Kommentar

Prozess um Kindstötung von Künzelsau schockt gleich doppelt

+
Kuscheltiere am Tatort in Künzelsau erinnerten im Mai an den getöteten Siebenjährigen.
  • schließen

Wenn Eltern ihr Kind verlieren, ist das ein Albtraum. Noch schlimmer ist es, wenn die näheren Umstände im Dunkeln bleiben. Ein Kommentar.

Drogen, falsche Freunde, ein schrecklicher Unfall, für den niemand etwas kann: Wenn ein Kind geboren wird, malen sich die fürsorglichen Eltern aus, welche Gefahren ihrem kleinen Sonnenschein möglicherweise zustoßen könnten. Und natürlich tun sie in ihrer Erziehung alles Erdenkliche dafür, das Kind für ein erfolgreiches und gesundes Leben zu wappnen.

Tötung des Jungen in Künzelsau: Umfeld als Todesursache?

Dass aber genau dieses vermeintlich sichere und liebevolle, selbst geschaffene Umfeld zum Tod des Kindes führt, ist dann ein doppelter Schock. Über sechs Jahre war die 70-jährige Angeklagte aus Künzelsau regelmäßig für den Jungen da, hat mit ihm gegessen, gespielt, Geschichten erzählt.

Der Prozess gegen die 70-jährige Pflegeoma des Jungen begann gestern am Heilbronner Landgericht.

Bis heute ist unerklärlich, was am Abend des 27. April genau passiert ist. Die Rentnerin war bislang nicht psychisch auffällig. Auch soll sie nur selten und wenig Alkohol getrunken haben. Angenommen, die Seniorin ist schuldig: Was ist plötzlich in sie gefahren? Hatte sie einen Blackout? Hat die durch den Tod ihres Ehemannes 2009 ausgelöste Einsamkeit ihr den Bezug zur Realität geraubt? Liegt tatsächlich ein beispielloser Vertrauensmissbrauch gegenüber den Eltern vor?

Prozess um toten Jungen: Angeklagte aus Künzelsau schweigt

Bislang hat sich die Angeklagte nicht zur Tat geäußert. Dabei wäre eine Erklärung so wichtig für die Eltern, um zumindest so etwas Ähnliches wie Frieden zu finden. Gerade, weil sich über die Jahre ein Vertrauensverhältnis zwischen der Familie und der Seniorin entwickelt hat, sollte die Angeklagte den Eltern sagen, was sie weiß. Denn kaum etwas quält mehr als die Ungewissheit.

Mehr zum Thema

Getöteter Junge (7): Neue Details im Umlauf

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare