"Eisenbahner mit Herz"

Lokführer erhält Preis! Dank ihm gab es an Heiligabend ein kleines Wunder

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Michael Schwaiger (Mitte) wurde als "Eisenbahner mit Herz" ausgezeichnet.
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Michael Schwaiger fährt in Ettlingen seine letzte Fahrt an Weihnachten. Dann entdeckt er plötzlich einen hilflosen Mann.

Der 24. Dezember 2018 wird Michael Schweiger wohl für immer in Erinnerung bleiben. An diesem Heiligabend rettete er womöglich ein Menschenleben. Alle anderen schauten weg - weil oder obwohl Weihnachten war. Jetzt wurde der Lokführer der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) für sein couragiertes Verhalten ausgezeichnet.

Heiligabend: Niemand nahm von hilflosem Mann Notiz

"Es war meine letzte Fahrt am Heiligabend", erklärt der Triebfahrzeugführer, der als Landessieger in Baden-Württemberg mit dem Titel "Eisenbahner mit Herz" gekürt wurde. Vom Ettlinger Stadtbahnhof kommend machte Schweiger gegen 13.30 Uhr Halt am Stopp "Erbprinz". Und machte schon bei der Einfahrt eine wichtige Entdeckung. 

Schwaiger: "Ich fand es ungewöhnlich, dass dort ein gepflegt gekleideter Mann im Wartehäuschen auf dem Boden saß und sich mit der Hand die linke Brust hielt." Im Rückspiegel dann die traurige Erkenntnis: Außer ihm selbst nimmt niemand von dem hilflosen Herrn Notiz. Schwaiger zögert nicht lang.

Kleines Wunder an Heiligabend: Lokführer rettet womöglich Menschenleben

"Für mich war sofort klar, dass der Mann sich in einer Notsituation befindet und dringend Hilfe braucht. Also habe ich den Schlüssel abgezogen und bin zu ihm hingerannt." Der Mann sei bleich im Gesicht gewesen und habe über einen stechenden Schmerz in der Brust und einen tauben linken Arm geklagt. Schwaiger befürchtet einen Herzinfarkt, ruft sofort den Notarzt.

Nach kurzer Zeit war der Notarzt da, nahm den Mann mit ins Krankenhaus. Schwaiger blieb danach gelassen. Er setzte seine letzte Bahnfahrt am Heiligabend regulär fort. "Ich habe im Anschluss erfahren, dass der Mann überlebt hat."

Kleines Wunder hat Schattenseite: Lokführer reagierte sofort - sonst niemand

Doch das kleine Wunder an Heiligabend hat auch seine Schattenseite: "Zum einen war ich sehr froh darüber, dass ich dem Mann helfen konnte. Zum anderen hat es mich aber sehr beschäftigt, wie viele Menschen achtlos an ihm vorbeigegangen sind und selbst gar nicht auf die Idee kamen, ihm zu helfen." Selbst auf eine Durchsage nach einem Arzt oder einer Krankenschwester hatte niemand reagiert. 

Niemand außer Michael Schwaiger. Wäre auch er einfach weitergefahren, hätte das für den Patienten fatale Folgen haben können. Doch Michael Schwaiger entschied sich richtig. Und wurde dafür nun von der "Allianz pro Schiene" als "Eisenbahner mit Herz" zum Landessieger in Baden-Württemberg ausgezeichnet. Die Vorschläge für diese Ehrung stammen immer von Bahnreisenden.  

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