Nachwuchsfilmteam dreht in Weinsberg und Heilbronn

Tabuthema: Dieser Film fesselt und rührt zu Tränen

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Die 15-Jährige Hannah schneidet sich die Arme auf. Selbstmord scheint der letzte Ausweg zu sein.

Ihr Vater ist Alkoholiker, schlägt sie und ihre Mutter. Auch in der Schule läuft es nicht rosig. Der Druck, der auf Hannah lastet, ist enorm – sie braucht ein Ventil. Regelmäßig greift sie zum Messer, schneidet sich die Arme auf. Das lässt sie runterkommen. Langfristig lindern die Schmerzen ihre Probleme freilich nicht. Vielmehr ist das Ritzen ein ständiger Streitpunkt zwischen Hannah und ihrem Freund Jonas. Der möchte seinem "Schatz" helfen, ist aber mit der Ausnahmesituation überfordert – und muss eine folgenschwere Entscheidung treffen...

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In ihrem Kurzfilm "Verletzt" beschäftigen sich die drei Nachwuchsfilmemacher Kevin Denz aus Erlenbach sowie Conny Chroeung und Christian Herzog aus Weinsberg mit dem Tabuthema Autoaggression – und erzielen mit dem 20-Minuten Streifen in zwei Wochen 2.000 Klicks auf Youtube. "Das Thema 'Ritzen' beschäftigt mich schon lange", erzählt der 15-jährige Denz, der das Drehbuch verfasst hat und die männliche Hauptfigur Jonas spielt. "Unter meinen Bekannten sind Leute, die sich ritzen – und auch in der Schule haben wir das Problem in Diskussionen zumindest gestreift."

Innerhalb von vier Tagen drehten die Hobby-Filmer die Szenen des Streifens – im Jugendhaus Weinsberg, im stillgelegten Lerchenberg-Bahntunnel in Heilbronn und im Kletterpark Weinsberg. Für die Kameraeinstellungen und -fahrten war der ebenfalls 15-jährige Herzog verantwortlich. Mit gekonnten Perspektivwechsel fängt er die Dynamik der Handlung ein, die Mimik der Schauspieler bei diesem ernsten Thema nimmt den Zuschauer sofort mit.

"Die Stimmung am Set war locker, da war es nicht einfach auf Kommando in die trübe Stimmung der depressiven Hannah zu wechseln", sagt die 18-jährige Chroeung, die die Hauptrolle spielt. "Ich habe dann einfach an meine Schulnoten gedacht, dann war ich in der richtigen Gemütslage", sagt die Schülerin und lacht. Mit ihrem gut gelaunten Wesen ist sie das Gegenteil der grübelnden Hannah. "Eine Freundin von mir hatte ähnliche Probleme wie Hannah, daher war mir das 'Ritzen' nicht fremd."

Könntet ihr euch vorstellen, in einem Film mitzuspielen?

Bemerkenswert: Dem jungen Team gelingt es mit dem ersten gemeinsamen Projekt den ernsten Inhalt sensibel anzupacken. Denz: "Die Zuschauer sollen Zugang zu Menschen finden, die sich selbst verletzen. Deshalb sind die Gründe für Hannahs Verhalten auch so vielfältig. Nichts ist schlimmer, als das Ritzen einfach als krank abzutun. Damit ist niemandem geholfen."

Der Titel "Verletzt" funktioniert auf mehreren Ebenen: Hannah wird Gewalt angetan, sie fügt sich selbst Schmerzen zu und verletzt damit auch ihren Freund Jonas. Und der gerät durch Hannah ebenfalls in einen Abwärtsstrudel aus Alkohol und Intrigen – bis zum offenen Ende, als Hannah sich buchstäblich vor den Zug werfen will. Getreu dem Thema endet "Verletzt" mit einem abrupten Schnitt – und einem offenen Ende.

Denz: "Es ging uns nicht darum, allgemeine Lösungen für individuelle Probleme zu finden, sondern darum, die Perspektiven zu erweitern: Nicht nur Außenstehende sollen sich einfühlen, auch den Ritzenden soll klar werden, dass sie durch ihr Verhalten auch andere belasten." Ritzen kann die Probleme nicht lösen. Stattdessen vielmehr die Begegnung zwischen Menschen – und zwar mit offenen Armen anstatt mit offenen Unterarmen.

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