"Qualität unzureichend"

Miese Versorgung? Klinikum Brackenheim wehrt sich gegen heftige Vorwürfe

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"Qualität unzureichend": Die Klinik schneidet in einer bundesweiten Auswertung schlecht ab.

73 Abteilungen deutscher Kliniken würden ihre Patienten im Zusammenhang mit gynäkologischen Operationen, Geburtshilfe und Mammachirurgie schlecht behandeln. Darunter auch das Krankenhaus in Brackenheim - wie Spiegel Online nun veröffentlichte. Der Hintergrund dabei: eine bundesweite Auswertung im Auftrag des Gemeinsamen Bundesauschusses (G-BA). Dort kommt das Klinikum Brackenheim bei gynäkologischen Operationen schlecht weg. Gegenüber echo24.de wehrt sich das Krankenhaus nun aber gegen die heftigen Vorwürfe: "Die Darstellung ist aufgrund fehlender Detailinformationen irreführend", erklärt eine Klinik-Sprecherin.

Angebliche schwerwiegende Mängel geben falsches Bild ab

Die Krankenhaus-Erklärung: Der Ausreißer beruhe auf einem rein statistischen Effekt und sage nichts über die Qualität der medizinischen Versorgung am ehemaligen Krankenhausstandort Brackenheim aus. Die in der Studie so erschreckend anmutende Zahl: Bei 100 Prozent aller Patientinnen seien nach einer Operation an den Eierstöcken keine Gewebeuntersuchungen durchgeführt worden. Das vernichtende Urteil des G-BA deshalb: "Qualität unzureichend."

Die angeblich gefundenen schwerwiegenden Mängel würden aber ein völlig falsches Bild von der Qualität der medizinischen Versorgung in Brackenheim abgeben, heißt es seitens der Kliniksprecherin. Denn: Seit 2017 hat das SLK-Krankenhaus am Standort Brackenheim gar keinen akutstationären Betrieb mehr! Dieser wurde vergangenes Jahr eingestellt, als die medizinische Versorgung in der Region neu strukturiert wurde. Zu diesem Zeitpunkt verfügte das Krankenhaus weder über eine gynäkologische Abteilung, noch hat es gynäkologische Operationen angeboten.

Brackenheim: Ein einziger Fall bringt Ergebnis zustande

Wie kommt dann das schlechte Ergebnis zustande? "Das Ergebnis basiert auf einem einzigen Fall", erklärt die Pressesprecherin: "Dabei wurde eine Patientin im Zusammenhang mit einer ambulanten OP aufgrund von Kreislaufproblemen stationär in der Klinik aufgenommen. Die Behandlung in der Klinik selbst verlief ohne Komplikationen."

Auffällig ist jedoch, dass alle Krankenhausstandorte zwei Monate Zeit für eine Stellungnahme hatten, um dem Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) im Zuge der Auswertung Gründe zu nennen, warum das Ergebnis nicht als Qualitätsproblem zu werten sei.

Gynäkologie: Klinikum am Gesundbrunnen Heilbronn zeigt keine Auffälligkeiten

Die Abteilung Gynäkologie ist nach der Umstrukturierung der regionalen Krankenhausversorgung im Klinikum am Gesundbrunnen in Heilbronn zu finden. Und in der Auswertung des G-BA gibt es hier KEINE Auffälligkeiten im Bezug auf die Behandlungsqualität.

Seit Dezember 2016 wurden elf sogenannte Qualitätsindikatoren aus den Bereichen gynäkologische Operationen, Geburtshilfe und Mammachirurgie für die Erfassung herangezogen. Mehrere Monate lang wurden Daten auf Fehler geprüft, Patientenakten stichprobenartig eingesehen. Die Große Koalition hat die Qualitätsuntersuchungen auf den Weg gebracht. Das Ziel: Die Finanzierung künftig stärker als bisher an der tatsächlichen Behandlungsqualität auszurichten. Planungsbehörden der Bundesländer können Klinikabteilungen mit "unzureichender Qualität" auch schließen, falls Mängel wiederholt auftreten.

Von Patricia Okrafka

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