Angeklagte überlastet und aufgewühlt gewesen und häufte in ihren Gedanken eine Vielzahl von Probleme an - mitunter alltägliche. Der Vorsitzende Richter fasste zusammen: "Das Motiv war: Mir ist grad alles zu viel, ich will meine Ruhe."  

Heilbronn: Pflegeoma äußert sich im Prozess

Die Seniorin selbst äußerte sich erst gegen Ende des Prozesses. Allerdings konnte oder wollte sie sich nicht mehr an den Tathergang erinnern, wie der Richter resümierte. "Natürlich wären Sie die Einzige gewesen, die uns alles hätte erzählen können" - und es damit den Eltern hätte erleichtern können, zu verstehen. Aber er fügte hinzu: "So richtig verstehen wird das alles sowieso niemand."

Pflegeoma tötet Jungen: Eltern bei Urteilsverkündung in Heilbronn anwesend

Die Eltern waren als Nebenkläger bei der Urteilsverkündung anwesend. Ihr Anwalt hatte wegen Heimtücke auf Mord plädiert. Der Junge schlief zwar und war wehrlos - den Zustand nutzte die Angeklagte laut Gericht aber nicht bewusst aus. Die Tat sei spontan passiert. Auch der Einschätzung des Staatsanwaltes, die Angeklagte habe aus niederen Beweggründen gehandelt, folgte das Gericht nicht. Der Anklageverteidiger war von Verlustangst als Motiv ausgegangen und hatte eine Haftstrafe von 13 Jahren wegen Mordes gefordert.

Trotz der Erkrankung, betonte der Richter, bestehe nicht der geringste Zweifel daran, dass die Seniorin den Jungen vor rund einem Jahr vorsätzlich getötet habe. Die Verteidigerin hatte auf einen Schuldspruch wegen fahrlässiger Tötung plädiert. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

+++Update 8. April+++ Urteil fällt: Mord oder fahrlässige Tötung?

Die Frage nach dem Warum beantwortete die Angeklagte im Prozess um den gewaltsamen Tod eines siebenjährigen Jungen nicht. Jetzt muss das Landgericht Heilbronn entscheiden, ob es sich um fahrlässige Tötung, Totschlag oder sogar Mord handelte. Am Montag (10 Uhr) soll das Urteil gegen die 70-Jährige fallen. Auf Mord haben sowohl der Staatsanwalt plädiert als auch der Anwalt, der die Eltern des Getöteten als Nebenkläger vertritt. Die Verteidigerin ging von fahrlässiger Tötung aus.

Vor rund einem Jahr soll die 70 Jahre alte Deutsche das Kind, auf das sie seit Jahren immer wieder aufgepasst hatte, gewürgt haben - mindestens drei Minuten lang. Am nächsten Tag fanden die Eltern ihren Sohn tot in der Badewanne der "Pflegeoma" in Künzelsau.

Staatsanwaltschaft fordert 13 Jahre Haft

Nach der rund viereinhalb Monate dauernden Hauptverhandlung rückte der Staatsanwalt von der Anklage des Totschlags ab - er sah inzwischen das Mordmerkmal der niederen Beweggründe erfüllt. Die 70-Jährige habe das Kind aus Verlustängsten erwürgt, weil sie befürchtet habe, die Besuche könnten bald enden. "Für mich heißt das, dass man sich selbst wichtiger nimmt als das Leben eines anderen Menschen, eines kleinen Jungen." Die Tat sei selbstherrlich und selbstsüchtig gewesen, so der Staatsanwalt. 

Weil ein psychiatrischer Gutachter eine verminderte Schuldfähigkeit der Frau nicht hatte ausschließen können, forderte die Anklage statt der für Mord eigentlich vorgesehenen lebenslangen Haftstrafe nur 13 Jahre.

Angeklagte stellt Tod des Kindes als Unglücksfall dar

Die Verteidigerin betonte, ihr Mandantin habe zum Zeitpunkt der Tat im April 2018 an einer akuten Depression gelitten und nicht überlegt gehandelt. "Ich schließe mich meiner Verteidigerin an. Ich finde keine Worte für das, was passiert ist", sagte die Angeklagte. Im Prozess hatte sie zwar die Verantwortung für den Tod des Kindes übernommen, nicht aber erklärt, wie und warum es dazu kam.

Die Eltern hatten betont, an dem Prozess teilzunehmen, um Antworten zu finden und das Geschehene verarbeiten zu können. "Die Angeklagte hat aus Sicht der Nebenklage nichts dazu beigetragen, diesen Schmerz zu lindern", so der Anwalt in seinem Schlussvortrag. Dass die Frau den Tod des Kindes bis zuletzt als Unglücksfall darstelle, empfinde die Familie als weiteren Schlag ins Gesicht.

+++Update 4. April, 13 Uhr+++

Im Fall des getöteten Siebenjährigen hat der Staatsanwalt wegen Mordes 13 Jahre Haft für dessen Pflegeoma gefordert. Er sah es als erwiesen an, dass die 70 Jahre alte Angeklagte das Kind aus Verlustangst getötet habe.

"Sie hatten Angst, dass es bald enden würde mit den Besuchen, dass Sie ihn verlieren", wandte er sich an die Angeklagte. Die Tat sei von Selbstherrlichkeit getrieben, so der Staatsanwalt.

Getöteter Junge aus Künzelsau: Mordmerkmale seien erwiesen

Er sah das Mordmerkmal der niederen Beweggründe erfüllt. Allerdings sei eine verminderte Schuldfähigkeit wegen einer depressiven Störung nicht auszuschließen, weshalb er nicht für eine lebenslange Freiheitsstrafe plädiere.

Der Nebenklageanwalt, der die Eltern des getöteten Jungen vertritt, bewertete die mutmaßliche Tat zudem als heimtückisch und damit ebenfalls als Mord.

Ursprünglich war die 70-jährige Deutsche wegen Totschlags angeklagt worden. Der ehemaligen Krankenschwester wird vorgeworfen, für den Tod des ihr anvertrauten Jungen im April 2018 verantwortlich zu sein.

+++Update 4. April: Urteil wird bereits in wenigen Tage erwartet+++

Fast ein Jahr nach dem gewaltsamen Tod eines sieben Jahre alten Jungen soll der Prozess gegen dessen Pflegeoma heute mit den Plädoyers in die Schlussrunde gehen. Diese hatten sich am Landgericht Heilbronn zuvor mehrfach verschoben - unter anderem, weil die Verteidigerin der 70-Jährigen ein weiteres Gutachten zu deren psychischen Zustand beantragt hatte. 

Tatsächlich änderte nach der Untersuchung mit einem Kernspintomographen der Sachverständige in Teilen seinen Befund: Eine organische Depression schließt der Gutachter nicht aus, wie das Gericht mitteilte. Möglicherweise könnte daraus eine eingeschränkte Steuerungsfähigkeit abzuleiten sein, hieß es weiter. Zuvor hatte der forensische Psychiater erklärt, dass die Angeklagte zur Tatzeit wohl keine schwere Depression gehabt habe und er keine Anzeichen für eine verminderte Schuldfähigkeit habe feststellen können. 

Der ehemaligen Krankenschwester wird vorgeworfen, für den Tod eines ihr anvertrauten Jungen aus Künzelsau im April 2018 verantwortlich zu sein. Angeklagt ist die Deutsche wegen Totschlags. Das Urteil wird kommenden Montag erwartet.

+++Update 16. März: Verminderte Schuldfähigkeit der Angeklagten nicht ausgeschlossen+++

Der Prozess gegen die angeklagte Pflegeoma erfährt eine überraschende Wendung: Auf Druck ihrer Verteidigerin war die Angeklagte bildgebenden Verfahren unterzogen wurden. Und die MRT-Untersuchung hat Veränderungen im Gehirn sichtbar gemacht. Dadurch musste der psychiatrische Gutachter seine bisherige Einschätzung zum Teil revidieren: Er hält eine organische Depression nun für möglich. Das bedeutet auch, dass er eine verminderte Schuldfähigkeit der Angeklagten nicht ausschließt. Denn: Eine organische Depression könne die Steuerungs- und Erinnerungsfähigkeit der Angeklagten deutlich beeinflussen.

+++Update 15. März: Weitere Zeugen werden befragt+++

Im Prozess um den Tod eines Siebenjährigen gegen dessen Pflegeoma steht heute eine weitere Runde an Zeugenbefragungen an. Noch einmal muss der Sohn der Angeklagten aussagen und erklären, ob seine Mutter mit ihm über den Tod des kleinen Ole gesprochen hat. Auch die Brüder der 70-Jährigen kommen zu Wort. Es geht vor allem um den Gesundheitszustand der Angeklagten. Schon bei den vergangenen Zeugenaussagen gab es Widersprüche. Einige Zeugen sprachen von depressiven Phasen, andere schilderten die Angeklagte als lebensfrohe Person.

Elisabeth S. hat die Verantwortung für den Tod des Siebenjährigen übernommen. Dieser war erwürgt in einer Badewanne gefunden worden. Der genaue Tathergang blieb bislang aber unklar. Das Landgericht strebt inzwischen einen Abschluss des Verfahrens bis Ostern an. Gelingt dies nicht, muss der Fall laut "stimme.de" aufgrund der Schwangerschaft einer Richterin neu aufgerollt werden.

+++Update 1. März: Kommentar zum Pflegeoma-Prozess+++

Es ist nicht zum Lachen. Dafür ist alles viel zu bitter. Aber wer den Prozess um den vor knapp einem Jahr getöteten Siebenjährigen in Künzelsau verfolgt, kann mittlerweile nur noch den Kopf schütteln. Ursprünglich sollte am 6. Februar das Urteil fallen. Jetzt wird es mindestens Anfang April. 

Juristisch gesehen, scheint die Verteidigungsstrategie legitim, die Beweisaufnahme zu verlängern und erneut den Sohn und weitere psychologische Gutachter vor Gericht anzuhören. Moralisch ist die Haltung der Angeklagten aber sehr fragwürdig. Vor Gericht hat sie bereits die Verantwortung für den Tod des Buben übernommen. Freilich, ohne ein Geständnis abzulegen. Bislang präsentierte die ehemalige Krankenschwester drei Versionen des Tathergangs am Abend des 27. April 2018. Und in allen stellt sie sich als Unschuldige dar, alles sei nur ein schrecklicher Unfall gewesen, obwohl die Würgemale am Leichnam des Jungen eine andere Sprache zu sprechen scheinen.

Pflegeoma tötet Siebenjährigen? Bedrückende Bilder vom Tatort in Künzelsau

Vielleicht kann sich die Seniorin ihre Tat selbst nicht erklären. Aber um der früheren Freundschaft Willen zu den Eltern des Jungen, wäre es angebracht, endlich Tacheles zu reden – und nicht auf Teufel komm raus nach Leuten zu suchen, die entgegen der bisherigen Fakten die eingeschränkte Schuldfähigkeit bezeugen sollen. Mit jedem Prozesstag verändert sich die Leidenszeit der trauernden Eltern nur noch mehr, denen im vergangenen Frühling mit Gewalt der Lebensmittelpunkt entrissen wurde.

Die Pflegeoma (Mitte) übernahm vor Gericht die Verantwortung für den Tod des Siebenjährigen.

+++Update 26. Februar: Gefängnispsychologin soll aussagen+++

Nachdem die Verteidigerin der 70-Jährigen das Gutachten eines weiteren Sachverständigen beantragt hatte, werden nun CTs und MRTs gemacht - die Angeklagte willigte den bildgebenden Verfahren ein. Zusätzlich stimmte die Angeklagte auch zu, dass eine Gefängnispsychologin vor Gericht aussagt, mit der sie sich zweimal die Woche trifft. 

Auch der Sohn der Angeklagten soll nochmals aussagen, fordert die Verteidigerin - dabei hatte er bei seiner letzten Aussage vom Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch gemacht. Ebenso die Brüder der Angeklagten - auch sie sollen erneut geladen werden.

Das alles soll vor dem 4. April geschehen. Denn dann geht eine Beisitzerin in Mutterschutz. Bisher sind folgende Fortsetzungstermine angesetzt:
○ Donnerstag, 4. April, 9 Uhr: Plädoyers
○ Montag, 8. April, 9 Uhr: Urteilsverkündung

+++Update 18. Februar: Plädoyers erneut verschoben+++

Im Prozess um den Tod eines Siebenjährigen gegen dessen Pflegeoma sind die Plädoyers erneut verschoben worden. Die Verteidigerin der 70-Jährigen hatte am Montag am Landgericht Heilbronn ein Gutachten eines weiteren Sachverständigen beantragt. Das ursprüngliche Gutachten hält die Verteidigerin für mangelhaft. Der Sachverständige hatte ausgesagt, dass die Angeklagte zur Tatzeit wohl keine schwere Depression gehabt habe. Die Verhandlung soll am 26. Februar fortgesetzt werden.

+++Update 4. Februar: Plädoyers verschoben+++

Eigentlich sollten am heutigen Montag die Plädoyers im Prozess um den getöteten Jungen in Künzelsau verlesen werden. Dies wird nun aber verschoben. Dennoch stellt sich kurz vor der Schlussphase des Prozesses die Frage, welches Urteil die angeklagte Pflegeoma des verstorbenen Siebenjährigen zu erwarten hat.

Die Staatsanwaltschaft könnte demnach ein höheres Strafmaß fordern, als zunächst angenommen. Auch, weil die Pflegeoma sich während des Prozesses in Widersprüche verstrickte, als sie ihr Schweigen am sechsten Prozesstag endlich brach.

+++Update 19. Januar: Pflegeoma-Sohn verweigert Aussage+++

Am vergangenen Montag noch hat Vorsitzender Richter Roland Kleinschroth mit großen Erwartungen auf den siebten Prozesstag geblickt: Der Sohn der Angeklagten 70-Jährigen im Fall um den getöteten Siebenjährigen in Künzelsau sollte aussagen. Wie der SWR berichtet, machte dieser gestern jedoch, als naher Angehöriger, von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch.

Bereits vor knapp zwei Wochen gestattete das Heilbronner Landgericht ein Vier-Augen-Gespräch zwischen der tatverdächtigen Seniorin und ihrem Sohn. Ein angefertigter Mitschnitt dieser Unterredung kann offenbar ebenfalls nicht zur Klärung der Tat und der möglichen Motive beitragen: Er ist unbrauchbar.

Prozess: Keine weitere Aussage der Pflegeoma

Die erneute Bitte seitens des Vaters des getöteten Jungen in Richtung der Angeklagten, durch Aussagen zum Geschehen ihm und seiner Frau das Verarbeiten des schmerzlichen Verlusts zumindest ein wenig zu erleichtern, führte bei der Angeklagten zu keiner weiteren Reaktion.

+++Update 14. Januar: Pflegeoma bricht ihr Schweigen+++

Bislang hat sie geschwiegen. Heute, am sechsten Prozesstag vor dem Heilbronner Landgericht, erklärt die 70-jährige Pflegeoma: "Ich übernehme die Verantwortung für den Tod des Jungen. Anders möchte ich nicht verstanden werden." Doch klärt diese Aussage wirklich die nach wie vor rätselhaften Ereignisse am Abend des 27. April im Wohnhaus der heute 70-Jährigen in Künzelsau auf? Kam der Siebenjährige durch einen tragischen Unfall zu Tode oder brachte die regelmäßige Betreuerin des Schülers den lebensfrohen Buben absichtlich um?

In der vergangenen Woche schilderte die Angeklagte in einem Vier-Augen-Gespräch mit dem psychologischen Sachverständigen Dr. Thomas Heinrich ihre Sicht der Ereignisse am Tatabend. Alles sei ein schrecklicher Unfall gewesen, den Tod des Schülers habe sie nicht gewollt.

Der Abend des 27. April begann harmonisch - und endete in einer Katastrophe. Die Mutter des Siebenjährigen brachte den Jungen wie schon viele Male zuvor bei der Witwe vorbei. Die Eltern waren mit Freunden zu einem Konzertabend verabredet. Zusammen habe die Angeklagte mit dem Schüler Hausaufgaben gemacht, er habe mit Autos gespielt, dann habe man gegessen und Kinderfilme im Fernsehen geschaut. Anschließend, vor dem Schlafengehen, haben die Seniorin und das Kind noch gemeinsam eine Gute-Nacht-Geschichte entwickelt, dann sei der Bub eingeschlafen.

In diesem Haus, nicht weit vom Künzelsauer Stadtkern, starb der Siebenjährige.

Toter Junge in Künzelsau: Woher kommen die Würgemale

Und dann wird es seltsam: Bald sei der Siebenjährige wieder aufgewacht, habe schlecht geatmet. Die Pflegeoma will ihn an sich gepresst und im Badezimmer mit Wasser beträufelt haben. Plötzlich sei er tot gewesen. Bewusst habe sie ihm nichts angetan, auch gewürgt habe sie ihn nicht. Woher die Würgemale kommen, könne sie sich nicht erklären. Sie habe gegenüber dem Jungen weder Hass noch Verlustängste empfunden. Die Ereignisse des Tatabends bekomme sie aus heutiger Sicht "nicht auf die Reihe". Aus Panik habe sie sich dann bis zum nächsten Abend versteckt.

Getötetes Kind in Künzelsau: Widersprüche der Pflegeoma

Nun aber der Widerspruch: Zuvor hat die Angeklagte gegenüber der Polizei ebenfalls von einem Unfall gesprochen. Allerdings sei der Siebenjährige in dieser Darstellung auf dem Bett herumgehüpft und unglücklich gefallen. Ein offenbar erfundener Tathergang, der nicht zu den Verletzungen des Kindes passt.

Im Anschluss an die Zusammenfassung des Sachverständigen gibt auch der Vater des Jungen heute vor dem Heilbronner Landgericht eine Erklärung ab: Die Darstellung der Angeklagten "verstärkt unseren Schmerz, dass unser Sohn nicht mehr ist. Das macht die Aufarbeitung nur noch schwerer. Das ist kein Geständnis, sondern eine taktische Aussage." Und auch der Anwalt der Eltern hält an dem schon zum Prozessauftakt vorgebrachten Tatmotiv der Angeklagten fest: Diese habe die Sorge gehabt, den Jungen in Zukunft nicht mehr zu sehen und habe ihn aus Verlustangst umgebracht.

Das Urteil soll am Mittwoch, 6. Februar, fallen.

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