Erschreckend!

Ärzte besorgt: Rohe Gewalt gegen Kinder und Säuglinge - DAS ist die Corona-Gefahr

  • Anna-Maureen Bremer
    vonAnna-Maureen Bremer
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Schwerverletzte Säuglinge sind noch nicht alles, was Ärzte und Psychologen in der Coronazeit zu sehen bekommen. Während der Ausgangsbeschränkung ist die Gewalt gegen Kinder ins Unermessliche gestiegen. 

  • Das Kontaktverbot aufgrund des Coronavirus stellt für Kinder in Problemfamilien eine große Gefahr dar. 
  • Die Gewalt gegen Kinder und Säuglinge hat enorm zugenommen. 
  • Im Krankenhaus in Ulm bekommen Ärzte Schlimmes zu sehen. 

Es sind Verletzungen, die sich ein Baby gar nicht selbst zuziehen kann, die Ärzte in Alarmbereitschaft versetzen. Ein Säugling mit gebrochenen Rippen, blauen Flecken und Verbrennung an der Handinnenfläche ist nur ein trauriger Teil dessen, was in Ulm während der Ausgangsbeschränkung im Krankenhaus zu sehen ist...

Coronavirus Baden-Württemberg: Gewalt gegen Kinder steigt während Kontaktverbot

Wovon der SWR berichtet, dürfte nicht nur liebenden Eltern die Nackenhaare aufstellen: Auffallend viele Kinder, die in der Coronazeit und der Zeit des Kontaktverbots ins Uniklinikum in Ulm eingewiesen werden, weisen schwere Verletzung auf, die völlig untypisch für deren Alter und Bewegungsabläufe sind

Wie sollte ein Säugling zum Beispiel zu Verbrennungen an der Handinnenfläche kommen? Er kann sich nirgendwo hochziehen, er kann noch nichts greifen. In der Regel hält ein so kleines Baby die Hand zu einer Faust geballt. Derartige Verletzungen waren es, die die Ärzte aufhorchen ließen und dazu führten, dass das Kind noch weiter untersucht wurde. Mit furchtbarem Ergebnis: "Dieses Kind hatte einen Bruch des Oberarms, mehrere Rippenbrüche und multiple blaue Flecken im Gesicht, im Halsbereich und hinter den Ohren. So etwas ist für uns immer hochgradig auffällig", erklärt  Chirurgin Melanie Kapapa.

Ärztinnen, Kinderkrankenschwestern und Psychologen der Kinderschutzgruppe wissen, dass diese Verletzungen durch Gewalteinwirkungen entstanden sein können. Die interdisziplinäre Gruppe in der Klinik berät sich bei verdächtigen Fällen. Bei vielen Knochenbrüchen und Auffälligkeiten gab es jüngst Sonderbesprechungen. 

Seit 14 Jahren ist Kapapa im Kinderschutz tätig, aber eine solche Anhäufung von Fällen, bei Welchen kleine Kinder schwere Verletzungen aufweisen, sei ungewöhnlich. Auch kleine Krankenhäuser machten ähnliche Beobachtungen, berichtet Kapapa. Zunächst hieß es, das Coronavirus sei für Kinder meist nicht gefährlich, dann zeigten einige merkwürdige Symptome. Nun scheint es, dass die größte Gefahr nicht vom Virus ausgeht. Schon vor Wochen war bekannt, dass die Kontaktsperre Kinder aus schwierigen Familienverhältnissen auf die Straße zwingt, weil sie es zu Hause nicht aushalten können. Der Kinderschutzbund schlug Alarm

Für viele Kinder ist die schlimmste Gefahr nicht das Coronavirus...

Coronavirus in Baden-Württemberg: Kinder in Panik wegen häuslicher Gewalt 

Das Uniklinikum Ulm hat ein Hilfstelefon eingerichtet, welches in der Zeit der Ausgangsbeschränkung rege genutzt wurde. Überforderte Eltern meldeten sich, aber auch aufmerksame Nachbarn. Kinder selbst griffen auch zum Telefon, zum Beispiel, wenn sich Eltern zu Hause massiv stritten. Leiterin Bettina Müller: "Kinder haben uns angerufen, wenn sich die Eltern massiv gestritten haben. Da hatten wir das Gefühl, die Kinder hattenrichtig Panik, dass Mama oder Papa etwas passiert."

Nachdem nun Schulen und Kindergärten wieder geöffnet sind, melden sich auch viele Pädagogen beim Kinderschutzbund, weil ihnen Verletzungen an Kindern auffallen.

Weil während der Schließungen auch Kinderärzte, Logopäden und Psychotherapeuten weniger Kinder zu Gesicht bekamen, war die Zahl der Anrufe beim Kinderschutzbund zunächst zurückgegangen - so zumindest die naheliegende Vermutung  von Professorin Vera Clemens von der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie Ulm.

Der SWR berichtet: Im Fall des schwerverletzten Säuglings ermittelt nun die Polizei. Das Baby lebt in einer Pflegefamilie

Rubriklistenbild: © Symbolbild: Pixabay

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