Neue Studie belegt

Baden-Württemberger sind nicht ausreichend geimpft

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Gegen Masern hilft nur Impfen. Doch das machen viele Baden-Württemberger anscheinend nicht.
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Die Impflücke in Baden-Württemberg ist sehr groß.

+++ Update 9. August +++ Baden-Württemberg: Große Impflücke im Ländle

Im Arzneimittelreport der Barmer Krankenversicherung schneidet Baden-Württemberg beim Impfschutz richtig schlecht ab. Die Masern-Impfquote im Land liegt laut Barmer gerade einmal bei 77,8 Prozent.

"Die Impflücken bei Kleinkindern in Deutschland sind größer als bisher bekannt. Der Arzneimittelreport liefert aufgrund der gewählten Methodik der Analysen erstmals ein Bild von den tatsächlichen Impfquoten", sagt der Autor des Reports, Professor Daniel Grandt, Chefarzt am Klinikum Saarbrücken. Gerade bei den einschulungspflichtigen Schulkindern seien die Impfungen meist nicht vollständig. Der Report kritisert, dass bei den Schuluntersuchungen nur die vorgelegten Impfpässe für die Impfquote eingerechnet werden. Dadurch würden die Quoten deutlich unrealistischer und höher als sie eigentlich sind.

Ein ausreichender Schutz ist erst ab einer Impfquote von 95 Prozent erreicht. Im Heilbronner Landkreis sind die Zahlen zwar etwas höher, als im baden-württembergischen Durchschnitt, doch auch hier reicht die Impfquote noch nicht aus: 95,6 Prozent der Schulanfänger im Landkreis hatten die erste Masernimpfung. Die zweite hingegen hatten nur noch 89,9 Prozent. (Stand März 2019)

+++ Update, 17. Juli +++

Ein kurzer Pieks, aber so viel Wirkung. Ein neues Gesetz gegen Masern wurde vom Bundeskabinett beschlossen und greift ab März 2020. Demnach gilt ab da an eine Impfpflicht für Kinder vor dem Besuch eines Kindergartens oder einer Schule. Auch bei Tagesmüttern sowie Personal in Kitas und Schulen greift das Gesetz.

Wer dem nicht Folge leistet, dem drohen hohe Bußgelder. Bis zu 2500 Euro zahlen Impfverweigerer dann. Kinder, deren Eltern keine Masernimpfung vorweisen können, dürfen zukünftig nicht mehr in Kindergärten aufgenommen werden.

Grund für das neue Gesetz ist der Anstieg von Masernepidemien weltweit.

+++ Update, 6. Mai: Bußgelder für Masern-Impfverweigerer? +++

Gesundheitsminister Jens Spahn will nach der Debatte um die vermehrten Masernfälle in Deutschland nun mit einem Gesetzt zur Masern-Impfpflicht einer möglichen Epidemie Einhalt gebieten. Dabei sieht der Gesetzentwurf ein hartes Vorgehen gegen im Verweigerer vor: Kita-Kinder könnten bei nicht vorhandenem Impfschutz ausgeschlossen werden. Bei Schulkindern geht das auf Grund der allgemeinen Schulpflicht nicht. Daher plant Gesundheitsminister Spahn Geldstrafen, für Eltern, die ihre Kinder ohne ausreichenden Masern-Impfschutz in die Schule schicken.

Bis zu 2.500 Euro kann es kosten, wenn die Kinder nicht ausreichend, das heißt zwei Mal gegen Masern geimpft sind. Organisieren möchte Jens Spahn die Impfpflicht so: Kinder, die neu angemeldet werden für Schulen oder Kita, müssen bei der Anmeldung einen Nachweis erbringen, dass sie ausreichend geimpft sind. Kinder, die bereits in Einrichtungen betreut werden, müssten laut dem Gesetzentwurf bis 31. Juli 2020 in der Einrichtung einen Nachweis vorlegen. 

Auch in Heilbronn fehlt die zweite Masern-Impfung

Im Landkreis Heilbronn sind 95,6 Prozent der Schulanfänger einmal gegen Masern geimpft. Die zweite Impfung haben dann nur 89,9 Prozent. Das reicht nicht aus, um die Masern zu bekämpfen. Die Eltern in Heilbronnn, deren Kinder nicht ausreichend geimpft sind, könnten dann auch zur Kasse gebeten werden, wenn das Gesetz in Kraft tritt.

+++Update 29. März+++

In den USA erreichen Masern derzeit ein ungeahntes Ausmaß. Dabei galten sie dort bereits seit dem Jahr 2000 als ausgemerzt. Drastische Maßnahmen sollen diesen Zustand nun wieder herstellen. Auch in der Region breiten sich derzeit Masern aus. Ist eine ähnliche Epidemie auch hier denkbar?

Claudia Krüger, Pressesprecherin des Ministeriums für Soziales und Integration sieht durchaus Parallelen zu den Masernfällen in den USA: "In Baden-Württemberg gab es zuletzt im Jahr 2011 ein größeres Maserngeschehen mit insgesamt 524 Fällen, davon entfielen 213 Fälle auf den Ortenaukreis. In dem aktuell diskutierten Kreis in den USA geht es um zirka 150 Masernfälle bei 300.000 Einwohnern. Insofern ist ein vergleichbares Geschehen bei uns grundsätzlich nicht auszuschließen."

Masernepidemie im Landkreis Heilbronn? "Wenig wahrscheinlich"

ABER: "Eine Masernepidemie im Landkreis Heilbronn erscheint aufgrund des vorhandenen Impfschutzes der Bevölkerung als wenig wahrscheinlich", erklärt Manfred Körner, Pressesprecher des Landratsamts Heilbronn. Sollte es dennoch so weit kommen, würde ein solches Szenario wohl trotzdem weniger drastisch wahrgenommen als in den USA.

Im Bundesstaat New York war für die betroffene Region zuletzt der Ausnahmezustand verhängt worden. Die Behörden schlugen Alarm und haben ein Ausgangsverbot für Menschen ohne ausreichenden Impfschutz verhängt. Wer von ihnen trotzdem unterwegs ist, kann mit bis zu sechs Monaten Gefängnis bestraft werden.

Körner: "Reisende aus den USA werden MOMENTAN nicht als Bedrohung angesehen und somit gibt es auch keine erhöhten Sicherheitsvorkehrungen." Allerdings gäbe es grundsätzlich nach dem Infektionsschutzgesetz auch hier die Möglichkeit, "weitreichende Maßnahmen" anzuordnen. Haftstrafen sind dabei allerdings nicht vorgesehen. Bußgelder könnten bei einer theoretischen Masern-Epidemie im Landkreis Heilbronn aber durchaus verhängt werden.

+++Update 25. März+++ Forderungen nach Impfpflicht werden laut

Nicht die erste Masern-Impfung ist das Problem, sondern die zweite: Auf Grund der hohen Zahl der Masernfälle fordert die SPD nun eine Impfpflicht für die Masernimpfung. Die Grünen sprechen sich gegen eine Impfpflicht aus. Was steckt dahinter? Wie sieht es bei uns in der Region aus? 

Um ausreichend gegen Masern geimpft zu sein, reicht die erste Impfung, im Alter von elf bis 14 Monaten, nicht ganz aus. Innerhalb eines Jahres, sollte eine zweite Maser-Impfung folgen, lautet die Empfehlung. "90 Prozent haben zwar schon nach der ersten Impfung einen vollständigen Schutz, also eine gute Immunität“, erklärt Dr. Hans Ulrich Stechele, Kinderarzt in Heilbronn. Um die restlichen zehn Prozent ebenfalls zu schützen, sei eine zweite Impfung notwendig. 

Masern: Das Restrisiko minimieren

Viele Menschen seien zwar einmal geimpft worden, doch häufig fehle vor allem bei Erwachsenen die zweite. Damit bleibt ein Restrisiko, dass man als Krankheitsträger das Virus weiter verbreitet. Im Zeitraum vom 1.1.2018 bis heute traten im Landkreis Heilbronn zwei Mal bei 19-Jährigen und einmal bei einem Kind im Alter von zwei Jahren die Masern auf. 

Eine Übersicht der Schulanfänger im Landkreis zeigt, dass die Impfung selbst nicht das Problem ist: 95,6 Prozent der Schulanfänger im Landkreis hatten die erste Masernimpfung. Die zweite hingegen hatten nur noch 89,9 Prozent. „Bei uns ist im Rahmen der Grundimmunität die vollständige Impfung abgeschlossen. Früher hat man erst mit fünf oder sechs Jahren die Kinder das zweite Mal geimpft. Heute gibt es die zweite Impfung meistens schon im 15. Monat, dadurch wird sie auch seltener vergessen“, sagt Dr. Stechele. 

Masern: Heilbronn ist gut geimpft

Der Stadtkreis Heilbronn sei relativ gut aufgestellt, was die Impfungen betreffe. „Bei uns bemühen sich alle Kollegen Impfungen zeitgerecht abzuschließen“, sagt der Kinderarzt. Vor allem die Tatsache, dass man bei jedem Patientenkontakt die Impfungen überprüfe, führe dazu, dass auch die zweite Impfung nicht verschlafen werde.

Eigentlich sollten Viren wie die Masern schon längst ausgestorben sein, doch auch in diesem Jahr sind die Zahlen der an Masern Erkrankten in Baden-Württemberg wieder dramatisch angestiegen. Das Regierungspräsidium Stuttgart warnt daher vor einem gefährlichen Anstieg. 

Masern: Kontakt mit Erregern zieht Schulausschluss nach sich

"Masern sind extrem ansteckend. Leider werden Masern in der Bevölkerung häufig unterschätzt, dabei kann die Krankheit schwerwiegende Folgen haben", erklärt der Stuttgarter Regierungspräsident Wolfgang Reimer. Die Inkubationszeit von Masern beträgt rund zwei Wochen. Bereits drei bis vier Tage vor Ausbruch der Krankheit beginnen die Betroffenen den Erreger über die Schleimhäute und die Atmung auszuscheiden.

Aufgrund dessen werden Schüler sowie Kindergartenkinder ohne Impfschutz nach Kontakt mit einem Masernerkrankten in der Regel für 14 Tage vom Kindergarten- beziehungsweise Schulbesuch ausgeschlossen. 

Masern in Heilbronn: Jede Einrichtung entscheidet selbst über Impfstatuts

Manfred Körner, Pressesprecher des Landratsamt Heilbronn, erklärt: "Wie Gemeinschaftseinrichtungen den Impfstatus überprüfen, ist nicht geregelt. Eine allgemeine Impfpflicht vor Aufnahme in eine Gemeinschaftseinrichtung besteht nicht. Hierzu können allerdings entsprechende zivilrechtliche Vereinbarungen zwischen dem Träger der Einrichtung und den Nutzern getroffen werden."

Masern: 2019 auch Heilbronn betroffen

Dies sei eine wichtige frühe Maßnahme, um zu verhindern, dass sich die hoch ansteckenden Masern weiter ausbreiten, erklärt Wolfgang Reimer. Der Landkreis Heilbronn ist laut Zahlen des Regierungspräsidiums Stuttgart nicht so stark betroffen wie andere Stadt- und Landkreise, doch auch in Heilbronn und Umgebung wurden in diesem Jahr bereits Masernfälle gemeldet.

Im Landkreis gab es 2019 bereits einen Masernfall, ebenso wie im Stadtkreis. Allerdings gab es in den Jahren 2017 und 2018 im Stadtkreis Heilbronn keine Masernfälle.

Masern: Fälle steigen in BaWü drastisch an - Impfschutz notwendig

Mit 30 Masernfällen liegt Baden-Württemberg 2019 schon jetzt deutlich über der Vorjahres-Fallzahl. Gerade einmal zehn Fälle waren es im gesamten vergangenen Jahr. Diese extremen Zahlen seien alarmierend. 

"Weitere Erkrankungen können nur vermieden werden, wenn ein ausreichend hoher Impfschutz erreicht wird", sagt Baden-Württembergs Sozial- und Integrationsminister Manne Lucha. Wer einmal selbst die Masern hatte oder zweimal geimpft wurde ist eigentlich geschützt.

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