Sondermüll aus Baden-Württemberg

Sondermülldeponie bei Heilbronn geplant – Umweltschützer schlagen Alarm

  • Isabel Ruf
    vonIsabel Ruf
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Das Umweltministerium Baden-Württemberg erhofft sich eine neue Sondermülldeponie im Salzbergwerk Heilbronn. Umweltschützer halten diese Pläne für zu riskant. 

  • Das Umweltministerium Baden-Württemberg sucht einen neuen Standort für eine Sondermülldeponie.
  • Jetzt ist das Salzbergwerk bei Heilbronn für die Entsorgung im Gespräch. 
  • Umweltschützer schlagen allerdings Alarm und sorgen sich um das Trinkwasser.

Sondermülldeponie in Salzbergwerk Heilbronn geplant – Umweltschützer schlagen Alarm

Was passiert mit sogenannten gefährlichen Abfällen in Baden-Württemberg? Wo werden diese Abfälle, die vor allem aus der Industrie stammen, auf Dauer deponiert? Diese Fragen stellen sich die Verantwortlichen des Umweltministeriums – und hoffen auf Heilbronn als neuen Standort.

Umweltminister Franz Untersteller hat im Kabinett seine Pläne bereits vorgestellt. Es geht um nicht brennbare gefährliche Abfälle der Deponieklassen III und IV. Dazu gehören beispielsweise nicht verwertbare, nicht organische Abfälle – unter anderem quecksilberhaltige Abfälle, Rückstände aus Verbrennungsanlagen oder kontaminierte Bodenmaterialien sowie Bauschutt.

Auf der Sondermülldeponie sollen auch kontaminierte Bodenmaterialien und Bauschutt gelagert werden.

Sondermüll in Baden-Württemberg – Umweltminister will Entsorgung in der Nähe

Derzeit gibt es eine oberirdische Sonderabfalldeponie im Neckar-Odenwald-Kreis in Billigheim. Voraussichtlich im Jahr 2025 ist deren Kapazität aber erschöpft. Wenn es dann keine andere Entsorgungsmöglichkeit gibt, muss der Sondermüll aus Baden-Württemberg auf Straße und Schiene in Deponien anderer Bundesländer gebracht werden. 

Das will das Umweltministerium verhindern. "Ein Bundesland wie Baden-Württemberg muss in der Lage sein, anfallende Sonderabfälle seiner Industrieunternehmen zu entsorgen", stellt Minister Untersteller klar. Eine möglichst ortsnahe Entsorgung sei für ihn ein wichtiges abfallrechtliches Prinzip. Dafür würden jetzt die Weichen gestellt. 

Neue Sondermülldeponie in Baden-Württemberg: Heilbronn als möglicher Standort

Auf der Suche nach einer möglichen Deponie für Sondermüll ist jetzt Heilbronn als Standort ins Blickfeld gerückt – genauer gesagt die Untertagedeponie der Südwestdeutschen Salzwerke (SWS). Die Deponie soll 2028 verfüllt sein. 

Wie das Ministerium mitteilt, haben sich die SWS und die Umwelt Entsorgung und Verwertung GmbH, die zum Konzern gehört, bereit erklärt, eine neue Untertagedeponie in Heilbronn zu planen. Erste Gespräche mit der Firma und der Stadt Heilbronn habe es bereits gegeben. 

Sondermülldeponie soll im Salzbergwerk Heilbronn entstehen – erste Gespräche geführt

Die geplante Sondermülldeponie im Salzbergwerk könnte 2029 fertig sein und wäre auf 30 Jahre Betriebsdauer ausgelegt. "Ich bin zuversichtlich, dass der Vorstand der Südwestdeutschen Salzwerke im Herbst die nötigen Entscheidungen treffen wird, um mit der konkreten Planung beginnen zu können", sagt Untersteller. 

Die Südwestdeutsche Salzwerke AG teilt auf echo24.de-Nachfrage mit: "Wir stehen – vorbehaltlich einer noch zu prüfenden Wirtschaftlichkeit der Untertagesdeponie und weiteren vorzunehmenden Prüfungen – dem Vorhaben generell positiv gegenüber." Der Zeitpunkt einer endgültigen Entscheidung sei noch nicht absehbar. 

Das Umweltministerium Baden-Württemberg plant eine Sondermülldeponie im Heilbronner Salzbergwerk.

Geplante Sondermülldeponie im Salzbergwerk Heilbronn: Kritik von Umweltschützern

Umweltschützer stehen den Plänen kritisch gegenüber und halten sie für riskant. "Wir lehnen den Ausbau der Sondermülldeponie im Salzbergwerk Heilbronn ab, weil wir mittelfristig Risiken für das Grundwasser befürchten", erklärt Gottfried May-Stürmer, Regionalgeschäftsführer vom BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) Heilbronn-Franken, auf Nachfrage. 

Laut Gottfried May-Stürmer müsse man damit rechnen, dass "Schadstoffe aus dem Giftmüll mittelfristig mit dem Grundwasser in Kontakt kommen". Das begründet er unter anderem mit Verwerfungen, die durch den Salzstock verlaufen würden und die Ansatz für Wasserwegsamkeiten bieten könnten. 

Sondermülldeponie in Heilbronn: Umweltschützer sorgen sich um Trinkwasser

"Die Grundwasservorkommen oberhalb des Salzbergwerks sind mit die größten in Nordwürttemberg. Ihre Verschmutzung wäre für die Trinkwasserversorgung der Zukunft gravierend", erklärt der Umweltschützer. Er kündigte an, die Verantwortlichen des Umweltministeriums würden noch vom BUND hören. 

Ende November 2019 hatte der Gemeinderat zuletzt beschlossen, dass Bauschutt des Atomkraftwerks Neckarwestheim bis 2050 auch auf der Heilbronner Deponie Vogelsang abgelagert werden kann

Rubriklistenbild: © Südwestdeutsche Salzwerke AG

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