Die unglaubliche Geschichte einer plötzlichen Mama

Neun Monate schwanger – und sie hatte keine Ahnung

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Robin (3) mit Stefanie Gläss.
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Stefanie Gläss wusste bis kurz vor der Entbindung nichts von ihrer Schwangerschaft.

Sie hat neun Monate lang ihre Periode bekommen, kaum zugenommen - und von Tritten im Bauch keine Spur. Und plötzlich ist da zu Hause eine große Pfütze - die Fruchtblase ist geplatzt. Die Geschichte von Stefanie Gläss aus Wolfach im Schwarzwald klingt unglaublich. Die 37-Jährige, die ursprünglich aus Heilbronn kommt, wird am 15. Oktober 2013 mit Bauchschmerzen ins Krankenhaus eingeliefert. Zu diesem Zeitpunkt ahnt noch niemand, dass sie schon seit 40 Wochen ein Kind im Bauch trägt. Gläss: "Im letzten Monat hatte ich zwar die Vermutung, dass ich schwanger sein könnte, habe den Gedanken aber schnell wieder verdrängt."

Nur wenige Stunden später wird ihr Leben um 52 Zentimeter und 3.200 Gramm bereichert. Der kleine Robin hat das Licht der Welt erblickt. "Mein erster Gedanken war: Ist mein Kind gesund? Und: Wie erzähle ich es meinem Freund?" Nichts war mehr so, wie es vorher war. "Ich dachte nur: Das kann doch alles gar nicht sein."

Während andere werdende Mamas ihre Schwangerschaft in vollen Zügen genießen und sich auf die bevorstehende Veränderung im Leben vorbereiten können, wird Gläss von der Geburt völlig überrumpelt. Wickeltisch, Anziehsachen, Babynahrung, Kinderbett und Windeln – all das, was sich Schwangere über einen 40-wöchigen Zeitraum stressfrei besorgen können, fehlt Gläss. "Ich hatte nichts. Vorher habe ich mich ja nie wirklich mit dem Mamasein befasst. Das war alles neu für mich." Für die junge Familie war aber klar: "Das ist unser Fleisch und Blut. Ihn zu behalten, haben wir nie in Frage gestellt."

Auch wenn es für viele in Gläss' Umfeld im ersten Augenblick ein Schockmoment war: Hilfe erhält die Ex-Heilbronnerin von ihrer Familie und Bekannten. "Ich habe eine ganz tolle Mutter. Sie hat binnen dreier Tage alles organisiert und war immer an meiner Seite. Ohne meine Familie wäre ich aufgeschmissen gewesen." Auch das Krankenhaus unterstützt die plötzliche Mama. "Dafür war ich wirklich dankbar."

Heute ist Robin drei Jahre alt und putzmunter. Das "Überraschungsei" – wie ihn alle nennen – entwickelt sich gut, ist kerngesund und entdeckt die Welt. Alles hat sich zum Guten gewendet. "Meine Sorgen und Ängste waren völlig unbegründet. Ich habe einen tollen Vater für mein Kind, er ist ein Schatz."

Dass Gläss keine Ultraschallbilder von Robin hat und ihr Lebensgefährte keine Möglichkeit hatte, ihr während der neun Monate über den runden Bauch zu streicheln, bedauert Gläss. "Klar wünscht man sich eine bewusste Schwangerschaft. Aber andererseits war ich frei von Ängsten und Sorgen um das Kind. Unsichere Mütter sind nicht immer gut für das Kind." Gläss erklärt weiter: "Ich wusste vorher nie, ob ich schwanger werden soll und wann der richtige Zeitpunkt ist. Ich habe mich immer gefragt: Ist es überhaupt noch menschlich, ein Kind in diese Welt zu setzen. Jetzt weiß ich, dass es gut war, wie es gekommen ist. Ich mag den kleinen Mann nie wieder hergeben."

Doch nicht alle wollen an dem jungen Familienglück teilhaben. Teilweise löst das Phänomen der verdrängten Schwangerschaft ungläubige Reaktionen aus. "Viele Leute in meinem Umfeld haben mir erst gar nicht abgenommen, dass ich schwanger war – auch, weil sie es selbst nicht gesehen haben." Andere wiederum können sich nicht vorstellen, wie Frauen nicht bemerken können, dass in ihrem Bauch ein Baby heranwächst.

Die "Gravitas suppressalis" – so lautet die verdrängte Schwangerschaft in der Fachsprache – kommt jedoch häufiger vor als gedacht, in der Heilbronner Frauenklinik etwa ein bis zwei Mal pro Jahr. "Eine medizinische Erklärung gibt es dafür nicht, dass die Frauen weiterhin ihre Periode bekommen", sagt Professor Reinhard Hackenberg, Direktor der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Klinikum am Gesundbrunnen. Dennoch würden viele betroffene Frauen berichten, dass sie weiterhin ihre Periode gehabt hätten. Er geht davon aus, dass das Nicht-Bemerken einer Schwangerschaft eher psychische Ursachen hat und die Frauen für die typischen Symptome einer Schwangerschaft andere Erklärungen finden.

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