Fromm, psychisch krank oder ein Wichtigtuer?

Rentnerin-Mord: Angeklagter hört Stimme Gottes

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Der Angeklagte Abubaker C. verhielt sich auch an den Tagen nach dem Mord auffällig.
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Der Tatverdächtige verhielt sich am Tag nach dem Mord zwar nicht aggressiv, aber sehr merkwürdig.

Gott sage ihm, was sein Auftrag und seine Bestimmung sei. Schließlich höre er die Stimme des Schöpfers. Was genau Gott dem Angeklagten Abubaker C. offenbart, wird am dritten Prozesstag im Heilbronner Landgericht um den Mord in Bad Friedrichshall allerdings nicht deutlich.

Mit den geladenen Zeugen versucht das Gericht nachzuvollziehen, wo sich der tatverdächtige Pakistani in der Zeit zwischen dem Mord in der Nacht auf den 19. Mai 2016 und seiner Verhaftung aufgehalten hat. Klar ist: Er hat sich seltsam verhalten. Aggressiv oder furchteinflößend war er allerdings laut Aussage der Zeugen nicht.

Der Kirchendiener und der Pfarrer der evangelischen Kirche in Neuenstein haben den Verdächtigen am 19. Mai in dem Gotteshaus gesehen - sowohl morgens als auch abends. Ob C. sich auch in der Zwischenzeit in der Neuensteiner Kirche aufgehalten hat, ist noch unklar.

Der Pakistani sei müde und verunsichert gewesen, habe laut Kirchendiener einen verstörten Eindruck gemacht. Der 55-Jährige: "Die ganze Situation war für mich komisch." Krass auffällig oder gar aggressiv habe sich der Verdächtige aber nicht benommen.

Ähnlich schildert der Pfarrer seine Begegnung am Abend zwischen 17 und 18 Uhr. Auf Fragen reagiert C. in englischer Sprache - und mit fantastischen Antworten: Er komme aus einem Königreich, Gott schicke ihm in jeder Situation einen Engel und er habe die vergangene Nacht im Dschungel übernachtet. Der Pfarrer: "Ich habe ihm nicht getraut."

Besonders brisant: Zwei Mal habe der Angeklagte gefragt, ob der Pfarrer eine ältere christliche Frau wüsste, bei der er eventuell wohnen könne. Der Neuensteiner Pfarrer hilft C. aber auf einem anderen Weg: Er fährt ihn mit dem Auto nach Schwäbisch Hall in die Notunterkunft, wo Abubaker C. die Nacht auf Freitag, 20. Mai, verbringt. Der Pfarrer: "Unterwegs haben wir uns über den Glauben unterhalten. Ich hatte aber den Eindruck, dass er das sagte, von dem er glaubte, dass ich es hören will." C.'s Aussage sei demnach gewesen: Die Religionen sind im Wesen gleich. Entscheidend sei vielmehr die Liebe der Menschen zueinander. "Ich hatte dabei nicht den Eindruck, dass er dem Christentum feindlich gegenübersteht", erklärt der Pfarrer.

Am nächsten Morgen kümmerte sich ein Sozialarbeiter in Schwäbisch Hall um den Tatverdächtigen. Der 39-Jährige erklärt: "Auf mich machte er einen klaren und orientierten Eindruck. Er sah nicht so aus als ob er unter Drogen stünde - er war freundlich und höflich. Obwohl er mir erklärte, er höre die Stimme Gottes, hielt ich ihn nicht für gefährlich." Zudem äußerte C. Interesse für christliche Literatur. Ist Abubaker C. ein frommer Mensch, ein psychisch kranker, religiöser Fanatiker oder ein bloßer Wichtigtuer? Diese Frage bleibt weiter offen.

Mittlerweile nicht mehr überraschend: Auch am dritten Verhandlungstag verhält sich C. gegenüber dem Gericht anmaßend und aggressiv. Mehrfach stört er die Verhandlung durch laute Zwischenrufe. Statt Fragen an die Zeugen zu richten, holt er erneut zu ausschweifenden und überflüssigen Erläuterungen aus.

Zum Verhandlungsbeginn muss Richter Roland Kleinschroth den 26-Jährigen mit lauter Stimme immer wieder ermahnen und stellt wiederholt klar: "Das ist hier weder ein Kasperletheater noch eine Karnevalsveranstaltung. Wir haben einen straffen Zeitplan, an den wir uns halten wollen." C. lässt darauf von seinem Dolmetscher erklären: "Auch ich habe viel zu tun." Am Freitag wird der Prozess um 9 Uhr mit weiteren Zeugenvernehmungen fortgesetzt.

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