Verhandlung vertagt

Prozess um erwürgten Jungen in Künzelsau geht in die Verlängerung

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Symbolbild.
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Heute sollten die Plädoyers gehalten werden - doch dazu kommt es nicht.

+++Update 4. Februar: Plädoyers können nicht gehalten werden+++

Der Sitzungssaal im Heilbronner Landgericht ist am Montagmorgen proppenvoll. Im Prozess gegen eine Künzelsauer Pflegeoma, die angeklagt ist, einen Siebenjährigen erwürgt zu haben, werden heute die Plädoyers erwartet. Doch dazu kommt es nicht. Richter Roland Kleinschroth verkündete im Gerichtssaal: "Sie sehen uns heute in Zivil. Und das bedeutet selten Gutes. Die Anwältin Anke Stiefel-Bechdolf ist krankgeschrieben."

Der Richter hatte sich noch am Sonntag darum bemüht, eine Vertretung aus der Kanzlei zu bekommen, damit wenigstens die anderen Plädoyers gehalten werden können - ohne Erfolg. Die Krankmeldung Stiefel-Bechdolfs ist bis einschließlich 10. Februar datiert, bis dahin ruht das Verfahren. Kleinschroth hat eine Hoffnung: "Wir haben auch noch einen anderen Fall mit der Anwältin, vielleicht kann man diese Termine verwenden."

Wie die Staatsanwaltschaft heute mitteilte, ist jetzt geplant, dass die Plädoyers am 18. Februar ab 14 Uhr gehalten werden, eine Urteilsverkündung ist vorerst auf den 26. Februar um 13.30 Uhr terminiert.

Prozess um erwürgten Jungen: So könnte das Urteil aussehen

Auch zum Ende des Prozesses gegen eine 70-Jährige aus Künzelsau gibt es keine Klarheit für die Eltern des getöteten Jungen. Seine ehemalige Pflegeoma ist angeklagt, ihn im April 2018 erwürgt zu haben. Doch was sich tatsächlich im Haus der Frau abspielte, ist bis heute unklar.

Zuletzt hatte die Pflegeoma des Jungen zwar endlich ihr Schweigen gebrochen, sich dabei aber auch in Widersprüche verstrickt, wie Richter Roland Kleinschroth befand. Besonders für den Vater des zum Tatzeitpunkt Siebenjährigen handelte es sich bei der Aussage der 70-Jährigen um Taktik.

Prozess um erwürgten Jungen: Wie nun ein Urteil fällen?

Doch wie bei diesem mysteriösen Prozess nun ein Urteil fällen? Die Anklage lautet derzeit auf Totschlag. Diese Sicht könnten auch die Verteidiger der Pflegeoma vertreten. Dafür liegt die Höchststrafe bei 15 Jahren Haft. Doch die Staatsanwaltschaft könnte vor der Strafkammer des Landgerichts Heilbronn auch auf lebenslange Haft plädieren, hieß es in Justizkreisen.

Anklagevertreter Harald Lust hatte zuvor angedeutet, es gebe Hinweise für das Mordmerkmal niedere Beweggründe. Der Anwalt der Nebenkläger sah das Mordmerkmal der Heimtücke als gegeben an. Demnach habe die Pflegeoma Verlustängste gehabt. Ein Gutachter hatte allerdings ausgesagt, dass die Angeklagte zur Tatzeit wohl keine schwere Depression gehabt habe.

Absicht oder Unfall? Über diese Frage muss nun der Richter entscheiden. Das Urteil soll am Mittwoch fallen.

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