Knurps Puppentheater in Möckmühl feiert 40-jähriges Bestehen

In diesem Gewölbe hat eine Puppe das Sagen

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Auch im Smartphone-Zeitalter landen die Kinder sofort im Reich der Fantasie.

Es war zwischendurch eng. Richtig eng. Nur leider nicht im Zuschauerraum. "An manchen Tagen kamen gar keine oder höchstens zwei Besucher. Da wussten wir nicht, wie wir am nächsten Tag unser Abendbrot belegen sollten. Oder ob wir überhaupt Abendbrot auf dem Tisch haben werden", sagt Reinhard Siegl. Mit einem Puppentheater eine Familie ernähren zu wollen, erfordert schon eine ganze Menge Mut. Siegl: "Meine damalige Frau und ich haben uns aber gefragt: 'Was würden wir eines Tages mehr bereuen? Es nie versucht zu haben oder auf die Schnauze gefallen zu sein?'"

In diesem Gewölbe hat eine Puppe das Sagen

Glücklicherweise ist nix von beidem passiert. Reinhard Siegls Puppentheater gibt es nun seit 40 Jahren – und seit 2004 im atmosphärischen Gewölbekeller unter dem Möckmühler Stadtarchiv in der Hauptstraße. Die Besucherzahlen sind konstant, pro Saison – von September bis Mai – gibt's rund 60 Aufführungen zu sehen. Sowohl von Siegl selbst geschriebene Stücke wie "Das Schmuddeltöpfchen" und "Die zwei Weihnachtsmänner" als auch die Klassiker "Frau Holle" und "Jim Knopf und die Wilde 13". Siegl: "15 Stücke sind permanent aufführbar." Alle Figuren sind von Siegl selbst mit viel Liebe zum Detail in der heimischen Werkstatt angefertigt – aus Holz, Styropor, Pappe und alten Plastiktüten.

Nach mehr als 90 selbst gebauten Figuren und einem Lebensunterhalt durch das Puppenspiel ist Siegls Traum wahr geworden. Und die Vorstellungen der jungen Besucher werden im Gewölbekeller weiterhin lebendig: "Mein Sohn Robin Müther wird mein Theater weiterführen, mit 65 Jahren will ich langsam etwas kürzer treten", erklärt Siegl.

Aber streng genommen ist es ja nicht sein Theater, sondern das von Professor Furiosus Knurps. Der fiktive Theaterdirektor ist Siegls älteste Figur, in den meisten Aufführungen begrüßt die Stabpuppe mit dem Zwicker, dem verknurpselten Gesicht und dem feinen Anzug seine Theaterbesucher. "Um Knurps Puppentheater bekannt zu machen, habe ich mich und den Professor in den Gemeinden immer selbst vorgestellt. Die Leute haben bei dem Theaterdirektor aus Kunststoff nicht schlecht gestaunt", sagt Siegl und lacht herzlich.

Besucht ihr gerne Theaterstücke?

Sind die Kinder im Smartphone-Zeitalter überhaupt noch für reale Puppen empfänglich? Siegl: "Da gibt's keinen Unterschied zwischen den Kindern früher und heute." Das Geheimnis: Man muss die Kleinen zum Mitmachen bewegen. Am besten unterschwellig. "Es gibt nix Dümmeres als die alte Kasper-Frage 'Seid ihr alle da?' Da ist es viel besser, ich lasse eine Figur ein Weihnachtslied singen. Und zwar mit Textfehlern. Die Kinder rufen sofort 'falsch' und singen das richtige Lied."

Information

Knurps Puppentheater feiert sein 40-jähriges Bestehen noch bis zum 22. Oktober mit einem Figurenfestival und wechselndem Programm in Zusammenarbeit mit Gastbühnen aus ganz Baden-Württemberg. Mehr dazu gibt's im Internet unter www.knurps- puppentheater.de

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