Insgesamt vermutlich fünf Tatbeteiligte

Brandanschlag auf Moschee in Lauffen: Schlimme Lebensgeschichten als Motiv?

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Drei Angeklagte stehen seit heute vor dem Heilbronner Landgericht.
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Sind die Angeklagten Teil einer Terror-Vereinigung?

Nichts geschieht ohne Grund. Erst recht, wenn es um Leben und Tod geht. Gesetzt den Fall, die drei seit heute Morgen vor dem Heilbronner Landgericht angeklagten jungen Männer zwischen 20 und 24 Jahren sind für den Brandanschlag auf die Moschee in Lauffen verantwortlich: Sind die Motive dann in ihren Lebensabschnitten vor der Zeit in Deutschland zu suchen?

Anschlag auf Moschee in Lauffen: Horror-Szenario

Rückblick: Als der Imam der Lauffener Moschee in den frühen Morgenstunden des 9. März 2018 vom Schlaf aufschreckt, findet er sich in einem Horror-Szenario wieder: Zusammen mit seiner Frau wohnt er im selben Gebäudekomplex, in dem sich auch das türkische Gotteshaus befindet. Und in das werfen gegen 1.45 Uhr in dieser Nacht vier Täter Molotowcocktails. Nur mit Glück kann das Feuer rasch gelöscht werden. Es entstehen lediglich 5.000 Euro Sachschaden. Niemand wird verletzt.

Film von Anschlag auf Lauffener Moschee

Eine weitere, fünfte Person filmt das Geschehen. Später erscheint der Clip auf einer der kurdischen Arbeiterpartei PKK nahestehenden Internetseite. Dazu der Hinweis: Weitere Anschläge werden folgen, wenn der Krieg und das Morden in Syrien weitergehen. Ist der Anschlag auf die Moschee in Lauffen weiteren Attentaten auf islamische Gebäude wie zum Beispiel in Ulm zuzuordnen? Sind die Täter terroristisch vernetzt? Oder ließen sie sich von anti-islamischen Strömungen verführen? Wollten sie mit ihrem Anschlag den Imam und dessen Frau gezielt umbringen?

Moschee Brandanschlag: Angeklagte schweigen

Die Anklage lautet: versuchter Mord - in Tateinheit mit versuchter schwerer Brandstiftung. Zum Anschlag selbst äußern sich weder der syrische Angeklagte noch die beiden türkischen Verdächtigen vor Gericht. Wohl aber zu ihrem bisherigen Leben. Der 24-jährige Türke erzählt von einer Zeit voller Unterdrückung in der Türkei: Als Kurde habe er seine Muttersprache nicht sprechen dürfen. Dazu habe es Ausgangsverbot gegeben. Aus Angst sei er 2016 nach Deutschland geflohen. Rührt aus dieser Zeit der Hass - im Zusammenhang mit dem seit Jahrzehnten bestehenden Streit zwischen Türken und Kurden? Entlud sich diese Wut am 9. März? Woher kennen sich die Angeklagten?

Auch der vor seiner Verhaftung in Neckarsulm wohnende Syrer hat Gewalt erlebt: In Aleppo geboren, flüchtete er vor dem Krieg nach Istanbul - und schließlich nach Deutschland. "In meiner Straße in Aleppo gingen Bomben hoch."

Brandanschlag: Ermittlungen waren Kleinarbeit

Haben sich die nahöstlichen Konflikte in die Region Heilbronn ausgebreitet? Hatten die Verdächtigen weitere Anschläge geplant? Wer sind die anderen Tatbeteiligten? Oberstaatsanwältin Tomke Beddies erklärt: "Die Ermittlungen waren eine mühevolle Kleinarbeit." Die Anklage basiert auf DNA-Spuren und Geodaten der Handys der Verdächtigen. Beddies: "Anhand des Videos gehen wir davon aus, dass eine Frau das Geschehen gefilmt hat." Es seien lackierte Fingernägel auf den Bildern zu sehen.

Am Freitag geht der Prozess rund um den Brandanschlag auf die Moschee in Lauffen weiter. Das Urteil soll am 13. Februar fallen.

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