Heftige Diskussion

Gehaltserhöhung nur für geimpftes Personal? Mega-Streit an Klinikum

Krankenhauszimmer
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Am Klinikum in Ludwigshafen gibt es derzeit heftige Diskussionen. (Symbolbild)
  • Anna-Maureen Bremer
    VonAnna-Maureen Bremer
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Werden Geimpfte bevorzugt behandelt? Der Betriebsrat der Klinik Ludwigshafen wendet sich an die Öffentlichkeit. Die Leitung reagiert.

Kann es wirklich sein, dass an einem Klinikum in Ludwigshafen nur das geimpfte Personal eine Chance auf eine Gehaltserhöhung hat? Bestätigt ist es nicht, aber es tobt offenbar eine heftige Debatte. Fest steht: Der Betriebsrat stellt sich auf die Hinterbeine.

Noch sei nicht klar, ob alles so stimmt, schreibt die rnz. „Ob die Leitung des Klinikums Ludwigshafen (Klilu) wirklich geplant hat, dessen noch nicht geimpfte Beschäftigte so zu benachteiligen, wie es der Betriebsrat des Krankenhauses in einem Info-Brief formuliert hat.“ Es soll um Vertragsverlängerungen und Bezahlung gehen. Harte Kante wird auf jeden Fall von Geschäftsführung, Direktorium und Corona-Krisenstab gezeigt. Dass hier Druck ausgeübt wird, geht auch aus der Pressemitteilung hervor, die das Klinikum wohl formulieren musste, nachdem der Betriebsrat bereits seinem Unmut Luft gemacht hatte.

Ludwigshafen: Streit an Klinik – werden Ungeimpfte benachteiligt?

In dem Schreiben fallen harte Worte. Im Bericht der rnz heißt es darüber: „Die AHA-Regeln und der vollständige Impfschutz des Personals seien tragende Säulen des Konzepts, auf das sich die Patienten zukünftig verlassen dürften – rund 400 Mitarbeiter des Klilu sind noch nicht geimpft.“ Soweit so sachlich. Allerdings teilt die Klinikleitung dann mit, dass sie jeden einzelnen dieser nicht Geimpften für eine Gefahr halte, die sie ihren Patienten nicht zumuten darf und will. Geschäftsführer Hans-Friedrich Günther forderte Corona-Leugner und Mitarbeiter ohne Impfwillen dazu auf, darüber nachzudenken, „ob ein Krankenhaus mit einer sehr großen Verantwortung für die Menschen dieser Region“ der passende Arbeitsplatz sei.

Er schreibt außerdem, dass diejenigen, die unentschlossen seien oder sich gegen eine Impfung entschieden hätten, ein Problem seien. Warum werden aber am Klinikum so harte Worte gewählt? Es dürfte an einer sicheren Annahme liegen, von der das Haus ausgeht: „Wer nicht geimpft ist, wird sich früher oder später infizieren.“

83 Prozent der Belegschaft des Klinikums in Ludwigshafen sind bereits geimpft. Das scheint verglichen mit dem prozentualen Anteil, den das ganze Land vorweisen kann zwar viel - es genügt der Klinikleitung allerdings nicht. Sie weist ausdrücklich darauf hin, dass eine höhere Quote angestrebt wird und man nicht „irgendein“ Betrieb sei, sondern eine besondere Verantwortung habe gegenüber Patienten und deren Angehörigen. Derzeit gehen die Inzidenzen im Land zurück - für das Klinikum ist das aber kein Anlass, „nachlässig“ zu werden.

Aktuell breitet sich die Delta-Variante des Coronavirus weiter aus. Auch Fälle in Baden-Württemberg sind bereits bekannt. Viele setzen darauf, dass die Impfstoffe, die bereits auf dem Markt sind, auch vor der neuartigen Virusform schützen.

Kinikum Ludwigshafen will mehr geimpftes Personal

Nach der Überarbeitung der Sicherheitsmaßnahmen vom Montag greifen auch am Klinikum Lockerungen für Patienten, Mitarbeiter und Besucher. Trotzdem stehe die Sicherheit insbesondere der stationären Patienten über allem. Das Konzept der Klinik stehe auf tragenden Säulen, zu denen die Einhaltung der Abstandsregeln und der volle Impfschutz des Personals zähle.

Aufklärung betreibt die Klinik schon längere Zeit. „Schon zu Beginn des Impfangebots wurden den Mitarbeitern Dokumente, Erklärvideos und Präsentationen zur Verfügung gestellt, um nach neuestem wissenschaftlichem Stand über die einzelnen Impfstoffe zu informieren. Daran beteiligt gewesen seien der Chefapotheker des Hauses, die Labormedizin und der Betriebsärztliche Dienst. Dieser habe auch jederzeit individuell zu konkreten Fragen der Mitarbeiter beraten. Gerade zu Beginn sei viel Energie in die Aufklärung investiert worden“, so Günther. „Wir wollten, dass alle verstehen, wie sinnvoll die Impfung für uns als Haus und auch für uns als Gesellschaft ist“, schreibt die rnz.

Dass der Betriebsrat sich an die Öffentlichkeit gewandt hatte, anstatt innerhalb der Klinik ins Gespräch zu kommen, bedauere man in der Führungsriege.  „Wir haben kein Problem damit, uns dieser Diskussion zu stellen. Wir führen sie im Interesse unserer Patienten.“ Maßnahmen, die sich nicht mit dem geltenden Arbeitsrecht vereinbaren ließen, werde es auch jetzt nicht geben.

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