Nicht nur Fische sind gestorben

Fischsterben in der Schozach: Drei Männer im Visier der Ermittler

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Symbolbild.
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Tausende Tiere waren durch eine Gewässerverunreinigung ums Leben gekommen.

+++ Update, 16. Mai +++ Dritter Mann im Visier der Ermittler

Nach dem Fischsterben in einem Zufluss des Neckars ist ein dritter Mitarbeiter eines Speditionsunternehmens ins Visier der Ermittler geraten. Er soll nach einem Unfall informiert worden sein, habe den Vorfall aber nicht gemeldet, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Donnerstag sagte. Nachdem ein Gabelstapler einen Tank beschädigt hatte, waren den Angaben nach rund 1000 Liter einer Flüssigkeit zur Herstellung von Reinigungsmitteln ausgelaufen.

Gegen zwei Männer hatten Polizei und Staatsanwaltschaft bereits wegen Gewässerverschmutzung die Ermittlungen aufgenommen: Ein 31-Jähriger soll den Gabelstapler gefahren haben, ein zweiter Mann soll von dem Unfall gewusst haben. Der dritte Verdächtige stehe nach ersten Erkenntnissen höher in der Hierarchie des Unternehmens als die beiden anderen, sagte der Sprecher. Genaueres konnte er nicht sagen. Die Firma hatte sich nach Bekanntwerden der ersten Ermittlungen nicht äußern wollen. Für eine aktuelle Stellungnahme war sie nicht zu erreichen.

+++ Update 13. April +++ Landratsamt gibt Entwarnung nach Schozach-Verunreinigung

Nach der Verunreinigung von Schozach, Gruppenbach und deren Seitengewässern gibt das Landratsamt Heilbronn Entwarnung. Proben seien unauffällig gewesen.

"Die bisher geltenden Sicherheitshinweise werden aufgehoben. Das Entnehmen von Wasser aus der Schozach, dem Gruppenbach und den Seitengewässern sowie das Tränken von Tieren ist wieder möglich", heißt es in einer Mitteilung. Die Trinkwasserbrunnen seien ebenfalls wieder im Betrieb und würden weiter engmaschig überwacht.

+++ Update 10. April +++ Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln gegen Firmen-Mitarbeiter

Die Ermittlungen der Polizei zur Schozach-Katastrophe hatten Erfolg, mittlerweile konnte geklärt werden, wie die verhängnisvolle Flüssigkeit, ins Bachbett gelang ist. Demnach stieß ein Staplerfahrer einer Spedition mit einem Zinken des von ihm benutzten Gabelstaplers gegen einen 1.000 Liter fassenden Flüssigkeitscontainer. Dessen Inhalt lief aus und gelangte anschließend vom Hof der Firma über eine Rinne in einen Entwässerungsschacht und von diesem nach draußen in das Bachbett. 

Die Staatsanwaltschaft Heilbronn und die Polizei ermitteln inzwischen gegen den 31-Jährigen und einen Kollegen, weil beide nach dem derzeitigen Erkenntnisstand den Umstand, dass die Flüssigkeit auslief, weder der Firmenleitung noch den Umweltbehörden gemeldet haben. Bereits im Laufe des Donnerstags hatte sich ein erster Verdacht ergeben, dass die zum Unglück führende Flüssigkeit aus dem Areal der Firma kam. 

Die internen Recherchen und Befragungen der Firmenverantwortlichen führten schließlich zu den beiden Mitarbeitern. Bislang wird gegen diese wegen Gewässerverunreinigung ermittelt. Ob noch weitere Personen für den Schadensfall verantwortlich sind, wird derzeit geprüft. Eine Verpflichtung, den Behälter, in dem sich die Flüssigkeit befand, als Gefahrgutcontainer zu kennzeichnen, bestand nicht.

+++ Update 9. April +++ Tiersterben in der Schozach: Es gibt wohl wenigstens EINE gute Nachricht

Nach der Umwelt-Katastrophe an der Schozach und im Gruppenbach durch eine Gewässer-Verunreinigung kann das Landratsamt Heilbronn heute doch noch Anlass zur Hoffnung verkünden. Bei dem Unglück waren Tausende Fische verendet.

Schozach: Gute Nachricht nach Tiersterben?

Eine erste Untersuchung habe gezeigt, dass es in den betroffenen Gewässer-Abschnitten der Schozach keine Auffälligkeiten bei den Kleinstlebewesen gäbe. Heißt: Eine entscheidende Grundlage für eine Wiederbesiedelung durch Fische dürfte gegeben sein. Die Kleinstlebewesen dienen den Fischen als Nahrungsgrundlage.

Die gute Nachricht kann allerdings erst nach genaueren Prognosen in etwa vier Wochen bestätigt werden. Dennoch: Auch im von der Verunreinigung noch stärker belasteten Gruppenbach scheinen sich bereits wieder Kleinstlebewesen anzusiedeln.

Nach Tiersterben in Schozach und Gruppenbach: Immer noch werden Fischkadaver geborgen

Derweil arbeite das Landratsamt nach eigener Aussage weiter mit Hochdruck daran, die Trinkwasserversorgung der drei sicherheitshalber abgeschalteten Brunnen wieder auf Normalbetrieb umzustellen. Momentan findet dort noch eine Ersatzversorgung statt. Die Trinkwasserbrunnen werden derzeit gespült, ehe Proben entnommen werden können. Die Ergebnisse liegen voraussichtlich frühestens Ende der Woche vor.

Die Reinigung der betroffenen Schmutzwasserkanäle vom Betriebsgelände bis zur Kläranlage Ilsfeld durch Fachunternehmen läuft bereits seit dem Wochenende durchgängig und dauert noch an. Ebenfalls werden heute noch vereinzelt anfallende Fischkadaver geborgen. Dabei handelt es sich um bereits vor einigen Tagen verendete Fische, die durch Verwesungsprozesse nun vom Grund der Gewässer aufschwimmen und abgetrieben werden.

+++ Update: 8. April +++ Der Grund für das Fischsterben in der Schozach ist wohl geklärt

Der Ausgangspunkt der Verunreinigungen, die zu einem massiven Fischsterben in Gruppenbach und Schozach von Ilsfeld-Wüstenhausen bis zur Mündung in den Neckar geführt haben, ist wohl das Grundstück einer Spedition in Ilsfeld im Gewerbegebiet "Bustadt". Das wurde schon länger vermutet - aber warum? Dort war es, wie sich im Laufe der Ermittlungen herausstellte, zu einer Leckage in einem Gebinde mit "Azelis LF 54" – einem industriellen Grundstoff für Reinigungsmittel - gekommen. 

Die Folge: Rund 1.000 Liter des hochkonzentrierten Stoffs auf Alkoholbasis liefen in die vorhandene Grundstücksentwässerung. Von dort gelangte der Stoff aus noch nicht vollständig geklärten Gründen in die öffentliche Entwässerung und von dort über die Straßenentwässerung und somit in den Gruppenbach und die Schozach. 

+++ Update: 7. April: BUND fordert verstärkte Kontrollen nach Fischsterben in der Schozach +++

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Regionalverband Heilbronn-Franken, fordert aus Anlass des Fischsterbens in der Schozach, Betriebe, die mit wassergefährdenden Stoffen umgehen, besser zu überprüfen und zu überwachen und einen qualifizierten Gewässerentwicklungsplan aufzustellen, damit die Schozach einen guten ökologischen Zustand erreichen kann.

Nach Angaben vom Freitagabend wurde das Fischsterben durch ein Reinigungsmittel verursacht, das laut Datenblatt akut toxisch für Wasserorganismen ist und langfristig schädliche Wirkungen auf Gewässer-Ökosysteme haben kann. Offensichtlich ist die giftige Chemikalie an der Kanalisation vorbei in das Flüsschen gelangt. "Spätestens seit der Sandoz-Katastrophe 1986 ist bekannt, dass Betriebe, die mit wassergefährdenden Stoffen umgehen, ausreichend große Auffangvorrichtungen haben müssen, dass diese auch bei Unfällen nicht in Gewässer gelangen können", sagt BUND-Regionalgeschäftsführer Gottfried May-Stürmer, "wir erwarten, dass die Behörden alle Betriebe, die mit wassergefährdenden Stoffen umgehen, überprüfen und regelmäßig kontrollieren. Ein Rohr oder Graben von derartigen Betrieben, die an der Kläranlage vorbei in Gewässer führen, ist schlichtweg kriminell".

Die Jagst-Katastrophe vor dreieinhalb Jahren hat gezeigt, dass es selbst bei leicht löslichen Schadstoffen, die mit der fließenden Welle schnell aus dem Fluss ausgewaschen werden, Jahre dauern kann, bis der Fischbestand sich wieder erholt. Um die Wiederherstellung des Ökosystems in der Schozach mit den richtigen Maßnahmen zu unterstützen, fordert der BUND, endlich den längst überfälligen qualifizierten Gewässerentwicklungsplan zu erarbeiten. "An der Schozach sind noch nicht einmal die bestehenden Mängel systematisch erfasst", kritisiert Jürgen Hellgardt, Regionalvorsitzender des BUND, "wer entlang der Schozach von Ilsfeld nach Talheim geht, dem muss der Faulschlammgeruch auffallen. Außerdem gibt es dort Abstürze, die die Wanderung von Fischen erheblich beeinträchtigen, und die in den amtlichen Unterlagen nicht enthalten sind." Der Gewässerentwicklungsplan muss die vorhandenen Mängel an Gewässerstruktur und Wasserqualität dokumentieren, Quellen und Risiken für Gewässerbelastungen identifizieren und Maßnahmen festlegen, mit denen der Zustand verbessert werden kann. Schließlich muss er umgesetzt werden – sonst hilft der beste Plan nichts.

+++Update: 6.April, 16.30 Uhr+++ Schozach wird nun mehrere Jahre brauchen, um sich zu erholen 

Tonnenweise Fische und andere Tiere sind bei der Katastrophe in der Schozach verendet.

Betroffen vom giftigen Wasser sind die Gemeinden Ilsfeld, Abstatt und Talheim. Sowie die Stadtteile Horkheim und Sontheim. Dort wurden am Freitagmorgen erste Tote Fische gefunden. 

Wie SWR3 nun mitteilt, wird es wohl mindestens vier Jahre dauern, bis der Fluss sich von den giftigen Stoffen wieder erholt hat.  

Der Gewässer-Biologe Gottfried May-Stürmer vom Umweltverband BUND Baden-Württemberg bezweifelt jedoch, dass der Unfall in einer Spedition nahe der Schozach vor drei Tagen alleiniger Grund für die Verschmutzung des Flusses ist. Ds die Zeitspanne zwischen dem Unfall und dem Fischsterben am Donnerstag zu lang sei.

+++ Update 5. April, 17.30 Uhr +++ Mögliche Erklärung für Tiersterben - Trinkwasser wohl nicht betroffen

Das Landratsamt Heilbronn hat eine Mitteilung zum Tiersterben in der Schozach geschrieben. Demnach könnte das Sterben der Fische und Wasservögel im Zusammenhang mit einem Unfall bei einer Spedition stehen. Es heißt, dass am Dienstag rund 1.000 Liter eines Stoffes, der als wassergefährdend gilt, ausgetreten sind. Aber: Ein Zusammenhang mit der Gewässerverunreinigung muss immer noch belegt werden.

Tiersterben in der Schozach: Mehrere Tonnen toter Tiere

Nach ersten Schätzungen der Feuerwehr, die die verendeten Tiere aus dem Wasser fischte, handelte es sich um mehrere Tonnen. Genaue Zahlen gab es zunächst nicht. Betroffen war demnach ein rund 16 Kilometer langes Stück des kleinen Nebenflusses des Neckar. Auch vor der Mündung zum Neckar wurden tote Fische entdeckt. Ob sie dorthin gespült wurden oder sich die Ursache für das Tiersterben ausgeweitet hat, ist laut Polizei unklar. Derzeit würden Wasserproben sowie verendete Tiere in Laboren untersucht, hieß es von den Behörden.

Immerhin: Das Trinkwasser soll von der Verunreinigung nicht betroffen sein. Die Polizei warnt jedoch davor, Wasser aus dem Fluss zu nehmen. Kinder sollten nicht an dem Gewässer spielen und Hunde nicht daraus trinken. 

+++Update 5. April, 13.45 Uhr+++ Ursache für Tiersterben gefunden?

Tausende Tiere sollen laut Medienberichten durch die Gewässerverunreinigung der Schozach verendet sein. Wasserproben sollen Aufschluss über die Ursache finden. Einen ersten Hinweis gibt es nun.

Wie Landratsamt und Stadt Heilbronn mitteilen, könnte ein Unfall in einer örtlichen Spedition Auslöser des massiven Fischsterbens sein. Einen endgültigen Beleg gäbe es bislang aber nicht. Am Dienstag waren bei der Spedition demnach etwa 1.000 Liter eines Stoffes mit der Wassergefährdungsklasse II betroffen.

Tiersterben in Schozach: Kanal vorsorglich verschlossen

Ein Kanal in Höhe Ilsfeld-Wüstenhausen, der in den Gruppenbach mündet, wurde von der Feuerwehr vorsorglich mit einem Dichtkissen verschlossen, um auszuschließen, dass von dort ein möglicher Schadstoffeintrag erfolgt.

Vom Landratsamt Heilbronn werden derzeit Gewässerbegehungen durchgeführt, um die betroffenen Gewässerabschnitte eindeutig bestimmen zu können. Inzwischen ist auch die Schozach im Gebiet der Stadt Heilbronn von der Verunreinigung betroffen. Auch dort wurden tote Fische gefunden.

Verunreinigung der Schozach: Trinkwasser wird geschützt

Mehrere Trinkwasserfassungen im Einzugsbereich wurden vorsorglich abgestellt, um eine Gefährdung für das Trinkwasser auszuschließen. Das Landratsamt Heilbronn und die Stadt Heilbronn als Untere Wasserbehörden warnen noch einmal davor, Wasser aus der Schozach, dem Gruppenbach und den Nebengewässern zu verwenden oder Tiere an diesen Gewässern zu tränken.

Außerdem bitten sie darum, den Einsatzort weiträumig zu meiden, um Einsatzkräfte nicht zu behindern.

NABU empört über "schlimmes Unglück" an der Schozach

Der NABU ist derweil empört über das erneute Fischsterben in der Region: "Das ist ein schlimmes Unglück, dessen Folgen wir noch gar nicht erfassen können. Einmal mehr gelang ein unbekannter Giftstoff, absichtlich oder durch Schlamperei, in einen unserer Flüsse und löst darin eine für Fische, Wasservögel aber auch Kleinstlebewesen tödliche Katastrophe aus."

Im September 2015 war beim Jagstunglück nach Aussage des NABU ein Flussabschnitt von etwa 20 Kilometern Länge zerstört worden.

+++Update 5. April+++ Fischsterben in der Schozach erreicht Heilbronn

Das im Landkreis Heilbronn gemeldete Fischsterben hat am Freitag auch die Stadt Heilbronn erreicht. Betroffen ist bisher ausschließlich die Schozach. Die Heilbronner Feuerwehr hat gegen 3 Uhr den städtischen Einsatzstab unter Leitung von Oberbürgermeister Harry Mergel eingerichtet.

Eine unmittelbare Gefahr für die Bevölkerung besteht nicht. Das Trinkwasser ist nicht betroffen. Es wird aber davor gewarnt, Wasser aus der Schozach zu entnehmen oder Tiere darin zu baden. Die toten Fische werden derzeit im Labor untersucht, Ergebnisse liegen noch nicht vor.

Tiersterben in der Schozach: Kinder und Hunde sollen vom Wasser fernbleiben

Die Meldung ging bereits am Morgen, gegen 9 Uhr ein. Sofort rückten Einsatzkräfte der Feuerwehr und Spezialisten des Polizeipräsidiums vom Arbeitsbereich Umwelt aus. Mittlerweile ist klar, dass zwischen der Einmündung des Gruppenbachs in die Schozach bis zum Tauchsteinsee bei Talheim offensichtlich alle Lebewesen, einschließlich der Wasservögel, verendet sind.

Tiersterben Schozach: Auslöser noch ungeklärt

Was der Auslöser der Katastrophe ist und wer Verantwortlicher sein könnte, ist unklar. Die Ermittlungen hierzu laufen, die Polizei rechnet am heutigen Donnerstag allerdings nicht mehr mit sicheren Ergebnissen.

Die Einsatzkräfte der Feuerwehren sind mit einer 80-Köpfigen Truppe vor Ort. Es wird versucht zu verhindern, dass sich das Tiersterben weiter ausbreitet. Nach den ersten Erkenntnissen bestand für das Trinkwasser bislang keine Gefahr. Dies wird allerdings weiter beobachtet. Falls sich eine Gefahr für die Bevölkerung ergeben sollte, wird eine entsprechende Warnung veröffentlicht.

Feuerwehr und Polizei warnen: Hunde und Kinder sollen sich nicht an der Schozach aufhalten

Allerdings sollte dringend beachtet werden, dass unterhalb von Ilsfeld kein Wasser aus der Schozach entnommen wird und dass keine Kinder am Bach spielen sollten. Auch Hunde sollten nicht aus dem Bach trinken, da schon mehrere tote Wasservögel gefunden wurden und es eine Meldung gibt, dass auch ein Reh verendet sein soll.

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