Die Narben werden bleiben

Hexenkessel-Prozess: So geht es dem Opfer heute

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In diesem Hexenkessel erlitt die 18-Jährige schwere Verbrennungen.
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Bis jetzt traut sich die junge Frau nicht ins Schwimmbad.

"Ich dachte, ich brenne." Wegen des Adrenalins hat die 18-jährige die Hitze des kochenden Wassers gar nicht wahrgenommen. Doch als sie ein Freund nahe des Eppinger Marktplatzes vom Kessel weggetragen hat, bricht sie schreiend zusammen, windet sich auf dem Boden, hat höllische Schmerzen. Und noch zehn Monate nach dem Hexenkessel-Vorfall auf dem Eppinger Nachtumzug am 3. Februar hat die Geschädigte mit den Folgen zu kämpfen.

Hexenkessel-Fall auf dem Eppinger Nachtumzug: Haut löst sich ab

Als sie von den zwei verkleideten Hexen gepackt und zum Kessel mit dem kochenden Wasser getragen wird, ist alles noch ein Scherz, wie er auf Faschingsveranstaltungen üblich ist. Die 18-Jährige: "Ich wurde an der Hüfte und an der Kniekehle gepackt. Den beiden Personen habe ich vertraut." Kurze Zeit später sind ihre Beine derart verbrüht, dass sich die Haut ablöst. Die junge Frau aus Rheinstetten bei Karlsruhe erleidet Verbrennungen zweiten und dritten Grades, muss eine Woche auf die Intensivstation.

Hexenkessel-Fall: Unerträgliche Schmerzen

Ihr wurde künstliche Haut aufgetragen, viele Gefäße sind kaputtgegangen. Unter Tränen erklärt sie am Montag beim Prozessauftakt am Heilbronner Amtsgericht: "Auch mehr als drei Wochen nach dem Vorfall konnte ich weder sitzen noch laufen oder stehen." Sie musste eine Hauttransplantation über sich ergehen lassen. Mit 200 Nadeln wurde das Gewebe befestigt. "Die Schmerzen waren kaum auszuhalten."

Ein 33-Jähriger soll für die Brandverletzungen der jungen Frau verantwortlich sein. Vor ihm auf dem Tisch: Die Hexenmaske, mit der er am 3. Februar auf dem Eppinger Nachtumzug verkleidet war.

Heute muss die Geschädigte Tag und Nacht Kompressionsstrümpfe tragen. Sie muss regelmäßig in die Krankengymnastik und zur Beobachtung ins Krankenhaus. Sie erzählt: "Ich musste mit 18 Jahren das Laufen ganz neu lernen. Bis heute kann ich nur kurz auf derselben Stelle stehen. In ein Schwimmbad habe ich mich bis jetzt nicht getraut." Ob die Motorik jemals wie früher wieder funktioniert, können ihr die Ärzte nicht sagen. Fest steht in jedem Fall: Die Verbrennungsnarben werden bleiben!

Der angeklagte 33-Jährige, der die Geschädigte zu dem Kessel getragen haben soll und dem die Staatsanwaltschaft fahrlässige Körperverletzung vorwirft, bestreitet seine Täterschaft. Das Urteil soll am Mittwoch fallen. Aufgrund des Vorfalls fällt der Eppinger Nachtumzug im kommenden Jahr aus.

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