Lärmbelastung für Anwohner

Zu laut? Zwei Orte in der Region stechen bei SWR-Messaktion besonders hervor

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Auch Gemeinden und Städte in der Heilbronner Region haben mit Verkehrslärm zu kämpfen.
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In einer Aktion hat der SWR in 25 Orten die Lärmbelastung für Anwohner nachgemessen. Mit dabei waren auch zwei Orte in der Heilbronner Region.

Ein Auto nach dem anderen rauscht vorbei, unterbrochen von Lkw und Motorrädern - besonders schlimm ist es während des Berufsverkehrs. Dann wird die Blechlawine, zumindest gefühlt, unendlich lang. Stetiger Begleiter: Straßenverkehrslärm. Situationen wie diese kennen Anwohner, die an viel befahrenen Straßen und Verkehrsknotenpunkten leben, nur zu gut. 

Auch Heilbronner Region betroffen: SWR misst Straßenverkehrslärm

Der SWR hat deshalb die Aktion #zuLAUT gestartet und dazu aufgerufen, Verkehrslärm zu melden – und danach an 25 Orten selbst nachgemessen. Dabei wurde auch an zwei Orten in der Region das Messgerät gezückt: in Brackenheim-Meimsheim und Obersulm-Willsbach. echo24.de wollte genauer wissen, wie es um die Lärmbelastung steht - und hat für euch nachgefragt.

Über 400 Menschen meldeten sich nach eigenen Angaben beim SWR, der danach "mit kalibrierten Messgeräten jeweils zwei Wochen alle 40 Sekunden" an 25 Orten den Schallpegel ermittelte. Das Ergebnis: Bei 15 von 25 Messungen lag der Großteil der Schallpegel über den von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen maximal 53 dB(A) tagsüber und 45 dB(A) nachts.

Verkehrslärm in Obersulm-Willsbach - Gemeinde kennt Problem

Besonders hervor stach dabei die Löwensteiner Straße in Obersulm-Willsbach: Sämtliche vom SWR gemessene nächtliche Schallpegel lagen über der Empfehlung der WHO. Nimmt man den Richtwert für Lärmsanierung in Mischgebieten (69dB(A) tagsüber und 59 dB(A) nachts), so lagen 37 Prozent der Messpunkte über dem Richtwert tagsüber, 23 Prozent über dem Richtwert nachts. Ein Problem, das der Gemeinde Obersulm bekannt ist. 

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Auf echo24.de-Nachfrage erklärt Larissa Wedberg, Leitung Ordnungsamt der Gemeinde Obersulm, dass bereits in der Vergangenheit Maßnahmen gegen diese Lärmbelastung ergriffen wurden. So gab es schon vor dem Jahr 2000 eine Antragsstellung und Planungen für eine Ortsumfahrung für Willsbach - diese wurde durch den Bund allerdings noch nicht gebaut. Außerdem nimmt die Gemeinde am Lärmschutzprogramm des Landes Baden-Württemberg für Maßnahmen zum passiven Lärmschutz (Zuschüsse für Schallschutzfenster) an der B39 und der L1035 in Obersulm teil. 

Ebenso wurde einLärmaktionsplan aufgestellt, der 2020 fortgeschrieben werden soll. Wedberg: "Wir weisen außerdem darauf hin, dass nach nationalem Recht Lärmmessungen zur Beurteilung des Lärms nicht zulässig sind. Lärm muss gemäß der Sechzehnten Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes berechnet werden." Soll heißen: Die Messungen des SWR sind keine offiziell anerkannten Messungen. Dennoch: Sie zeigen ein offenbar bekanntes Problem auf.

In Obersulm-Willsbach hat der SWR in der Löwensteiner Straße nachgemessen.

Zu laut auf der Rosenhöhe in Brackenheim-Meimsheim? Lärmaktionsplan soll helfen

Auch in Brackenheim-Meimsheim wurde im Zuge der SWR-Aktion #zuLAUT auf der Rosenhöhe gemessen. 44 Prozent der Werte lagen dabei über dem Richtwert für 24 Stunden nach WHO-Empfehlung - dieser beträgt 53 dB(A). Und dagegen geht die Stadt Brackenheim vor! Steffen Heinrich, Leiter der Stabstelle Stadtverwaltung, erklärt auf echo24.de-Nachfrage, dass bereits im März 2018 ein Lärmaktionsplan verabschiedet wurde.

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Doch das ist nicht alles! Heinrich: "Darüber hinaus hat der Gemeinderat im März 2018 beschlossen, für die gesamte Ortsdurchfahrt Meimsheim (also auch für die Rosenhöhe) die Anordnung von Tempo 30 bei der Straßenverkehrsbehörde, also dem Landratsamt, zu beantragen. Sämtliche Maßnahmen aus dem Lärmaktionsplan können von der Stadt nur beantragt und vorgeschlagen werden, die letztendliche Entscheidung liegt grundsätzlich beim Landratsamt." Und eine Entscheidung steht bisher noch aus.

Dass es ein Lärm-Problem in Obersulm-Willsbach und Brackenheim-Meimsheim gibt, wissen also nicht nur die Bürger, die täglich davon betroffen sind. Dass Maßnahmen geplant sind, ist aktuell aber wohl nur ein schwacher Trost. Denn ob und wie diese wirklich durchgesetzt werden können, ist teilweise noch unklar.

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