Der Vater war in der Familie nie bösartig

Mord-Prozess Löwenstein: Das sagt der Sohn

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Hat der Angeklagte wirklich seine Ehefrau ermordet?
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Hat der Verdächtige in einem Brief kurz vor der Tat seine Motive dargelegt?

Liebevoll, fürsorglich, gesellig, immer für einen da. So schildert der Sohn der am 29. März 2017 in Löwenstein brutal ermordeten 59-Jährigen seine Mutter. "Ich kann über sie nichts Schlechtes sagen", erklärt der 33-Jährige zu Beginn des dritten Prozesstages am Heilbronner Landgericht.

Tatverdächtig ist der Ehemann der Getöteten. Doch auch über seinen Vater sagt der in Mannheim wohnende Zeuge kaum Verwerfliches: "Er ist weniger gesellig als meine Mutter, manchmal ein bisschen stur, aber er war nie böse." Gewalt habe es innerhalb der Familie nie gegeben. Gelegentliche Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Ehepaar seien stets ausdiskutiert worden. "Wir hatten ein komplett normales Familienleben."

Allerdings haben sich die Eheleute mit der Zeit auseinandergelebt: Sie wollte lieber ausgehen, sich gemeinsam mit ihrem Mann auf Festen mit Freunden treffen, er wollte lieber zuhause bleiben. Nach einer einjährigen Trennung vor etwa zehn Jahren raufte sich das Paar aber nochmal zusammen, startete einen zweiten Anlauf. Der nächste Auszug des späteren Mordopfers im Jahr 2015 schien dann aber endgültig: Gegenüber ihrem Sohn schilderte die Frau in WhatsApp-Nachrichten, dass sie sich nun frei fühle und endlich ihr Leben leben könne.

Im Internet habe sie Ende 2016 einen Mann kennengelernt, sich mit ihm getroffen und gut verstanden. Sie plante die Scheidung. Als der Tatverdächtige während eines Besuchs bei seinem Sohn von einer möglichen neuen Beziehung seiner Noch-Ehefrau sprach, bestätigte dies der 33-Jährige. Der Sohn berichtet: "Mein Vater war dann wie vor den Kopf gestoßen, plötzlich völlig in sich gekehrt. Dann hat er von mir verlangt, den neuen Freund der Mutter zu boykottieren. Sie solle merken, dass sie etwas Falsches tut und die Familie komplett auseinanderreißt. Andernfalls werde er auch mit mir den Kontakt abbrechen." Das war fünf Tage vor dem Tatabend.

Noch vor dem Messerangriff erhält der Sohn von seinem Vater einen Brief, der im Hinblick auf den Tatverdacht bedenklich ist: Zwar entschuldigt er sich für seinen "Erpressungsversuch" und den Druck, den er auf seinen Sohn im besagten Gespräch ausgeübt hat, allerdings erklärt der 63-Jährige auch, nervlich sehr belastet zu sein. Die Familie müsse in schweren Zeiten zusammenhalten, die Mutter sei kurz davor die Familie zu zersprengen und die Chance bestehe immer noch, wieder eine intakte Familie zu werden. "Gemeinsam können wir es schaffen."

Der Brief schließt mit einem Gedicht, das daran appelliert, jedes Treffen versöhnlich zu beenden: "Lass' ein gutes Wort zwischen uns sein, es könnte das letzte sein." Schließlich sei das Leben schnell vorbei. Hatte der mutmaßliche Täter damals schon geplant, seine Ehefrau zu ermorden? Legt der Brief die Motive für die Tat offen? Ist der als friedlich beschriebene Handelsvertreter überhaupt dazu fähig, jemanden mit 14 Messerstichen umzubringen?

Der Tatverdächtige schweigt bislang zu den Vorwürfen. Die Urteilsverkündung soll am 20. April erfolgen.

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