"Wenn nicht ein kleines Wunder passiert..."

Kätzchen Tom hätte ohne ihn allein sterben müssen - Tierschutzverein Ellhofen vor dem Aus

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Kätzchen Tom verstarb an einer Lungenentzündung.
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Die Katzenhilfe-Ellhofen kann die hohen Kosten nicht mehr stemmen. Zuletzt kamen auch noch Rechtsstreitigkeiten dazu.

Tom hätte es fast geschafft. Nach einem frühen, anstrengenden Kampf ums Leben hatte er endlich angefangen fitter zu werden. Doch dann kam eine Lungenentzündung, die er nicht überstand. "Ihn konnten wir nicht retten", sagt Kerstin Kilthau vom Tierschutzverein Katzenhilfe-Ellhofen. Die Helfer hatten das schwache Katzenbaby mit der unterentwickelten Lunge gepäppelt, ihm aus einer kreativen Idee heraus die Pappe einer Toilettenpapierrolle übergezogen. Toms Brustkorb und die Atmung hatten sich dadurch stabilisiert. Am Ende fehlten ihm wohl nur noch ein paar Tage, um genug Substanz aufzubauen, die ihn auch durch einen solchen Infekt gebracht hätte. Doch so traurig seine Geschichte ist - Tom war nicht allein. Das könnte anderen Katzen in Not demnächst ganz anders gehen. Denn der Tierschutzverein steht vor dem Aus.

Tierschutzverein Ellhofen: Helfer brauchen "ein kleines Wunder"

"Unsere Konten sind leer. Wenn nicht ein kleines Wunder passiert, dann gibt es den Verein in wenigen Wochen nicht mehr", sagt Kilthau. Die 2. Vorsitzende und andere ehrenamtliche Helfer stehen vor Gerichtsverfahren, einem beinahe aufgelösten Vorstand - und im ersten Halbjahr 2019 rund 8.000 Euro Tierarztkosten. Die können aktuell vom nur durch Spenden finanzierten Verein nicht mehr abgedeckt werden.

Doch Tom ist kein Einzelfall. Katzen wie er, vernachlässigt, oft dem Tod nah und dringend hilfebedürftig werden dem Tierschutzverein ständig gemeldet. Kilthau: "Die Leute wissen, dass es uns gibt und sie wollen, dass wir uns kümmern." Und die Tierheilpraktikerin würde das nur allzu gern tun. Doch die Kapazitäten sind ähnlich wie aktuell zum Beispiel auch beim Heilbronner Tierheim komplett ausgeschöpft.

Katze Tom: Fälle wie seiner könnten mit Kastrationspflicht wohl verhindert werden

Die fehlende Kastrationspflicht von Katzen sei nachwievor das vielleicht größte Problem. So könnten Fälle von Animal Hording, bei denen Menschen massenweise oft kranke Katzen halten, die sich immer weiter vermehren und deren Inzucht zu weiteren Gesundheitsproblemen führt, überhaupt erst entstehen. Immer wieder hatte der Tierschutzverein seit Bestehen dutzende Katzen aus solchen Zuständen gerettet.

Kater Emil kam krank zu dem Tierschutzverein und wurde operiert.

Das Genick bricht dem Verein aber nun wohl etwas anderes: Gerichtsverfahren, deren Ende noch offen ist. Nicht nur im Fall von Animal Hording. Erst kürzlich habe Kilthau drei Katzenbabys und deren Mutter bei 34 Grad von einer Privatterrasse geholt. "Zwei Babys waren mehr tot als lebendig, alle kamen sofort an den Tropf. Selbst die Tierklinik hat gemeint, dass sie ohne Eingreifen nicht mehr leben würden."

Katzenhilfe-Ellhofen: Tierschützerin bewegt sich in "Grauzone"

Doch mit dem Betreten der Terrasse beging Kilthau Hausfriedensbruch. Die Besitzer klagen zudem auf Herausgabe der Katzen. "Es ist wie wenn man eine Autoscheibe einschlägt, um Hunde aus der Hitze zu befreien - es ist eine Grauzone. Die Polizei war natürlich zwiegespalten." Sie versuche sich immer, ans Gesetz zu halten. Aber bei Gefahr im Verzug würde Kilthau laut eigener Aussage immer wieder so handeln.

Verständlich aus Sicht der Tierschützerin - und doch ein Kostenrisiko. "Wir bräuchten eigentlich einen Juristen, der sich ehrenamtlich engagiert." Doch der allein könnte es derzeit wohl leider auch nicht richten. Es muss ein neuer 1. Vorsitzender her, der die Verwaltung übernimmt. Und es fehlt schlichtergreifend an Geld.

Bald keine Hilfe mehr für Kätzchen wie Tom? Tierschutzverein vor dem Aus 

Der Aufwand für die Katzen würde aber schlussendlich belohnt. Kilthau: "Es gibt einem so viel zurück, wenn wir Videos bekommen, wie gerettet Katzen bei neuen Besitzern aufblühen." Vor allem, wenn die Helfer zuvor so lange um ihr Leben gekämpft haben.

Kerstin Kilthau möchte auch neben ihrem Beruf als Tierheilpraktikerin Katzen helfen.

"Manche sagen: 'Warum macht ihr euch die Mühe? Es sind doch nur Katzen.'" Solche Worte tuen Kilthau "in der Seele weh". Die Tierschützerin würde bei einem Aus des Vereins in ihrer Praxis im Rahmen ihrer Möglichkeiten auch als Einzelkämpferin weitermachen. "Und so ginge es wahrscheinlich auch dem ein oder anderen Helfer." Doch hier wäre nur wenig Platz und Zeit für Intensivfälle wie Tom. Diese müssten dann wohl allzu oft alleine sterben.

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