Der Prozess ist beendet

Hexenkessel-Fall: Das Urteil ist gefällt- 50.000 Euro Schmerzensgeld

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Die Beweislage gegen den 33-jährigen Verdächtigen bleibt auch am zweiten Prozesstag dünn.
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Im Hexenkessel-Fall auf dem Eppinger Nachtumzug ist nun ein Urteil gefällt. Die junge Frau erhält 50.000 Euro Schmerzensgeld.

○ Eine 18-Jährige wird bei einem Nachtumzug in den "Hexenkessel" einer Faschingsgruppe gestellt.
○ Die junge Frau wird schwer verbrüht, weil sich heißes Wasser im Kessel befindet.
○ Vor Gericht lässt sich nicht eindeutig klären, wer die junge Frau hineingestellt hat. Doch die Kammer legte nun ein Schmerzensgeld in Höhe von 50.000 Euro fest.

Update 9. Januar: Nach der Verhandlung zum Hexenkessel-Fall am Heilbronner Landgericht kam die Kammer nun zu einem Urteil. 50.000 Euro Schmerzensgeld müssen der Veranstalter des Eppinger Nachtumzugs und ein Mitglied der Hexengruppe "Bohbrigga Hexenbroda" an die junge Frau zahlen.

Lange wurde über die Identität der verkleideten Hexen gestritten, die die 18-Jährige in den Kessel stellten, doch das konnte während der Verhandlung nicht eindeutig geklärt werden. Allerdings betonte die Kammer, dass der Verkehrsverein für den Umzug seine Verkehrssicherungspflichten gleich mehrfach verletzt hat: Zum einen wurde kein Merkblatt mit einem Verbot für solche Wägen ausgegeben. Zum anderen gab es auch keine klare Überwachung und Kontrolle solcher Handwagen.

Hexenkessel-Fall in Eppingen: Kammer verurteilt Veranstalter und Hexengruppenmitglied

Die Kammer ließ ausdrücklich offen, ob das verurteilte Mitglied der Hexengruppe selbst an dem "Entführungsvorgang mit anschließendem Stellen in Kessel" beteiligt war. Doch schon alleine das Mitführen des Kessels sei ein "kausaler Tatbeitrag". Da nicht ersichtlich war, wie der aufsteigende Nebel/Rauch erzeugt wurde, hätte jedes Mitglied der Gruppe den Kessel gegen die Nutzung von Dritten sichern müssen.

Zwar konnte die Situation mit Alkohol und Kostümierung auf dem Umzug zu einer Risikofehleinschätzung führen, doch die Kammer widersprach der Aussage des Beklagten, dass die Situation ein "nicht mehr zurechenbarer Exzess" gewesen sei.

Hexenkessel-Fall auf dem Nachtumzug in Eppingen: Immer mehr Widersprüche vor Gericht

Erstmeldung 5.Dezember: Sitzt der Richtige auf der Anklagebank? Gehörte der Täter überhaupt der Faschingsgruppe Bohbrigga Hexenbroda an und haben die Ermittler möglicherweise die Falschen im Visier? Die genauen Ereignisse rund um den Hexenkessel-Vorfall auf dem Eppinger Nachtumzug am 3. Februar bleiben auch heute, am zweiten Prozesstag im Heilbronner Amtsgericht, genauso nebulös wie der Dampf, der aus dem Kessel stieg, in dem sich die 18-jährige Geschädigte ihre schlimmen Verletzungen zugezogen hat.

Hexenkessel-Fall auf Eppinger Nachtumzug: Kaum verlässliche Beobachtungen

Immer wieder schildern die Zeugen, die hauptsächlich dem Freundeskreis der Geschädigten angehören, wie zerfahren die Situation auf dem Nachtumzug war. Klar: Man trank, man feierte, niemand ahnte Böses. An verlässlichen Beobachtungen mangelt es. Die meisten haben den schrecklichen Vorfall erst bemerkt, als es schon zu spät war und die 18-Jährige schreiend auf dem Boden lag.

Dann jedoch will man rasch reagiert haben: Ein am Tatabend als Dinosaurier verkleideter Freund der Geschädigten aus Rheinstetten sei dann hinter der Hexengruppe mit dem Kessel hergerannt und habe verlangt, das diese stehenbleibe. "Das ist unterlassene Hilfeleistung", sagt er vor Gericht. Die Gruppe habe ihn ignoriert, sei einfach weitergelaufen, als er geschildert habe, was passiert war.

Hexenkessel-Fall auf Eppinger Nachtumzug: Gruppe streitet gleich alles ab 

Da sei er ausfällig geworden und habe die verkleideten Hexen übel beschimpft. Diese haben laut des jungen Mannes daraufhin gesagt: "Wenn du jetzt nicht gleich abhaust, kriegst du eine!" Er ist sich sicher: "Als ich mich hinstellte, hatte ich die ganze Gruppe vor mir. Einige mussten mich gehört haben." Herauszufinden, was passiert ist, habe aber niemand versucht. Stattdessen sollen einige Verkleidete gleich "das waren wir nicht" gesagt haben.

Die vernommenen Mitglieder der Bohbrigga Hexenbroda erklären jedoch vor Gericht, von dem Vorfall nichts mitbekommen zu haben. Offenbar eine Lüge? Erst in den Medien wollen sie erfahren haben, was passiert ist. Der Angeklagte streitet alles ab.

Hexenkessel-Fall: Zeugin schildert interessantes Detail

Seltsam sind auch die Beobachtungen, die eine Ersthelferin kurz nach der Tat am Eppinger Marktplatz gemacht haben will: "Immer wieder sagten die Freunde der Verletzten Dinge wie: 'Wir wussten nicht, dass es heiß ist. Wir dachten, das ist nur Nebel.'" Ihr erster Eindruck dabei: Jemand aus dem Freundeskreis hatte der 18-Jährigen die Verletzungen zugefügt und sie zu dem vermeintlich harmlosen Hexenkessel befördert.

Allerdings schilderte die Geschädigte, dass zwei als Hexen Verkleidete sie zum Kessel gebracht haben. Doch gehörten diese wirklich der verdächtigen Gruppe der Bohbrigga Hexenbroda an? Immerhin seien laut dem Veranstalter, der Eppinger Hexenzunft, rund die Hälfte aller 1.800 Teilnehmer auf dem Eppinger Nachtumzug als Hexen verkleidet.

Der Prozess geht am Freitag, 21. Dezember, am Heilbronner Amtsgericht weiter.

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