Umstellung in vollem Gang

Lidl und Kaufland verzichten bald auf Billigfleisch – mit dieser Ausnahme

Fleisch
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Bei Hühner- und Putenfleisch ist die Haltungsform 2 bereits mehr vertreten. Jetzt legen Märkte beim Schweinefleisch nach.
  • Anna-Maureen Bremer
    VonAnna-Maureen Bremer
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Es tut sich was in den Supermärkten: Nachdem Aldi voraus preschte, legen weitere Handelsketten nach und wollen Fleisch aus besserer Haltung verkaufen.

Die gesetzlichen Mindestanforderungen reichen nicht mehr aus. Das teilte die Schwarz-Gruppe am Donnerstagabend mit. Zur Gruppe gehören Kaufland mit Sitz in Neckarsulm und Lidl mit neuem Sitz in Bad Wimpfen. Das Unternehmen möchte in seinen Märkten künftig nur noch Fleisch aus Tiergerechter Haltung anbieten. Tierschützer sind damit noch nicht zufrieden.

Noch bis Ende des Jahres will Lidl den neuen Plan in die Tat umsetzen - die Umstellung beginnt bereits diesen Monat. Viele werden die Merkmale auf den Fleisch-Verpackungen bereits kennen. Lidl und auch Kaufland möchte künftig nur noch Fleisch verkaufen, das mindestens mit Stufe 2 („Stallhaltung Plus“) ausgezeichnet ist. Dabei ist garantiert, dass die Tiere bei der Haltung etwas mehr Platz haben. Wie der SWR berichtet, seien Schweinefilets allerdings ausgenommen, da diese teilweise importiert werden.

Lidl und Kaufland wollen kein Billigfleisch mehr – aber es gibt Ausnahmen

Wegen fürchterlicher Haltungsbedingungen hatte kürzlich ein Schweinebetrieb bei Ulm Schlagzeilen gemacht. Tote und verletzte Tiere lagen hier achtlos umher. Das Veterinäramt reagiert mündlich.

Vorreiter für die Bewegung waren Aldi Süd und Aldi Nord, die bekannt gegeben hatten, nur noch Fleisch aus besseren Haltungsformen anzubieten. Auch andere große Handelsketten wollen nachziehen. Auch Rewe will noch ab Juli das Schweinefleisch, das unter der Eigenmarke verkauft wird, auf Haltungsform 2 oder besser umzustellen. Edeka will noch härter umstellen: Kurzfristig soll auf Haltungsform 1 verzichtet werden. Langfristig soll auch die Haltungsform 2 beim Frischfleisch aus dem Angebot verschwinden.

Fleisch aus besseren Haltungsformen bei Lidl und Kaufland – mehr Platz für Tiere

Im SWR-Bericht heißt es: Nach eigenen Angaben von Kaufland stammt das Schweine-, Puten- und Hähnchenfleisch in den Frischetheken seit 2019 bereits ausschließlich aus der Haltungsform Stufe 3 „Außenklima“. Dabei haben Schweine unter anderem 40 Prozent mehr Platz als gesetzlich vorgeschrieben und Zugang zu Außenklimabereichen.

Was bedeuten die ausgezeichneten Haltungsformen überhaupt?

  • Stufe 1: „Stallhaltung“ nach den gesetzlichen Anforderungen
  • Stufe 2: „Stallhaltung Plus“ - die Tiere haben etwas mehr Platz
  • Stufe 3: „Außenhaltung“ - noch etwas mehr Raum für die Tiere und Frischluft-Kontakt
  • Stufe 4: „Premium“ - hier haben die Tiere auch Auslaufmöglichkeiten im Freien, auch Biofleisch wird in diese Stufe eingeordnet.

Großer Jubel oder eine besondere Außenwirkung hatte das Bekanntwerden der Supermarkt-Pläne noch nicht. Der Handel sieht vor allem beim Schweinefleisch die Kosten als Grund: Bessere Haltungsformen kosten mehr Geld und die Kunden seien ausgesprochen preissensibel.

Billigfleisch fliegt bei Lidl und Kaufland raus – Tierschützer wünschen sich mehr

Auch für die Bauern bedeutet eine Umstellung deutliche Investitionen, denn dafür muss die Produktion umgestellt werden. Nur mit höheren Zahlungen aus dem Handel und finanzieller Unterstützung der Politik ist das nach Meinung der Bauern möglich, das äußert der Präsident des Deutschen Bauernverbandes Joachim Ruckwied aus Eberstadt.

Tierschützern reichen die angestrebten Umstellungen nicht aus. Aus Tierschutzsicht ist auch die Haltungsform zwei für Tiere nicht ausreichend. Mindestens Stufe 3 und 4 seien nötig, um akzeptable Umstände zu schaffen. In einer Pressemitteilung von Lidl heiß es dazu: „Zudem will Lidl die Haltungsstufen 3 und 4 in seinem Eigenmarkenprodukten weiter ausbauen. Dabei sollen vor allem die Landwirte partnerschaftlich eingebunden und nicht durch zu hohe Einstiegsstufen beziehungsweise hohe finanzielle Belastungen von einer Weiterentwicklung ausgeschlossen werden.“

Wer jetzt denkt, er verzichtet am besten gleich ganz auf Fleisch, dem dürfte diese Meldung nicht gefallen: Nach dem Burger gibt es in Deutschland nun auch die Veggie-Wurst von Beyond Meat. Die Tester von Öko-Test teilen allerdings ein schlechtes Urteil für die Wurst.

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