Erste Funde in 2019

Erstmals in Deutschland überwintert: Wird die gefährliche "Super-Zecke" bei uns heimisch?

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Bis zu dreimal so groß wie ihr europäischer Verwandter, der gemeine Holzbock (Männchen links, Weibchen Mitte) - die tropische Zecke Hyalomma (rechts).
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Die gefährliche Hyalomma-Zecke konnte für 2019 bereits wieder in Deutschland nachgewiesen werden. Im Gegensatz zu den letzten Jahren sollen die Tiere jedoch hier überwintert haben.

+++ Update 11. Juni +++ Hyalomma-Zecke überwintert erstmals in Deutschland

Bereits seit 2007 taucht die Hyalomma-Zecke immer wieder in Deutschland auf - letztes Jahr wurden insgesamt 19 Exemplare gefunden. Jetzt gibt es auch in 2019 die ersten Funde der Hyalomma-Zecke. Doch etwas ist anders als in den Jahren zuvor. Denn: Die "Super-Zecke" soll im Gegensatz zu den Vorjahren in Deutschland überwinter haben. 

Davon sind Zeckenforscher der Universität Hohenheim in Stuttgart und des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr überzeugt. Im Klartext bedeutet das: Die Hyalomma-Zecke ist auf dem Weg sich in Deutschland zu etablieren. Allein fünf Zecken wurden in einem Pferdehof in Nordrhein-Westfalen gefunden, eine auf einem Pferd in Niedersachsen. 

Hyalomma-Zecke: Erste Funde in Deutschland in 2019

Der Fund von fünf Zecken an einem Ort lege nahe, dass dort die Möglichkeit einer Paarung und somit das Entstehen einer eigenständigen Population bestehe, wie Prof. Dr. Ute Mackenstedt, Leiterin des Fachgebiets Parasitologie der Universität Hohenheim erklärt.

Letztes Jahr seien die Zecken sehr wahrscheinlich noch durch Zugvögel eingeschleppt worden - das dürfte dieses Jahr jedoch nicht der Fall sein, erklärt Mackenstedt weiter. Denn: Die Hyalomma-Zecken sind dieses Jahr schon relativ früh aufgetaucht. Rechne man den Entwicklungszyklus zurück, hätten die Zecken zu einem Zeitpunkt eingeschleppt werden müssen, als die Zugvögel noch gar nicht da waren. 

Hyalomma-Zecke: Wie gefährlich ist die "Super-Zecke"?

Die Hyalomma-Zecke ist üblicherweise in Teilen Asiens und Afrikas sowie in einigen Regionen Südosteuropas verbreitet. Die Zecke ist etwa doppelt so groß wie der gemeine Holzbock - und kann gefährliche Krankheitserreger in sich tragen. Dazu zählt das Krim-Kongo-Virus, das beim Menschen das schwere, bisweilen sogar tödliche Krim-Kongo-Hämorrhagische-Fieber (CCHF) verursacht.

Bis zu dreimal so groß wie ihr europäischer Verwandter, der gemeine Holzbock (Männchen links, Weibchen Mitte) - die tropische Zecke Hyalomma (rechts).

Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Hyalomma-Zecke bereits als Larve mit Zugvögeln nach Deutschland gelangt. Seit 2007 findet man Hyalomma-Zecken in Deutschland. Im Jahr 2018 wurden insgesamt 19 Exemplare in acht unterschiedlichen Bundesländern (Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Brandenburg, Berlin und Schleswig-Holstein) gefunden. Im Stadt- und Landkreis Heilbronn sind bisher jedoch keine Funde bekannt. 

Information: Die Universität Hohenheim will die Ausbreitung exotischer Zeckenarten in Deutschland weiter untersuchen. Wer also eine Hyalomma-Zecke entdeckt, kann diese direkt an die Uni senden. Genauere Informationen dazu gibt es hier.

+++ 23. März: Wie gefährlich sind Zecken wirklich - und wie kann man sich am besten schützen? +++

Wer denkt, dass Zecken erst wieder im Sommer ein Thema sind, der irrt. Und zwar gewaltig! Denn: Zecken sind mehrjährige Tiere und bereits ab einer Temperatur von acht Grad aktiv. Der richtige Zeckenschutz ist also bereits jetzt ein wichtiges Thema - schließlich können durch Zeckenstiche zahlreiche Infektionskrankheiten übertragen werden.

Besonders die Borreliose, eine Bakterieninfektion, und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), die durch FSME-Viren verursacht wird, werden in Deutschland durch Zeckenstiche übertragen. Die Infektionen treten besonders im Frühjahr und Sommer auf, häufig auch noch im Herbst - und wenn es warm genug ist, sind vereinzelte Infektionen sogar noch im Winter möglich.

Infektions-Gefahr Borreliose und FSME: So schützt man sich am besten vor Zecken

Der gemeine Holzbock, die häufigste Zeckenart in Deutschland, kommt beinahe überall dort vor, wo Pflanzen wachsen - also auch in Gärten und Parks. Das bedeutet: Zeckenschutz geht nicht nur Outdoor-Liebhaber etwas an! Deshalb gibt das Robert-Koch-Institut einige Tipps, wie man sich am besten vor Zecken schützen kann.

Wer sich vor Zecken schützen will, sollte hohe Wiesen meiden.

Bei Spaziergängen auf den Wegen bleiben!
Wer sich schützen will, sollte hohes Gras und Unterholz meiden. Denn: Zecken klettern auf eine exponierte Stelle wie einen Grashalm - und wenn ein Mensch vorbeikommt und die Zecke abgestreift wird, hält sie sich an Kleidung oder Haut fest.
Auf die richtige Kleidung achten!
Auf heller Kleidung lassen sich Zecken viel leichter erkennen als auf dunkler. Auch feste Schuhe, lange Hosen und lange Ärmel bieten einen gewissen Schutz. So ist es für die Zecke deutlich schwieriger, eine geeignete Hautstelle für einen Stich zu finden.
Zeckenschutzmittel bieten einen extra Schutz!
Zeckenschutzmittel, sogenannte Repellentien, die direkt auf die Haut aufgetragen werden, bieten einen zusätzlichen Schutz. Der Nachteil: Dieser Zeckenschutz ist zeitlich begrenzt. Falls möglich (wenn sich keine Flecken bilden), sollte das Mittel auch auf die Kleidung aufgetragen wurden.
● Nach einem Ausflug im Grünen Kleidung und Körper nach Zecken absuchen!
Wer sich im Freien, besonders in zeckengefährdeten Gebieten, aufgehalten hat, sollte sich danach gründlich nach den Tieren absuchen. Zecken bevorzugen Stellen wie Ohren, Hals, Achseln, Ellenbeuge, Bauchnabel, oder Kniekehle - doch dort müssen sie erst hinkrabbeln. Wer also schnell genug ist, kann die Zecke entfernen, bevor sie gestochen hat.

FSME-Impfung als vorbeugende Maßnahme gegen eine Infektion
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt eine FSME-Impfung (Grundimmunisierung oder Auffrischungsimpfung) für Kinder und Erwachsene, die Zecken in einem FSME-Risikogebiet ausgesetzt sind oder die beruflich durch FSME gefährdet sind - wie beispielsweise Forstarbeiter. Wer sich ausführlich zum Thema FSME-Impfung informieren möchte, wendet sich an den eigenen Hausarzt.

Borreliose und FSME: Wie groß ist nach einem Zeckenstich die Gefahr einer Infektion?

Die Karte zeigt FSME-Risikogebiete nach Definition des Robert Koch-Instituts.

Doch was ist zu tun, wenn eine Zecke bereits gestochen hat - und wie groß ist das Risiko, sich mit Borreliose oder FSME zu infizieren? Nach einem Zeckenstich dauert es bis zu einem oder zwei Tagen, bis Borrelien übertragen werden. Klar ist also: Das rechtzeitige Entfernen von Zecken vermindert das Risiko einer Borreliose-Infektion erheblich. Bei 2,6 bis 5,6 % der Betroffenen wurde nach Untersuchungen aus Deutschland und der Schweiz nach einem Zeckenbiss eine Borrelien-Infektion nachgewiesen - nur ein kleiner Teil der Infizierten (0,3 bis 1,4%) erkrankte aber auch.

Bei FSME schaut das Ganze jedoch etwas anders aus. Denn: FSME-Viren sind deutlich schneller. Ihre Übertragung erfolgt innerhalb kurzer Zeit nach dem Stich und im Mittel tragen in FSME-Risikogebieten 0,1% bis 5 % der Zecken FSME-Viren in sich. Zur Übersicht veröffentlicht das Robert Koch-Institut regelmäßig die aktuellen FSME-Risikogebiete. Eine weiße Insel inmitten roter Risikogebiete bildet dabei der Stadtkreis Heilbronn: Er ist als einziges Gebiet im Bundesland kein FSME-Risikogebiet. 

Wenn die Zecke bereits gestochen hat: Wie entfernt man sie richtig?

Um das Risiko einer Infektion so klein wie möglich zu halten, sollte eine Zecke immer sofort herausgezogen werden - und zwar alle Teile des Tieres. Tipp: Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit hat eine Bildserie zur richtigen Zeckenentfernung erstellt.

Wer einige einfache Schritte befolgt, kann eine Zecke schnell selbst entfernen.

●  Die Zecke mit einer Pinzette oder einem speziellen Entfernungsinstrument (erhältlich beispielsweise in der Apotheke) möglichst nahe der Hautoberfläche greifen - also an ihren Mundwerkzeugen und nicht am vollgesogenen Körper!
● Dann die Zecke langsam und gerade herausziehen.
● Ist das Tier entfernt, die Hautstelle gut desinfizieren.

Auf was muss man nach der Entfernung einer Zecke achten?

Nach der Zeckenentfernung sollte die Einstichstelle regelmäßig beobachtet werden. So kann früh genug erkannt werden, ob sich ein roter Infektionsring ausbildet. Sollte sich nach einigen Tagen bis Wochen eine deutliche ringförmige Hautrötung oder eine unspezifische Hautrötung, die wandert, bilden, heißt es: Ab zum Arzt zur weiteren Abklärung! 

Das gilt auch für grippeähnliche Symptome wie Fieber, Abgeschlagenheit, Unwohlsein, Kopfschmerzen oder Gliederschmerzen, die innerhalb von sieben bis 14 Tagen nach einem Zeckenstich und einem Aufenthalt in einem FSME-Risikogebiet auftreten.

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