Geschäftsmann fühlt sich ausgebootet

Dieser Aushang sorgt für Kurstadt-Chaos

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Mit diesem Flipchart vor seinem Geschäft macht Bernd Axenbeck seinem Unmut Luft und kündigt die Verkürzung der Öffnungszeiten an.
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Die Poststelle in Bad Rappenau hat demnächst nur noch halbtags geöffnet.

Bernd Axenbeck aus Bad Rappenau versteht die Welt nicht mehr. Er betreibt in der Kurstadt im Bahnhof ein Blumengeschäft - mit einer angeschlossenen Poststelle. Der 52-Jährige erklärt: "Seit mehr als 20 Jahren arbeite ich mit der Post zusammen. Seit 2010 hier im Bahnhof." Mit Einschränkungen. Es gibt keinen getrennten Bereich für Bankautomat, Kontoauszugsdrucker und den Schalterbetrieb. Die Folge: Der Postbankbereich ist nur zu den Geschäftszeiten geöffnet. Von 8.30 Uhr bis 12.30 Uhr und von 14 bis 18 Uhr.

Eine unbefriedigende Situation, die der Familienvater ändern will. Deshalb greift er zu, als das ehemalige Gasthaus "Zur Linde" zum Verkauf steht. "Ich wollte dorthin mit dem Geschäft und der Poststelle umziehen." Die Vorteile des neuen Gebäudes: "Ein paar Umbaumaßnahmen und ich hätte einen getrennten Bereich für den Bankservice einrichten können. Der EC-Automat wäre 24 Stunden, sieben Tage die Woche erreichbar gewesen." Und auch das Geschäft sollte durchgängig von 8 bis 18 Uhr zukünftig geöffnet sein.

Axenbeck plante, fragte beim Baurechtsamt nach. "Eine Rampe für Rollstuhlfahrer, ein breiterer Eingang als in der Bahnhofsgalerie und drei Parkplätze - mehr wäre nicht nötig gewesen." Er beauftragte einen Architekten und kam mit den Plänen auf die Behörde. Doch dann war alles ganz anders: "Plötzlich war von großen Problemen die Rede. Mir wurde gesagt, dass es eine politische Entscheidung sei, und mir wurde geraten, das Gespräch mit dem Bürgermeister zu suchen."

Axenbeck traf sich mit Hans Heribert Blättgen - und nennt drei Kernaussagen des Oberbürgermeisters: "Er sagte mir, dass er auf alle Fälle verhindern werde, dass die Post aus dem Bahnhof geht. Dann fragte er mich, ob ich sicher sei, dass die Post überhaupt mit mir umziehen will - und zum Schluss sagte er mir, dass ich aus dem Bahnhof kann, die Post aber dort bleibt."

Blättgen - mit den Vorwürfen von echo24.de konfrontiert - verneint die Aussagen nicht, weist aber explizit daraufhin, dass sie in einem anderen Kontext stehen: "Ich sagte ihm, dass ich den neuen Standort nicht für geeignet halte und er schließlich einen gültigen Mietvertrag bis 2020 für den Bahnhof habe. Außerdem muss er drei Parkplätze nachweisen, hat aber nur Standflächen für zwei."

Sollte die Poststelle Bad Rappenaus im Bahnhof bleiben?

Für den OB kommt es auch überhaupt nicht in Frage, zusätzliche Parkplätze vor dem Gebäude zu installieren: "Wir werden keine Parkplätze in der Fußgängerzone einrichten." Auch die Ausweisung von Kurzzeitplätzen in der angrenzenden Babstadter-Straße lehnt er ab.

Der Oberbürgermeister kontaktierte zudem die Verantwortlichen der Post: "Ich wollte wissen, wie sie den Umzug sehen, und mir wurde mitgeteilt, dass das neue Gebäude ungeeignet sei." Axenbeck hat eine ganz andere Version: "Die Post war von den Vorteilen, die ein Umzug mit sich bringt, überzeugt." Blättgen kontert: "Das war, bevor das Gebäude inspiziert wurde, danach nahm die Post davon Abstand."

Der Schultes bestreitet auch nicht, dass er Axenbeck aus dem Bahnhof ziehen lassen würde: "Wir haben ihm immer gesagt, dass er - sofern er einen geeigneten Nachmieter findet - auch vorzeitig aus dem Vertrag aussteigen kann." Axenbeck hat jetzt erst einmal Konsequenzen gezogen: "Eine Mitarbeiterin geht im August in Rente. Da der Bankbetrieb immer im Vier-Augen-System durchgeführt werden muss, ich aber nicht weiß, wie es weitergeht, haben wir ab 31. Juli nur noch halbtags von 8.30 bis 12.30 Uhr geöffnet."

Eine Reaktion, die Blättgen bedauert: "Keiner, weder die Stadtverwaltung noch die Post, haben Interesse daran, dass nur noch halbtags geöffnet ist. Eine direkte Kommunikation mit allen Beteiligten wäre zu bevorzugen gewesen als Aufrufe über soziale Medien oder die regionale Presse zu starten." Axenbeck: "Bei mir geht es um die Existenz. Ich fühle mich von der Stadt im Stich gelassen."

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