Analyse der Schriftzeichen bringt kein eindeutiges Ergebnis

Untergriesheim-Mord: Angeklagter will neuen Richter

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Der Angeklagte Abubaker C. hält Richter Roland Kleinschroth für ungeeignet.
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Weitere belastende Indizien und eine verwirrte religiöse Identität.

Im Mordprozess im Fall der 70-jährigen Seniorin aus Bad Friedrichshall-Untergriesheim bleibt auch am fünften Prozesstag am Heilbronner Landgericht einiges nebulös. Und das nicht nur, weil der Angeklagte Abubaker C. die Tat weiterhin bestreitet. Am Freitag behauptet er vor Gericht, er könne sich an die Tatnacht (18. auf 19. Mai 2016) nicht erinnern. Er habe Marihuana geraucht, einen Blackout gehabt und sei erst am folgenden Morgen in Neuenstein wieder zu sich gekommen. Am Tatort in Bad Friedrichshall-Untergriesheim sei er aber ganz sicher nicht gewesen.

Dagegen präsentieren die Beamten der Spurensicherung weiterhin belastende Indizien gegen den Pakistani: Am Heizöltank des Tatort-Hauses wurden Stofffasern entdeckt, die zu C.s Kleidung passen. Und die Schuh-Spuren im Staub auf dem Dachboden decken sich mit C.s Nike-Schuhsohlen. Doch anstatt sachdienliche Erklärungen abzugeben, ergeht sich der 27-Jährige in wirren Ausführungen über schwarze Magie. Mal wieder.

Weiterhin im Zentrum des fünften Verhandlungstages: Die mysteriösen arabischen Schriftzeichen, die der Mörder vor allem im Schlafzimmer der Toten mit rotem Filzstift auf Schranktüren, einer Handtasche der Getöteten und der Wand hinterlassen hat. Zwei Islamwissenschaftler hatten diese untersucht - eine klare Interpretation sei jedoch schwierig. Grund: die Texte weisen Schreibfehler auf und seien daher inhaltlich nicht eindeutig zuzuordnen.

Klar sei aber, dass es sich um religiöse Phrasen handelt: Es geht um "Eure Exzellenz", "Göttliches Wohlgefallen", die "Ewigkeit Gottes" und den "Schmerz des Todes". Ein klarer Sinnzusammenhang sei dabei allerdings nicht zu erkennen. Und offenbar vermischen sich in den Schriften am Tatort mehrere unterschiedliche religiöse Strömungen. Der Islamwissenschaftler kommt, auch nach Analyse von privaten Aufzeichnungen C.s, zu dem Schluss: "Der Angeklagte hat eine verwirrte religiöse Identität."

Verwirrend sind auch die Forderungen des Angeklagten: Per Befangenheitsantrag lässt er von seinen beiden Verteidigern nach einem neuen Richter verlangen. Der Vorsitzende Roland Kleinschroth sei ihm gegenüber offenbar voreingenommen, sodass ein objektives Urteil aus Sicht des Angeklagten nicht mehr gewährleistet sei. Der Richter sei in seinem Umgangston zu laut und alles andere als sachlich. 

Allerdings hat sich Abubaker C. in den bisherigen Prozesstagen schon viele Provokationen erlaubt und das Wort an unpassender Stelle ergriffen. Der Anwalt der Familie der Getöteten erklärt daraufhin, dass es bereits genug Gründe gegeben habe, den Angeklagten aus dem Prozess auszuschließen. Offenbar kann C. froh sein, dass er an den Verhandlungstagen überhaupt noch im Gerichtssaal anwesend sein darf.

Der Prozess geht morgen um 9 Uhr im Heilbronner Landgericht weiter.

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