Junge Männer verhielten sich verdächtig

Polizei kontrolliert Verdächtige am Bahnhof - dann eskaliert die Situation

  • Daniel Hagmann
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Eine Kontrolle am Bahnhof in Ludwigsburg droht zu eskalieren. Rund 20 Menschen bedrängen die Polizei und beschimpfen die Beamten als Rassisten.

  • Beamte der Polizei Ludwigsburg zur Kontrolle am Bahnhof.
  • Mob bedrängt Beamte und beschimpft sie als Rassisten.
  • Erst weitere, hinzugezogene Streifen können die Situation beruhigen.

Was Polizisten sich derzeit alles anhören müssen, wenn sie für Recht, Sicherheit und Ordnung sorgen wollen, macht einen nur noch fassungslos. Neuestes Beispiel aus der Region: Beamte der Polizei Ludwigsburg wollten am Donnerstagabend am Ludwigsburger Bahnhof eine Personenkontrolle durchführen. Das Ende des traurigen Liedes: Es setzte üble Beleidigungen und körperliche Bedrängungen. Erst das Eintreffen weiterer Polizisten verhinderte offenbar die endgültige Eskalation des Geschehens.

Der genaue Tathergang war wie folgt: Sechs Polizisten waren am Donnerstagabend gegen 21 Uhr im Rahmen der "Sicherheitskonzeption Bahnhof" am Zentralen Busbahnhof sowie am Bahnhofsgebäude in Ludwigsburg zur Kontrolle unterwegs. Als sich drei Polizisten den Bussteigen näherten, fielen ihnen zwei 21 Jahre alte Männer auf, die sich verdächtig verhielten. Sie wirkten nervös, wurden hektisch. Die Polizisten sprachen die Männer, die aus Sierra Leone und Gambia stammen, daraufhin an. Das Resultat: Beide wurden sofort laut, aggressiv und gestikulierten wild und schrien auf Englisch herum.

Ludwigsburg: Mob bedrängt Polizisten und beschimpft Beamte als Rassisten

In kürzester Zeit bildete sich im Anschluss eine etwa 20-köpfige Menschentraube um die Beamten der Polizei Ludwigsburg. Einer der beiden 21-Jährigen beruhigte sich trotz des Versuchs, ihm die Maßnahme zu erklären, nicht. Er beleidigte die Polizisten als Rassisten - und auch aus der umstehenden Menge wurden wiederholt Rufe laut, die die Kontrollmaßnahme kritisierten und diese ebenfalls als rassistisch bezeichneten.

Die Gewalt gegen Polizisten nimmt gefühlt in den vergangenen Wochen immer mehr zu.

Die Situation spitze sich immer mehr zu, drohte, zu eskalieren. Daher forderten die Polizisten weitere Streifenwagenbesatzungen zur Unterstützung an. Zum Glück gelang es den Polizisten am Bahnhof in Ludwigsburg im Anschluss, die Menschenmenge zu beruhigen und auf Abstand zu bringen. Nach der Kontrolle erhielten die beiden 21-Jährigen einen Platzverweis. Der Tatverdächtige muss mit einer Anzeige wegen Beleidigung rechnen.

Ludwigsburg: Nimmt Gewalt gegen Polizei immer mehr zu?

Noch einen Tag zuvor, am Mittwoch, hatte Ludwigsburgs Polizeipräsident Burkhard Metzger in einem Interview mit der Ludwigsburger Kreiszeitung deutlich gemacht, dass er nicht möchte, "dass meine Leute in entsprechenden Situationen wegschauen, weil sie befürchten, sich mit einer Kontrolle Rassismusvorwürfen auszusetzen", wie die Polizei Ludwigsburg berichtet. Bereits Ende Mai waren Polizeibeamten in Remseck bei Ludwigsburg im Zuge einer Kontrolle als "Nazis" beschimpft worden.

Metzger betonte nun erneut, dass sich Kontrollen dieser Art auf verdächtiges Verhalten stützen und ungeachtet der Hautfarbe oder Staatsangehörigkeit durchgeführt werden. "Unsere Polizistinnen und Polizisten leisten professionelle Arbeit. Es kann nicht sein, dass sie von unbeteiligten Dritten ohne jede Kenntnis des Kontrollanlasses als Rassisten beschimpft werden." Gegenüber Polizeibeamten scheint das Verhalten immer gewalttätiger und unverschämter zu werden. Gerade erst vor zwei Wochen waren in Stuttgart Pöbeleien gegen Polizisten in ein bislang unbekanntes Maß an Gewalt ausgeartet. Die Stadt Stuttgart hat deshalb zusammen mit dem Land Baden-Württemberg Maßnahmen erarbeitet, um in der Landeshauptstadt in Zukunft für mehr Sicherheit zu sorgen.

Rubriklistenbild: © Fotos: Monika Skolimowska/dpa/Google Maps; Collage: hag

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