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Ist die europäische Pressefreiheit in Gefahr?

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Heute ist der internationale Tag der Pressefreiheit (Symbolbild).
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Eine freie Presse ist essentiell für die Demokratie: Kollegin Petra macht sich Gedanken wie es um die Pressefreiheit in Europa steht.

"Die Presse muss die Freiheit haben, alles zu sagen, damit gewisse Leute nicht die Freiheit haben, alles zu tun", sagte schon der amerikanische Kolumnist Stewart Alsop. Heute ist der internationale Tag der Pressefreiheit und mahnt uns, dass dieses hohe Gut ein wichtiger Teil unserer Demokratie ist und wir ständig daran arbeiten müssen.

Am Tag der Pressefreiheit fällt der Blick auf die Rangliste von Reporter ohne Grenzen

Jedes Jahr veröffentlichen Reporter ohne Grenzen eine Rangliste der Pressefreiheit, in der nach einem Punktesystem festgelegt wird, wie es um die Freiheit der Presse in 180 Ländern bestellt ist. Deutschland hat 2018 einen Platz gut gemacht und steht mittlerweile auf Rang 15. Den ersten Platz belegt Norwegen und das Schlusslicht ist Nordkorea. Eine Warnung ging mit der neuen Liste auch gleich einher: In Europa habe sich in gleich vier Ländern die Pressefreiheit deutlich verschlechtert. Ist das ein Grund zur Sorge? Ich denke schon.

Am Tag der Pressefreiheit geht ein sorgenvoller Blick in die Nachbarländer

Vor Kurzem sprach ich bei einem Kongress mit Journalisten aus Ungarn und Österreich. Sie erzählten mir von den schwierigen Bedingungen unter denen sie arbeiten müssen: Pressetermine zu denen sie nicht eingeladen werden, Gerichtsverfahren, die die Regierung gegen sie anstrengt, die viel Zeit und Geld kosten sowie Anfeindungen, die ihnen regelmäßig entgegenschlagen. Angesichts dieser Geschichten musste ich den ungarischen Kollegen einfach fragen: "Warum machst du noch weiter?" Und seine Antwort war ganz klar: "Wenn ich jetzt aufgebe, dann hat Orban gewonnen und die Demokratie verloren." Er sagte, dass er nicht glaube, dass sich das Ruder noch einmal so leicht herumreißen lasse und er kann jeden Kollegen verstehen, der an dieser Aufgabe zerbricht.

Diese Aussage fand ich ziemlich beängstigend, denn Ungarn ist nicht Nordkorea. Ungarn gehört zur Europäischen Union. Ich mache meine Arbeit wirklich gerne und finde es immer wieder spannend während meiner Recherchen neues zu lernen und zu entdecken. Wenn das durch rigides Vorgehen der Regierung oder verschiedener Organisationen unterbunden würde, wüsste ich nicht, ob ich so cool wie der ungarische Kollege wäre und weitermachen könnte. 

Pressefreiheit geht jeden etwas an 

Deshalb ist es auch für die Leser so wichtig: Pressefreiheit betrifft nicht nur die Menschen in den Redaktionen, sondern auch die außerhalb. Jeder sollte auf eine freie Presse in seinem Land bestehen, sie einfordern und das Thema immer wieder in den politischen Diskurs bringen, auf dass wir 2019 wieder einen Platz aufsteigen können.

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