Von der Mini-Firma zum Milliardenkonzern

Erfolgsgeschichte Reinhold Würth: Kleinbetrieb könnte heute kein Großkonzern mehr werden

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Einen Bilderbuchaufstieg legte Reinhold Würth in den letzten Jahrzehnten hin.
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Reinhold Würth plädiert für resolute Chefs. Und er weiß, dass ein Kleinbetrieb heute nur noch in einer ganz bestimmten Branche zum Großkonzern werden kann.

○ Reinhold Würth findet, Schraubenkönig sei "ein grausiger Begriff".
○ Reinhold Würth hat eine Mini-Firma zum Milliardenkonzern gemacht.
○ Würth schätzt die Lage in der Branche heute als viel schwieriger ein.

Er ist einer der reichsten Deutschen: Reinhold Würth. Kurz nach dem Krieg hatte er in der väterlichen Firma eine Lehre gemacht und das Unternehmen von 1954 an geführt. Würth erwies sich als Verkaufs- und Managertalent und machte aus dem Mini-Betrieb einen Milliardenkonzern, der 2019 mehr als 14 Milliarden Euro umsetzte.

Einschätzung von Reinhold Würth: 1a Aufstieg wäre so heute nicht mehr möglich

Update vom 1. Februar: Schrauben-Milliardär Reinhold Würth sieht in der heutigen Zeit keine Chance mehr für eine kleine Handelsfirma, sich wie Würth damals zu einem Weltkonzern zu entwickeln. Gegenüber der dpa sagte der 84-Jährige: "In unserer Branche wäre es heute nicht mehr möglich, aus einem Zwei-Mann-Betrieb einen Milliardenkonzern zu machen. Der Markt in der Handelsbranche ist größtenteils verteilt." Und er fügte hinzu: "Wir haben sehr vom deutschen Wirtschaftswunder profitiert. Jeder brauchte damals Befestigungsmaterialien, und wir haben sie geliefert."

Reinhold Würths Meinung: Umsatzsteigerungen in Millionenhöhe nur in IT-Branche

Nach Einschätzung von Würth seien Umsatzsteigerungen wie die seines Unternehmens in den vergangenen Jahrzehnten höchstens noch in der IT-Branche möglich. Der Schrauben-Milliardär sagte: "Dort sehe ich jederzeit Chancen für Unternehmen, schnell sehr groß zu werden." Es komme ja immer wieder vor, dass irgendein Informatikstudent eine gute Idee habe und eine ganz spezielle Anwendung entwickle, die er dann für Millionensummen verkaufen könne.

Tipp von Reinhold Würth: So muss ein Chef sein!

Update, 29. Januar: Er muss es wissen! Reinhold Würth war jahrzehntelang Chef der Firma Würth. Er leitete den Milliardenkonzern nicht nur, sondern machte ihn zu eben jenem. Inzwischen ist Würth aus dem operativen Geschäft ausgestiegen, aber: Seine Erfahrungen teilt er mit Unternehmern in Deutschland. So plädierte er nun dafür, als Chef auch mal resoluter aufzutreten, wenn die Lage kritisch ist. Würth: "Wenn Sie merken, es geht in Ihrem Unternehmen nicht mehr voran, dann müssen Sie auch mal ein bisschen härter auftreten." Dabei zog der 84 Jahre alte Patriach einen sportlichen Vergleich - Würth: "Das ist wie im Fußball: Wenn mal zwei, drei Spiele verloren gegangen sind, dann muss der Trainer mal ein strammes Wort an seine Mannschaft richten." 

Würth betonte, er habe in seinen vielen Jahrzehnten als Chef immer versucht, den Mitarbeitern selbst ein gutes Vorbild zu sein. Er betonte: " Ich habe über 70 Arbeitsjahre hinter mir: Mir kann bestimmt niemand vorwerfen, ich hätte von meinen Mitarbeitern etwas verlangt, was ich nicht selbst tun würde." Zugleich sei es von großer Bedeutung für einen Vorgesetzten, den eigenen Mitarbeitern Dankbarkeit und Wertschätzung entgegenzubringen. Grundsätzlich müsse ein Chef "den Leuten seine Theorie, seine These, seine Systematik verständlich machen und die Angestellten dafür gewinnen, mitzuziehen".

Würth wehrt sich: "Schraubenkönig ist ein echt blöder Name"

Ursprungstext, 11. November 2019: Der mit seinem Schraubenkonzern zum Milliardär gewordene Reinhold Würth (84) hat etwas gegen seinen inoffiziellen Titel "Schraubenkönig". "Das ist ein grausiger Begriff", sagte er der "Augsburger Allgemeinen". "Schrauben sind ja tote Gegenstände. Schraubenkönig ist ein echt blöder Name." 

Milliardär Würth lässt sich gerne als Patriarch bezeichnen

Mit dem Begriff des Patriarchen könne er hingegen leben. "Patriarchen gelten als erfahrene und weise ältere Männer, die den Respekt ihrer Umgebung erfahren", sagte Würth. "Wenn mich jemand Patriarch nennt, hätte ich nichts dagegen."

Bei der Adolf Würth GmbH & Co KG arbeiten knapp 7.200 Menschen. Das ist die Kerngesellschaft der Würth-Gruppe. Weltweit arbeiten gut 77.000 Menschen für den Konzern, ein knappes Drittel davon ist in Deutschland tätig.

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