Viele Neuinfektionen, rapider Anstieg der 7-Tages-Inzidenz

Landkreis Hohenlohe zeigt: So schnell kann Corona-Situation kippen

  • Julia Thielen
    vonJulia Thielen
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Der Hohenlohekreis weist im Gegensatz zum landesweiten Trend in Baden-Württemberg eine hohe Inzidenz auf. Und zeigt damit, dass Corona derzeit immer noch hart zuschlagen kann.

Der Landkreis Hohenlohe sticht in Baden-Württemberg derzeit heraus. Mit einer 7-Tages-Inzidenz von 129,6 (Stand 10. Februar) ist der Hohenlohekreis trauriger Spitzenreiter in Sachen Corona im Südwesten. Dabei gehörte er vor nicht einmal 14 Tagen zu den Vorzeigebeispielen im Land, weil die Inzidenz durch wenige Fallzahlen bedeutend niedrig war. Jetzt zeigt Hohenlohe, dass die Corona-Situation auch trotz bundesweit sinkender Fallzahlen ganz schnell kippen kann.

Corona in Baden-Württemberg: Hohenlohe zeigt - so schnell kann Situation kippen

Wie sich nach dem Corona-Gipfel am gestrigen Mittwoch, 10. Februar, auch für Baden-Württemberg angekündigt, sollen mögliche Lockerungen des Lockdowns an eine 7-Tages-Inzidenz von unter 35 geknüpft sein. Ziel muss es also für jedes Bundesland - und damit auch für jeden einzelnen Landkreis - sein, die Anzahl von Neuinfektionen auf unter 35 pro 100.000 Einwohnern binnen sieben Tagen zu drücken. Gerechnet auf den Hohenlohekreis dürften sich innerhalb einer Woche also „nur“ noch knapp 39 Menschen mit dem Coronavirus anstecken.

Neuinfektionen Landkreis Hohenlohe (Stand 10. Februar)30
7-Tages-Inzidenz129,6
Todesfälle insgesamt101

Ende Januar und Anfang Februar war das im Landkreis Hohenlohe bereits geschafft. Von einer Inzidenz über 100 nahm die Zahl rapide ab und unterschritt am 27. Januar die 35-er Marke erstmals wieder. Am 29. Januar lag die 7-Tages-Inzidenz kurzzeitig sogar einmal bei 28,4. Mehrere Tage lang meldete in der Woche zuvor das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg nur eine Neuinfektion für den Hohenlohekreis, Ende Januar gab es sogar Tage ganz ohne weitere positiv getestete Fälle. Zudem war sehr erfreulich, dass es beispielsweise am 23. Januar keine neuen Todesfälle mit oder im Zusammenhang mit Corona im Landkreis gab. Hohenlohe konnte als landesweites Beispiel für ein niedriges Infektionsgeschehen herhalten.

Hohenlohekreis: Besorgniserregende Entwicklung bei Corona-Zahlen binnen weniger Tage

Doch dann kippte die Situation. Anfang Februar stieg die Zahl der Neuinfektionen in Hohenlohe rapide an. Statt den wünschenswerten maximal 39 Neuinfektionen binnen sieben Tagen registrierte das Landesgesundheitsamt in Baden-Württemberg 148 neue Corona-Fälle in diesem Zeitraum im Hohenlohekreis. Darunter ein Wochenende, an dem die Fallzahlen gewohnter Weise niedrig sind, weil deutlich weniger übermittelt wird. Am 6. Februar vermeldete das Landratsamt in Hohenlohe dramatische 51 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden.

„Die derzeitige Entwicklung zeigt uns leider, wie schnell die Infektionszahlen in die Höhe schnellen können und, dass wir uns weiterhin in einer äußerst angespannten Lage befinden“, erklärte der erste Landesbeamte Gotthard Wirth in einer Pressemitteilung vom 6. Februar. Auch Landrat Dr. Matthias Neth hatte sich schon vorher zu der besorgniserregenden Entwicklung der Corona-Zahlen im Hohenlohekreis geäußert. „Es war klar, dass die vergleichsweise niedrige Inzidenz der vergangenen Tage nur eine Momentaufnahme darstellt und es immer wieder zu neuen Ausbrüchen kommen kann. Dass wir nun gleich mehrere parallel verlaufende Ausbruchsgeschehen haben, macht nochmals deutlich, dass wir die Lage keinesfalls auf die leichte Schulter nehmen und unterschätzen dürfen.“ 

Landkreis Hohenlohe in Baden-Württemberg: Corona-Situation kann schnell umgeschlagen

Dass die bundesweit zuletzt rückläufige Entwicklung der Corona-Zahlen ein fragiles Gebilde ist, zeigt der Hohenlohekreis deutlich. Hier hatten einzelne und örtliche Corona-Ausbrüche für die dramatische Steigerung der Infektionszahlen gesorgt. Zuletzt war keine Besserung in Sicht. Am 10. Februar vermeldete das Landratsamt erneut 30 Neuinfektionen mit dem Coronavirus. Darunter waren auch Fälle, die die noch ansteckendere Virusmutation aus Großbritannien aufwiesen.

Wenn wir uns nicht alle dafür einsetzen, die weitere Ausbreitung zu verhindern, wird eine Lockerung der Maßnahmen bzw. ein schrittweiser Rückgang zur Normalität so schnell nicht möglich sein.

Landrat Dr. Matthias Neth

Neben einem Corona-Ausbruch bei der Firma Würth in Künzelsau und mehreren Infektionen in Kinderbetreuungseinrichtungen hatte auch eine illegale Corona-Party im Landkreis Hohenlohe die Infektionszahlen in die Höhe getrieben. „Persönlich bin ich – gerade mit Blick auf die illegale private Veranstaltung – gleichermaßen enttäuscht wie fassungslos über das Verhalten Einzelner, die wissentlich Verstöße gegen die Corona-Verordnung begehen, andere gefährden und damit das Infektionsgeschehen verstärken. Wenn wir uns nicht alle dafür einsetzen, die weitere Ausbreitung zu verhindern, wird eine Lockerung der Maßnahmen bzw. ein schrittweiser Rückgang zur Normalität so schnell nicht möglich sein“, erklärte Neth Anfang Februar.

Corona in Baden-Württemberg: Nicht nur Hohenlohe von Ausbrüchen betroffen

Ähnlich deutlich wurde man übrigens nicht nur in Hohenlohe. Auch in Mühlheim an der Donau in Baden-Württemberg war man sauer. Eine Wandertruppe hatte hier gegen alle Corona-Regeln verstoßen und ihren Ausflug zum Superspreader-Event wahr werden lassen. Die Konsequenz: Eine zwischenzeitlich fast auf 1.000 angestiegene 7-Tages-Inzidenz.

Doch selbst ohne solch massives Fehlverhalten und mit konsequenten Hygienemaßnahmen ist kaum jemand vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus gefeit. Der Ausbruch bei Würth in Hohenlohe zeigt, dass auch bei schnellem Eingreifen schnell dutzende Personen direkt oder indirekt mit Quarantäne von einer Corona-Infektion betroffen sein können.

Im Hohenlohekreis versucht man durch Schnelltests, Isolierung der Kontaktpersonen und weitere konsequente Maßnahmen, die Dynamik des Infektionsgeschehens einzudämmen. Man arbeite nun auch am Wochenende weiter, um alle Fälle zu registrieren, hieß es zudem kürzlich. Das Coronavirus in Hohenlohe scheint örtlich begrenzt feststell- und damit kontrollierbar zu sein. Dennoch zeigt der Landkreis, wie schnell sich das Hamsterrad der Pandemie von Neuem anfangen kann, zu drehen.

Rubriklistenbild: © Kira Hofmann/dpa

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