Leben des Lkw-Fahrers ist zerrüttet

Enkelin jahrelang von Opa missbraucht? Heftiger Prozess am Landgericht Heilbronn

  • Daniel Hagmann
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Das Heilbronner Landgericht verhandelt in einem besonders erschütternden Prozess gegen einen Opa, der seine Enkelin jahrelang gequält haben soll. 

  • Mindestens 63 Mal soll ein Opa seine Enkelin im Hohenlohekreis missbraucht haben
  • Erst nach Jahren wendet sich das mutmaßliche Opfer an die Polizei.
  • Im Urteil am Landgericht in Heilbronn drohen dem Opa bis zu 15 Jahren Haft.

Prozess am Landgericht Heilbronn: Opa soll Enkelin missbraucht haben

Wie kann ein Mensch einem anderen nur so etwas antun? Und dann auch noch seinem eigenen Fleisch und Blut? Am Landgericht in Heilbronn startete gestern ein Prozess, der jegliches Maß an Verständnis und Nachvollziehbarkeit im Keim erstickt: Angeklagt ist ein 63-Jähriger. Er soll in seiner Wohnung im Hohenlohekreis im Zeitraum von November 2008 bis Dezember 2013 seine zwischen sechs und elf Jahre alte Enkelin monatlich missbraucht haben. Insgesamt stehen 63 Fälle im Raum.

Bei der letzten dieser furchtbaren Handlungen soll die Enkelin ihren Opa weggestoßen haben. Unfassbar: Dann soll der Großvater laut einer Mitteilung des Landgerichts Heilbronn sein Verlangen mit Gewalt befriedigt haben. Das Gericht erklärt: "Dieser letzte Fall ist tateinheitlich als Vergewaltigung angeklagt." Seit dem 16. Januar 2020 befindet sich der Angeklagte in Untersuchungshaft.

Heilbronn: Mutmaßlich missbrauchte Enkelin zeigt Opa erst nach Jahren an

Wie die Heilbronner Stimme berichtet, habe der Staatsanwalt beim Prozessbeginn im Landgericht Heilbronn am Montag in seiner Anklageschrift ausgeführt, dass die Enkelin die Übergriff des Opas geschehen ließ, weil sie lange gedacht habe, dies gehöre zu einer gewöhnlichen Opa-Enkelin-Beziehung dazu.

Entgegen der Vereinbarung mit seinem Anwalt, lediglich zur Person aussagen zu wollen, protestierte der angeklagte 63-jährige Opa vor dem Heilbronner Landgericht, behauptete, die in der Anklage geschilderten Vorwürfe "stimme[n] so nicht". Laut bild.de soll die mutmaßlich missbrauchte Enkelin erst im Alter von 17 Jahren - im November 2019 - den Mut gefasst haben, bei der Polizei Anzeige zu erstatten. Leider ist die Verhandlung wegen Missbrauchs nicht die einzige dieser Art am Heilbronner Landgericht: Anfang dieses Jahres hat der erneute Prozess gegen einen Erzieher aus Heilbronn in diesem Zusammenhang für Aufsehen gesorgt.

Der Prozess gegen einen Heilbronner Erzieher wegen Missbrauchs sorgte bundesweit für Entsetzen.

In seinen Ausführungen zur eigenen Person im Rahmen des Missbrauchs-Prozesses am Heilbronner Landgericht berichtete der 63-jährige Opa beim Prozess-Start am Montag von einem zerrütteten Leben: Mit seinem Sohn habe er sich zerstritten, als dieser beschlossen hatte, nach Kanada auszuwandern. Seine Frau habe ihn verlassen, sei zur Tochter gezogen. 

Als er in den Beruf des Lkw-Fahrers eingestiegen sei, habe er sich um Wohneigentum bemüht. Die Folge: Privatinsolvenz. Aktuell diskutieren die Menschen der Region erneut über einen bereits drei Jahre alten Fall: Ein elfjähriges Mädchen wurde im September 2017 gefesselt auf dem Heilbronner Wartberg entdeckt. Bringt ein ähnlicher Fall in Hamburg-Bergedorf neue Details zu dem rätselhaften Geschehen in Heilbronn ans Licht?

Insgesamt sind im Rahmen des Prozesses gegen den Opa am Heilbronner Landgericht sieben Prozesstage angesetzt. Die Kammer hat den Angeklagten, seinen Verteidiger, die Nebenklägerin, ihren anwaltlichen Vertreter, zehn Zeugen und zwei Sachverständige geladen. Das Urteil soll am Mittwoch, 5. August, fallen. Dem Opa könnten bis zu 15 Jahren Haft bevorstehen.

Rubriklistenbild: © Yvonne Tscherwitschke

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