Inzidenz in Hohenlohe schnellt in die Höhe

Hohenloher Corona-Partys haben heftige Folgen: „Keine Entwarnung“

Ein Arzt macht einen Abstrich für einen Corona-Test.
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Die 7-Tage-Inzidenz in Baden-Württemberg liegt nur knapp über 50er-Schwelle (Symbolbild).
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  • Christina Rosenberger
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  • Lisa Klein
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Die hohe Inzidenz im Hohenlohekreis ist auf zwei Partys in Pfedelbach und Öhringen zurückzuführen – das Gesundheitsamt gibt noch immer keine Entwarnung.

Update, 5. August: Die Corona-Infektionen, die vor etwa zwei Wochen bei Partys im Hohenlohekreis die Inzidenz in die Höhe schnellen ließen, sind wohl endlich aufgearbeitet. Mittlerweile sind die Zahlen wieder auf 10,7 gesunken und der Landkreis meldet, nach intensiver Fallermittlungen sei es gelungen, weitere Infektionsketten nachzuvollziehen. So konnte ein Großteil der Fälle, die im Zusammenhang mit den beiden Feiern in Pfedelbach und Öhringen im Juli aufgetreten waren, aufgeklärt werden.

Nach Corona-Partys im Hohenlohekreis: Infektionsketten aufgearbeitet - aber keine Entwarnung

Insgesamt wurden laut Landratsamt 54 Fälle der besonders ansteckenden Delta-Variante und 257 enge Kontaktpersonen zugeordnet. Patient Null war nach den Ermittlungen des Gesundheitsamts ein Reiserückkehrer, der Ende Juni aus Russland eingereist war. Dennoch gibt es immer noch keine Entwarnung.

Annemarie Flicker-Klein die Amtsleiterin des Gesundheitsamts Hohenlohe erklärte, dazu sei es noch zu früh: „Für beendet erklärt wird ein Ausbruchsgeschehen gemäß den Richtlinien des Robert Koch-Institutes erst nach Ablauf von 28 Tagen. Für uns im Hohenlohekreis bedeutet das, dass wir dieses Geschehen weiterhin genau beobachten müssen“, die Events hätten allerdings wieder gezeigt, „dass wir trotz der aktuell sinkenden Inzidenzen enorm vorsichtig sein müssen“, so Flicker-Klein.

Corona-Hotspot Hohenlohekreis: Kontaktpersonen der Corona-Partys gesucht

Update, 3. August: Die Corona-Zahlen im Hohenlohekreis sind weiterhin hoch: Mit einer 7-Tage-Inzidenz von 32,0 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner liegt der Landkreis auf Platz zwei der höchsten Inzidenzen in Baden-Württemberg. Trauriger Spitzenreiter ist aktuell der Stadtkreis Heilbronn, welcher mit 38,7 bereits über der kritischen Marke von 35 liegt. Nur noch in 14 der insgesamt 44 Land- und Stadtkreise im Südwesten liegt die 7-Tage-Inzidenz unter zehn Neuinfektionen, der Landes-Durchschnitt in Baden-Württemberg befindet sich momentan bei 14,5.

Mit ein Grund für die hohe Inzidenz im Hohenlohekreis sind zwei Partys in Pfedelbach und Öhringen – zahlreiche Corona-Infektionen stehen mit den Veranstaltungen in Verbindung. Wie der Landkreis in einer Pressemitteilung erklärte, fanden die beiden Veranstaltungen in der Nacht vom 17. auf den 18. Juli in der „Metropol Shisha-Lounge“ in Öhringen und dem „Club Gentele“ in Pfedelbach statt.

Corona-Hotspot Hohenlohekreis: Suche nach Kontaktpersonen des Superspreader-Events

Das große Problem: „Aufgrund oft unvollständiger, falsch hinterlegter oder teilweise nicht vorhandener Kontaktdaten ist eine umfassende Kontaktpersonennachverfolgung durch die Fallermittlung des Gesundheitsamtes nicht möglich“, heißt es in der Pressemitteilung der Stadt vom 26. Juli. Und auch über zwei Wochen nach der Veranstaltung ist das Gesundheitsamt weiterhin auf der Suche nach Gästen, die in jener Nacht in einer der Shisha-Lounges waren.

Allen Besuchern der „Metropol Shisha-Lounge“ in Öhringen und des „Clubs Gentele“ in Pfedelbach in der Nacht vom 17. auf den 18. Juli 2021 wird empfohlen, die eigenen Kontakte zu minimieren, kostenfreie Testmöglichkeiten zu nutzen und sich bei den typischen Corona-Symptomen an den Hausarzt zu wenden.

Corona-Hotspot Hohenlohekreis: Zahlen explodieren – das ist der Grund

Erstmeldung vom 27. Juli: Viel fehlt nicht mehr, bis der Hohenlohekreis als erster Kreis in Baden-Württemberg wieder die 35er-Marke knackt. Aktuell liegt die 7-Tage-Inzidenz mit 33,7 (Stand 26. Juli) deutlich über der landesweiten Inzidenz und nur knapp unter dem Grenzwert. Ein Grund dafür sind zwei Partys in Pfedelbach und Öhringen, die mit einem Großteil der Coronafälle im Hohenlohekreis in Verbindung stehen.

Wie der Landkreis in einer Pressemitteilung erklärte, fanden die beiden Veranstaltungen in der Nacht vom 17. auf den 18. Juli in der Metropol Shisha-Lounge in Öhringen und dem Club Gentele in Pfedelbach statt. Eine umfassende Kontaktpersonennachverfolgung durch das Gesundheitsamt ist wegen oft unvollständiger, falsch hinterlegter oder teilweise nicht vorhandener Kontaktdaten jedoch nicht möglich.

Corona-Hotspot Hohenlohekreis: Probleme bei der Kontaktverfolgung

In Pfedelbach gebe es nur etwa 170 brauchbare Kontaktsätze, berichtet der SWR unter Berufung auf das Landratsamt. Etwa 50 bis 60 Personen sollen demnach gar keine Kontaktdaten hinterlassen haben. Im Fall der Shisha-Bar in Öhringen sieht es nicht besser aus, hier konnten lediglich rund 40 Kontakte erfasst werden.

Entsprechend empfiehlt der Hohenlohekreis den Besuchern der Metropol Shisha-Lounge in Öhringen und des Clubs Gentele in Pfedelbach dringend, die eigenen Kontakte zu minimieren, kostenfreie Testmöglichkeiten zu nutzen und sich bei den typischen Symptomen (Husten, Schnupfen und Fieber) an den Hausarzt zu wenden.

Hohenlohekreis: Härtere Regeln drohen nach Corona-Vorfall

„Jeder sehnt sich nach einer Rückkehr zum normalen Leben. Dabei müssen jedoch die Grundregeln, insbesondere auch im Hinblick auf die Kontaktdatenerfassung, beachtet werden“, mahnt Landrat Dr. Matthias Neth. „Seit fast eineinhalb Jahren nimmt jeder von uns Einschränkungen in Kauf, damit wir als Gesellschaft die Corona-Pandemie bewältigen können. Wer die hart erarbeiteten Fortschritte jetzt leichtsinnig aufs Spiel setzt, zeigt keinerlei Respekt gegenüber seinen Mitmenschen.“ 

Wie der SWR berichtet, gehen die beiden Corona-Ausbrüche möglicherweise auf Reiserückkehrer aus Russland zurück. Sobald der Hohenlohekreis die kritische Marke von 35 überschreitet, greift die Öffnungsstufe 3 und es gelten folgende schärfere Regeln:

  • Zu privaten Treffen dürfen vier Haushalte mit maximal 15 Personen zusammenkommen. Davon ausgenommen sind Kinder der Haushalte bis einschließlich 13 Jahre sowie Geimpfte und Genesene. Auch Paare, die nicht zusammenleben, gelten als ein Haushalt.
  • Private Veranstaltungen dürfen wieder mit maximal 50 Personen im Freien und 50 in geschlossenen Räumen stattfinden, allerdings mit 3G-Nachweis.
  • Zu öffentlichen Veranstaltungen sind maximal 500 Personen im Freien mit 3G-Nachweis zugelassen. In geschlossenen Räumen sind es nur noch 200 Personen - ebenfalls mit 3G-Nachweis.
  • Freizeiteinrichtungen wie Freizeitparks oder Schwimmbäder: Im Freien und in geschlossenen Räumen ist noch eine Person je angefangene 10 Quadratmeter erlaubt - auch hier ist ein 3G-Nachweis nötig.
  • Außerschulische und berufliche Bildung: Die Beschränkung der Personenanzahl ist aufgehoben. Ein 3G-Nachweis muss erbracht werden Hier sind zum Beispiel Volkshochschulen oder Jugendkunstgruppen gemeint.
  • Kultureinrichtungen wie Galerien, Museen oder Bibliotheken dürfen im Freien und in geschlossenen Räumen zwar öffnen, aber nur für Menschen mit 3G-Nachweis und für eine Person je angefangene 10 Quadratmeter.
  • Gastronomie und Vergnügungsstätten können draußen weiterhin ohne besondere Regelung und ohne Beschränkung der Personenanzahl öffnen - allerdings gilt noch ein Rauchverbot in geschlossenen Räumen. Außerdem darf im Innenbereich nur noch eine Person je 2,5 Quadratmeter mit 3G-Nachweis sein.
  • Betriebskantinen und Mensen: Angehörige der Einrichtung dürfen diese ohne besondere Regelungen nutzen.
  • Einzelhandel: Eine Person je angefangene 10 Quadratmeter.
  • Körpernahe Dienstleistungen: Falls die Maske nicht dauerhaft getragen werden kann, dann dürfen nur Geimpfte, Genesene und Getestete behandelt werden.
  • Bei Messen gilt: Eine Person je angefangene 10 Quadratmeter mit 3G-Nachweis.
  • Beherbergung in Hotels oder Ferienwohnungen: Mit 3G-Nachweis bei Anreise und anschließendem Testnachweis alle drei Tage.
  • Touristischer Verkehr in Bus, Bahn oder Schiff: Hier dürfen nur noch maximal 75 Prozent der zulässigen Fahrgastanzahl mitfahren, außerdem müssen Passagiere geimpft, getestet oder genesen sein und Hygienekonzepte beachten.
  • Diskotheken bleiben noch geschlossen.
  • Prostitutionsstätten müssen ebenfalls wieder schließen.
  • Sport ist sowohl im Freien als auch in geschlossenen Räumen mit 3G-Nachweis erlaubt.
  • Wettkampfveranstaltungen im Sport: Maximal 500 Personen im Freien mit zusätzlicher Maskenpflicht und 200 Personen in geschlossenen Räumen. Es gilt auch hier: Ein 3G-Nachweis wird benötigt.

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