Mobbing im Internet nimmt stark zu

Das ist die größte Gefahr für unsere Schüler!

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Soziale Netzwerke werden immer mehr für Mobbing-Attacken benutzt.
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WhatsApp, Snapchat und Instagram nutzt fast jeder Jugendliche. Die Folgen können Bauchschmerzen, Depression oder gar Selbstmord sein.

Sie denkt, sie könne ihm vertrauen: Zwar kennt sie ihre neue Flamme nur kurz, doch schickt sie dem jungen Mann sorglos Nacktbilder von sich. Und dann beginnt der Ärger: Die freizügigen Fotos machen die Runde. Vor allem bei WhatsApp. Und bald kennt sie die ganze Schule unbekleidet. Und die junge Frau ist Lästereien, Beleidigungen und Mobbing nahezu hilflos ausgeliefert.

Fast jeder Jugendliche hat heute ein Smartphone oder Tablet, nutzt soziale Netzwerke wie WhatsApp, Snapchat und Instagram. Gerade in geschlossenen Gruppen nehmen es da viele mit dem Recht nicht ganz so genau, verbreiten unrechtmäßige Fotos, setzen Gerüchte und Lügen in die Welt und beschimpfen manche Teilnehmer auch ganz direkt aufs Übelste. Ganz besonders schlimm wird's, wenn dann auch noch Bedrohung und Erpressung ins Spiel kommen. Mobbing im Internet, das sogenannte Cyber-Mobbing, wird immer mehr zum Problem.

Mobbing im Internet: Folgen von Depression bis Selbstmord

"Gründe fürs Mobbing gibt es unzählige", sagt Peter Lorenz vom Referat Prävention der Heilbronner Polizei. Motive für das widerliche Verhalten der Mobbenden: "Manche suchen nach Aufmerksamkeit, andere wollen Vorurteile schüren und Rassismus verbreiten, cool wirken, Macht demonstrieren - oder sie haben ganz einfach Langeweile." Dies kann aber schwerwiegende Folgen für die Opfer haben. Lorenz: "Es fängt an bei schulischem Leistungsabfall, Schulverweigerung, geht über psychosomatische Beschwerden wie Kopf- oder Bauchschmerzen und selbst verletzendes Verhalten - bis hin zu Depressionen und Selbstmord.

Peter Lorenz in seinem Büro im Referat Prävention.

Opfer solcher Angriffe sind meistens schüchtern, in sich gekehrt und beteiligen sich wenig am Unterricht. Aber es gilt trotzdem: "Jeder kann Täter oder Opfer werden." Jeder dritte bis vierte Schüler ist von Mobbing im Internet betroffen. Entweder als Opfer, Täter oder Zeuge. Die Tendenz ist steigend. Vermutlich gibt es wöchentlich bis zu 500.000 Mobbingfälle in Deutschland. Dabei handelt es sich um eine Dunkelziffer, da schwer nachzuvollziehen ist, wie viele Fälle tatsächlich vorkommen. Manche Schüler trauen sich nicht, darüber zu reden - also wird auch nicht jeder Mobbingangriff zur Anzeige gebracht.

Das kann man gegen Mobbing im Internet tun

Doch was kann man gegen das Mobbing im Internet tun? Eltern können Aufklärung betreiben und mit Lehrern zusammenarbeiten. In der Schule sollte man versuchen, den Klassenzusammenhalt zu stärken. Zum Beispiel mit gemeinsamen Unternehmungen. Regelmäßige offene Gesprächsrunden können hilfreich sein. Ebenso wie klare Regeln und Sanktionen. Je höher die Wohlfühlatmosphäre ist, desto weniger Mobbingfälle gibt es. Kinder sollten das Opfer unterstützen und direkt mit dem Mobbenden reden.

Grundsätzlich gilt ein vorsichtiger Umgang mit eigenen Daten. Erst recht, wenn diese sehr persönlich sind. Opfer von Mobbing-Attacken können die Blockierfunktion nutzen, Beweise anhand von Screenshots sammeln - und dann Anzeige erstatten. Peter Lorenz erklärt: "Zurückmobben sollte aber niemand. Denn dadurch könnte sich der Täter bestärkt fühlen, weiterzumachen." Der Experte bietet im Auftrag des Referats Prävention Workshops und Elternabende an Schulen für die Klassen von fünf bis neun zum Thema "Digitale Medienkompetenz" und "Gewalt und Mobbing" an.

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