Ochsenfrösche stellen Gefahr dar

Dieser Frosch soll ausgerottet werden – überraschender Grund der Naturschützer

  • Olaf Kubasik
    VonOlaf Kubasik
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Die Ausbreitung des Ochsenfrosches hat in Baden-Württemberg extreme Auswirkungen - Naturschützer warnen deshalb.

Sie sind unanständig laut. Wenn sie ihre grunzend-kehligen „Brrroam“-Laute ausstoßen. Dazu kommt ihr Fressverhalten. Alles, was kleiner ist als die bis zu 25 Zentimeter großen Ochsenfrösche, wird verschlungen: Küken verschiedener Wasservögel, Säugetiere, Ringelnattern, Insekten - und Artgenossen. Die mittlerweile dank des Menschen fast weltweit vorkommenden Ochsenfrösche stellen als Neozoen eine Bomben-Bedrohung für die heimische Tierwelt dar. Aber die warzigen Froschlurche sind noch weitaus schlimmer - vermutlich auch für Menschen.

Die ersten Ochsenfrösche kamen 1934 nach Deutschland. Ein US-Amerikaner führte fünf Zuchtpaare aus Philadelphia in die Lüneburger Heide ein, um bei Celle eine Froschschenkel-Produktion zu gründen. Was aus diesem Unterfangen wurde, ist nicht bekannt - der Amerikanische Ochsenfrosch aber seitdem in Deutschland. Als Plage, der wie der Ausbreitung der Asiatischen Tigermücke entschieden entgegengetreten werden muss. Weil Ochsenfrösche hierzulande keine natürlichen Fressfeinde haben, aber alles fressen, was in ihre Mäuler passt. Sogar an Katzen sollen sich die Monsterfrösche schon versucht haben. Doch das ist längst noch nicht alles...

Naturschützer fordert Ausrottung: Ochsenfrosch muss aus Baden-Württemberg verschwinden

Hubert Laufer kennt den Ochsenfrosch als NABU-Fachbeauftragter für jegliche Amphibien aus dem Effeff - und erklärt auf echo24.de-Anfrage: „Das Hauptproblem sind seine Kaulquappen, die mit ihrem Kot einen Hemmstoff abgegeben, an dem die Kaulquappen der heimischen Frösche sterben.“ Und selbst der sich stark ausbreitende Chytridpilz, der Mitverursacher des weltweiten Amphibiensterbens ist, kann Ochsenfröschen nichts anhaben. Eingeschleppte Ochsenfrösche sind so eine Katastrophe für die heimische Fauna, dass selbst ein Naturschützer wie Laufer sagt: „Dieser Frosch muss in Deutschland ausgerottet werden.“

Das Hauptproblem sind seine Kaulquappen, die mit ihrem Kot einen Hemmstoff abgegeben, an dem die Kaulquappen der heimischen Frösche sterben.

Hubert Laufer, Fachbeauftragter für Amphibien beim NABU Baden-Württemberg

Laut Amphibien-Experte Hubert Laufer gibt es Ochsenfrösche momentan nur noch in Baden-Württemberg. Genauer gesagt: In der Rheinauenlandschaft bei Karlsruhe. Doch wie konnten sie sich dort ausbreiten? Laufer erklärt: „Es wird spekuliert, dass ein Zoohändler vor seiner geplanten Auswanderung in den 90er Jahren neben seinen Fischen auch Ochsenfrosch-Larven dort ausgesetzt hat.“ Es könne aber natürlich auch ein Aquarianer gewesen sein, dem die bis zu eineinhalb Kilo schweren Tiere schlichtweg zu monströs geworden sind. Am Ende der Katastrophen-Kette stehe aber - wie auch bei der Verbreitung dieser Höllen-Spinne - immer der Mensch.

ArtNordamerikanischer Ochsenfrosch
HerkunftUSA, Süd-Kanada, Nord-Mexiko
Gründe der Verbreitung in Deutschlandbewusste Aussetzung oder Flucht aus Haltung
Erstes Auftauchen in Deutschland1934
Zahl der Eier nach Fortpflanzungbis zu 4.000

Ochsenfrosch in Baden-Württemberg: Große Gefahr für heimische Tiere und den Menschen

US-amerikanische Forscher wollen zudem eine durch den Ochsenfrosch verursachte Gefahr für den Menschen herausgefunden haben. Demnach könnten die Giganten bei ihren Wanderungen von Gewässer zu Gewässer den hochinfektiösen Koli-Keim O157:H7 verschleppen. In einem Beitrag von welt.de heißt es dazu: „„Der Ochsenfrosch könnte während seiner Entwicklung vom Froschlaich über die Kaulquappe gewissermaßen als Reservoir für die Koli-Keime dienen und diese anschließend in andere Gewässer übertragen – unter anderem auch ins Trinkwasser.“

  • In Baden-Württemberg gibt es mittlerweile noch weitere Tiere, die für Angst und Schrecken sorgen.

Würde ein Mensch dem Bericht zufolge dieses Wasser trinken, könnten schwere Lebensmittelvergiftungen und Durchfälle hervorgerufen werden, die in Deutschland meldepflichtig sind. Amphibien-Experte Hubert Laufer kennt nach eigenem Bekunden diese Studie zwar nicht, ist aber bei all den Ochsenfrosch-Ärgernissen froh, dass die Tiere nunmehr - wie auch mit Einschränkungen die invasiven Nilgänse - gejagt werden dürfen. Wäre das nicht der Fall, könnte Baden-Württemberg und ganz Deutschland sonst ein Frosch-Fiasko drohen. In Anbetracht eines Ochsenfrosch-Weibchens, das pro Jahr bis zu 20.000 Eier legen kann...

Woher hat der Ochsenfrosch seinen Namen?

Da Ochsenfrösche ausgeprägte Einzelgänger sind, bedienen sie sich in der Paarungszeit eines lauten Rufs. Und der ist bis zu zwei Kilometer weit zu hören! Mit ihrem an einen Ochsen erinnernden Gebrüll locken die Männchen während der Laichzeit die Weibchen an und grenzen außerdem akustisch ihr Revier ab.

Rubriklistenbild: © Zhang Lianhua/Costfoto/Picture Alliance

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