In den Wäldern rund um Beilstein

Diese Mountainbiker sind Naturschützer - keine Zerstörer

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Den Müll haben die Mountainbiker beseitigt. Jetzt kann der Spaß im Vordergrund stehen.
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In den Wäldern rund um Beilstein ist seit Juni 2016 einiges los. Auch wenn das nicht jeder toll findet.

Unter den Reifen knacken die Zweige. Durch das Blätterdach bricht gerade eben die Sonne hindurch. Die Luft riecht frisch und nach Natur pur. Und dann sind da noch dieser Nervenkitzel, der Geschwindigkeitsrausch, die sportliche Herausforderung. Mountainbiker genießen die Freiheit auf dem Rad. Früher überschritten sie dabei hin und wieder die Grenze zur Illegalität. Die Trailsurfers Baden-Württemberg sind da ganz anders drauf.

"Wir sind eine Art Pilotprojekt", erklärt Stefan Pyttlik, Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins. "Wir wollen ein grandioses Naturerlebnis schaffen und genießen. Aber ohne Konfrontationen." Und Reibungspunkte gibt es viele. Denn wenn die Trailsurfers neue Mountainbike-Strecken im Wald anlegen, wie zum Beispiel in der Gegend rund um Beilstein geschehen, sind längst nicht alle damit einverstanden. Wanderer, Förster, Naturschützer - Mountainbiker sehen sich oftmals einer breiten Gegenwehr ausgesetzt. Das Argument: Die Strecken schaden Pflanzen und Tieren.

Doch mit ihrem Verein wollen die Trailsurfers die Fronten keinesfalls verhärten. Pyttlik: "Die Gesetzteslage ist schwierig. Aber wir sehen eine sehr positive Entwicklung. Wir möchten naturverträgliche Strecken bauen." Dafür lässt sich der Verein seine Vorhaben von der Gemeinde und dem Landratsamt absegnen.

Diese Mountainbiker sind Naturschützer - keine Zerstörer

Doch nicht nur das: Die Trailsurfers wollen beweisen, dass auch ihnen die Natur extrem wichtig ist. Wenn sie Missstände sehen, organisieren sie Aktionen. So wurde im letzten Jahr ein "Wood-Cleaning-Day" einberufen. Pyttlik: "Wir bewegen uns viel im Wald und sehen auch den Müll dort. Und dann packen wir eben einfach an." In diesem Fall bedeutete das ein Großreinemachen. Mit schwerem Gerät wurden die Wälder rund um Beilstein gleich um eine ganze Containerladung Schrott erleichtert.

Klar, dass das sogar den Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) freut. Zwar sieht auch der BUND künstliche Strecken erst einmal kritisch. "Diese Strecken sollten natürlich auf keinen Fall durch geschützte Biotope führen oder empfindliche Tiere stören", erklärt eine Sprecherin der Landesgruppe Baden-Württemberg. Doch, dass die Mountainbiker genau deshalb Absprachen treffen, nimmt man beim BUND sehr positiv auf. "Illegale Strecken - das ist absolut nicht in Ordnung. Es ist schön, dass es eben auch anders geht."

Natürlich sind die Trailsurfers trotz allen organisatorischen Aufwands und aller Rücksichtnahme beim Streckenbau mit vollem Eifer bei der Sache. Dann buddeln und sägen, tüfteln und schwitzen sie - inzwischen sind so in wenigen Monaten über 700 Stunden ehrenamtliche Arbeit zusammen gekommen. Und das ist erst der Anfang.

Was halten Sie von den Mountainbike-Strecken?

Denn neben den 140 Mitgliedern sind längst auch andere Mountainbiker in Deutschland von dem Aktionismus des Vereins begeistert. "Wir haben nicht nur Alibi-Strecken. Hier wird tatsächlich genutzt, was wir bauen. Und der Verein kümmert sich darum, Misstrauen gegenüber den Mountainbikern und den Trails abzubauen", sagt Pyttlik. Zudem sollen illegale Strecken auch anderswo endlich ein Ende haben.

Ganz so schnell wird das vermutlich nicht gehen. Doch die Idee der Trailsurfers Baden-Württemberg ist ein großer Schritt zu mehr Verständnis - auf allen Seiten. Und das kann am Ende nur eins bringen: Noch mehr Spaß auf dem Mountainbike.

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Mehr zum Thema:

Trailsurfers Baden-Württemberg: Homepage des Vereins

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