Millionen-Schaden verursacht

Schlag gegen Autoknacker-Bande: Polizei schnappt erneut Verdächtigen

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Hunderte Navigationsgeräte wurden in den vergangenen Jahren in der Region gestohlen.
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Die Ganoven haben mutmaßlich rund 280 Autos aufgebrochen. Im August wurde ein weiterer Tatverdächtiger verhaftet.

+++ Update 30. August +++ 

Erneuter Schlag gegen die Navi-Diebe: Die Kriminalpolizei hat einen 39-jährigen Litauer festgenommen.

Von 2017 an gab es immer wieder Aubruchserien. Zuletzt von April bis Juli in diesem Jahr. In dieser Zeit wurden vier Autos aufgebrochen - zwei Mal in Eppingen und zwei Mal in Brackenheim.

Mit verdeckten Ermittlungen gelang es der Heilbronner Kriminalpolizei den Litauen aufzuspüren. Er ist dringend tatverdächtig die Autos in Heilbronn aufgebrochen zu haben.

Wie kamen ihm die Polizisten auf die Schliche? Ende Juli kam der Litaue in eine Stadt in Nordrehein-Westfalen. Wahrscheinlich hat er dort fast jede Nacht ein Auto aufgebrochen. In der Nacht von 12. Auf 13. August übergab es das Diebesgut im Hannpver Raum an einen estnischen Lkw-Fahrer. Der brachte die Fracht in die litauische Stadt Kaunas. Am 20. August wurde der 39-Jährige Litaue am Ausreisen in Brandenburg gehindert und festgenommen.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Heilbronn wurde der 39-Jährige am 21. August dem Haftrichter beim Amtsgericht Heilbronn vorgeführt. Dieser erließ den Haftbefehl.

+++Update, 8. August, 15 Uhr+++

Klare Sache: Da sind Profis mit Methode am Werk. Allein im zweiten Halbjahr 2017 werden im Zuständigkeitsgebiet des Heilbronner Polizeipräsidiums 107 BMW aufgebrochen. Die Diebe stehlen vor allem Navigationsgeräte und Multifunktionslenkräder. Insgesamt schlagen die Diebe im süddeutschen Raum 279 Mal zu. Und nun sitzen die 13 litauischen Bandenmitglieder hinter Schloss und Riegel. Fast alle sind verurteilt und zu Haftstrafen von bis zu acht Jahren und zehn Monaten verknackt. Und seither ist die BMW-Aufbruchsserie in der Region um Heilbronn gestoppt.

Bei einer Pressekonferenz äußert sich heute Nachmittag unter anderem Hans Becker, Polizeipräsident des Heilbronner Polizeireviers, zum Fahndungserfolg: Es komme selten vor, dass man bei Banden die Täter durch alle Hierarchieebenen hinweg festnehmen könne. "Der Erfolg beruht vor allem auf der hervorragenden Zusammenarbeit der Behörden innerhalb Deutschlands und auch international." Die Autoknacker seien aus der litauischen Stadt Panevezys wegen des höheren Ertrags nach Deutschland gekommen und sehr mobil gewesen.

Polizei Heilbronn: Gier wird Autoknacker zum Verhängnis

Doch auch Profi-Langfinger machen Fehler - und die Gier eines der Bandenmitglieder wird letztendlich der ganzen Gruppe zum Verhängnis: Irgendwann reicht es den Autoknackern, die unter anderem im Raum Heilbronn und im Hohenlohekreis zugeschlagen haben, nicht mehr, nur technische Ausstattung zu klauen. Auch Kredit- und Bankkarten lassen sie mitgehen. Einer der Gauner hebt an einem Geldautomaten mit einer gestohlenen Karte Geld ab - die Überwachungskamera hält sein Gesicht fest. Und als derselbe Mann bei einer Polizeikontrolle identifiziert wird, zieht sich das Netz um die BMW-Autoknacker aus Litauen immer enger.

Das Vorgehen der Täter ist immer dasselbe - und äußerst brutal: Sie schlagen die Scheibe ein und richten erheblichen Schaden an. Nicht selten nehmen die Diebe in Kauf, dass der angerichtete Sachschaden am BMW deutlich über dem Wert der Beute liegt. Auch wenn der materielle Gewinn nur bei 1.400 Euro liegt, hat der BMW-Besitzer in einem Fall beispielsweise 18.000 Euro Schaden zu beklagen. Pro Nacht brechen die Räuber bis zu einem Dutzend BMW auf! Die Gesamtbeute hat einen Wert von 1,35 Millionen Euro.

+++Ursprungsartikel 8. August, 8 Uhr +++

Ein Schaden in Millionenhöhe, 279 einzelne Taten - Ermittlern in Heilbronn ist ein Schlag gegen eine mutmaßliche Autoknacker-Bande gelungen. Vor allem Navigationsgeräte und Autoradios seien das Objekt der Begierde der litauischen Verdächtigen gewesen, erklärten die Staatsanwaltschaften Heilbronn und Mosbach.

Autoknacker: Aufbrüche seit Jahren rückläufig

An den Ermittlungen beteiligt waren neben den beiden Staatsanwaltschaften auch die baden-württembergische und die bayerische Polizei, das Bundeskriminalamt, die europäische Polizeibehörde Europol, die litauischen Sicherheitsbehörden und Beamte aus Belgien.

Immer wieder sorgen organisierte Autoknacker-Banden für Schlagzeilen. Allerdings geht die Zahl der Aufbrüche in Baden-Württemberg stark zurück. Nach Angaben des Landeskriminalamts wurden im vergangenen Jahr 7.185 Fälle registriert, das sind 25 Prozent weniger als im Jahr zuvor. 

Gestohlene Autos und Autoteile: Litauen ein führender Absatzmarkt

Zuletzt waren Ende des vergangenen Jahres mehrere Männer und eine Frau verhaftet worden. Die litauischen Staatsangehörigen und ein Deutscher tadschikischer Herkunft sollen seit November 2017 vor allem in Baden-Württemberg Fahrzeuge im Gesamtwert von rund 1,3 Millionen Euro geknackt und geklaut haben.

Nach Angaben des Bundeskriminalamts (BKA) ist Litauen ein führender illegaler Absatzmarkt in Osteuropa. In Deutschland gestohlene Autos oder Autoteile würden meistens ins Ausland geschmuggelt, die Wagen dort zerlegt. 

Verkauf gestohlener Autos und Autoteile übers Internet

"Insbesondere in afrikanischen und osteuropäischen Staaten besteht nach wie vor eine hohe Nachfrage nach günstigen Kfz-Ersatzteilen", heißt es im Bundeslagebild Kfz-Kriminalität 2017 des BKA. "Diese kann durch die Entnahme von Ersatzteilen aus entwendeten Kfz gedeckt werden." Verkauft würden Teile wie Airbags oder Navis, aber auch größere Komponenten wie Motoren, Getriebe und Karosserieteile "über gängige Internetportale".

Weitere Einzelheiten zu der nun geschnappten Autoknacker-Bande sollen am heutigen Donnerstag in Heilbronn gemacht werden.

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