Liebe bis zum letzten Tag

Tierhospiz: Hier dürfen Katzen und Pferde in Würde gehen

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In der Villa Anima bleiben Katzen meist nur ein paar Monate - dann treten sie ihre letzte Reise an. Doch bis dahin sollen sie es so gut wie nur möglich haben.

Florentine ist eine 17 Jahre alte Katze. Sie ist bereits blind, ihre Nieren machen nicht mehr so richtig mit, der Rücken schmerzt und fressen wollte sie in den letzten Tagen auch nicht mehr so recht. Sie macht sich langsam auf ihren letzten Weg. Auf diesem wird sie von Vanessa Reif begleitet. Die 35-Jährige betreibt in Backnang ein Tierhospiz - Abschiede gehören in der "Villa Anima" dazu. 

Tut das nicht furchtbar weh, die Tiere gehen zu lassen? "Es tut immer weh", sagt Reif. "Aber auch der Tot ist etwas, womit man lernt umzugehen. Und wenn man weiß, wie sterben funktioniert, hat man keine Angst mehr davor." Seit gut zwei Jahren nimmt Reif in ihrem Tierhospiz, das sie im Wohnhaus ihrer Familie betreibt, überwiegend Katzen auf, um ihnen ihre letzten Tage und Monate so angenehm wie möglich zu gestalten. Finanziert wird alles über Spenden an den Villa Anima e.V. Die Tiere bekommen hier, was sie brauchen: Gesellschaft, Liebe und medizinische Versorgung. 

In der Villa Anima müssen die Katzen den letzten Weg nicht alleine gehen

Reif: "Wenn es soweit ist, dann vergleiche ich das Sterben mit einer Wanderung auf einen Berg: Manche brauchen Tage, um ihn zu erklimmen, andere schaffen den Weg in ein paar Stunden. Manche haben Blasen und Wunden vom Gehen, manche kommen ganz friedlich und ruhig oben an. Aber wenn sie da sind, dann ist die Seele wieder frei, gelöst von einem alten, geschwächten Körper. Das hat dann etwas Friedliches." 

Und friedlich geht's in der Villa Anima allgemein zu: Da kuschelt sich Hund Teddy neben Chihuahua-Mädchen Mimi auf die große Couch im Wintergarten, daneben sitzt Katzen-Dame Mia. Auf und in den Kratzbäumen haben sich weitere Samtpfoten zusammengerollt. 

"Ich habe zwei eigene Hunde und zwei Katzen. Für vier Pferde haben wir draußen Platz. Zwei sind meine eigenen, zwei sind Vereins-Tiere. Alle verstehen sich prima. Meine Katzen haben überhaupt kein Problem damit, dass ständig neue Vierbeiner ein- und ausziehen." 

Die Villa Anima bietet ein liebevolles Zuhause für alte oder schwer kranke Katzen und Pferde aus dem Tierschutz.

Einen gewaltigen Unterschied macht Reif aber klar: "Es ist etwas ganz anderes, von einem Tier aus dem Verein Abschied zu nehmen, als einem meiner Vierbeiner Lebewohl zu sagen. Ich führe hier ein Hospiz, da weiß ich, worauf ich mich einlasse und in wenigen Monaten kann ich zwar zu einigen Tieren einen tollen Draht aufbauen, aber die Verbindung ist natürlich nicht wie die zu einem Haustier, das viele Jahre bei mir ist."

Weihnachtsgeschenk: Schenke eine Patenschaft für die Villa Anima

Ihr wollt mal etwas Anderes zu Weihnachten verschenken und obendrein noch etwas Gutes tun? Dann verschenkt doch eine Patenschaft der Villa Anima.  Zu Weihnachten gibt's dafür vom Verein einen schönen Gutschein, den ihr per Mail anfordern könnt. 

In der Villa Anima in Backnang ziehen nicht nur zahme Katzen ein

Nicht alle Katzen, die in die Villa Anima einziehen, sind sanfte Stubentiger. Manche wurden im hohen Alter erst draußen eingefangen, hatten niemals einen festen Halter und kennen den Kontakt zu Menschen kaum. Besonders wenn die Fellnasen medizinische Versorgung benötigen, kann das schwierig werden. 

"Manche brauchen eben Geduld", sagt Reif und lächelt. Aber zahlt sich diese bei alten Tieren aus? "Auf jeden Fall! Mit geht das Herz auf, wenn hier wilde Senioren einziehen, die sich anfangs nicht anfassen lassen, fauchen und grimmig schauen. Und wenn sie dann doch noch aufblühen und eine schöne Zeit mit viel Liebe erfahren, dann weiß ich ganz genau, warum ich das alles mache." Reif verewigt alle Hospiz-Bewohner an einer Bilder-Wand. Manchmal sind kleine Notizen hinter den Foto-Leinwänden versteckt, auf denen Vanessa Reif Eigenschaften der verstorbenen Samtpfoten festgehalten hat. "So wird kein Tier irgendwann vergessen." 

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