Meist findet sich ein Ersatz

Medikamente werden knapp - erneut Lieferschwierigkeiten bei Apotheken in Heilbronn und Region

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Medikamentenmangel wird auch in der Region zum Problem.
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Auch in der Heilbronner Region gibt es Engpässe bei verschiedenen Medikamenten. Apotheker und Kliniken sehen keine schnelle Lösung für das Problem.

○ In ganz Deutschland kommt es immer wieder zu Engpässen bei der Medikamentenlieferung.
○ Apotheker versuchen mit Ersatzmedikamenten den Bedarf zu decken.
○ Langfristige Lösungen bei den Krankenkassen sind gefragt, um das Problem zu lösen.

"Leider haben wir das Medikament nicht vorrätig", diesen Satz hören Kunden momentan in Apotheken immer häufiger. Eigentlich kein Problem, denn dann wird das Medikament einfach nachgeordert und ist am nächsten Tag da. Doch momentan gibt es bei vielen Apotheken diese Möglichkeit nicht.

Grund dafür sind die Lieferschwierigkeiten von Arzneimittelherstellern. "Bei uns sind leider unglaublich viele Medikamente nicht lieferbar", berichtet Apotheker Hans-Peter van Dorp aus Künzelsau. Fast immer kann er seinen Kunden einen Ersatz für das jeweilige Medikament anbieten. Doch woran liegt es, dass die Apotheken nicht mehr ausreichend Medikamente ordern können? "Es hat verschiedene Ursachen. Eine davon sind die Rabattverträge der Krankenkassen", erklärt van Dorp.

Heilbronn: Auch in die Apotheken in der Region haben Medikamentenengpässe

Krankenkassen schließen diese Verträge mit einem Hersteller ab, um so günstigere Preise zu erhalten. Häufig schließen sie nur einen Rabattvertrag mit einem Hersteller ab. Wenn dieser nun Probleme in der Produktion hat und nicht schnell genug liefern kann, fehlen in den Apotheken die Medikamente.

Auch die SLK Kliniken haben den Lieferengpass schon zu spüren bekommen. "Ja, es gibt diverse Engpässe. Bei rund 80 von 1800 Stammartikeln werden derzeit Ersatzartikel verwendet. Für das Klinikpersonal bedeutet die Umstellung auf diese Artikel mit teilweise anderen Namen und Verpackungen einen spürbaren Mehraufwand", sagt Mathias Burkhardt, Pressesprecher der SLK Kliniken. Doch für die Patienten hat das keine Konsequenzen: "Unmittelbare Auswirkungen auf die Arbeit der Klinik hat der Engpass bisher aber nicht, da alle Patienten regelhaft versorgt werden können und beispielsweise auch keine OPs verschoben werden müssen", sagt Burkhardt.

Heilbronn: Nicht nur Apotheken, auch Kliniken bekommen Medikamentenengpass zu spüren

Auch Apotheker van Dorp hat zusätzlichen Aufwand durch den Medikamentenmangel: "Das telefonieren mit Lieferanten und die Recherche nach Ersatzmedikamenten kostet viel Zeit. Zeit die wir eigentlich lieber nutzen würden, um unsere Kunden zu beraten."

Im Gegensatz zu den Kunden in der Apotheke kann die Klinik auch eine Medikamentenreserve anlegen. So kann die Klinik auf einen Vorrat für drei bis sechs Monate für bestimmte Medikamente zurückgreifen. "Patienten können normalerweise keine Medikamente bevorraten", weiß Apotheker van Dorp. Da der Lieferengpass kein kurzfristiges Problem ist, rät er seinen Kunden sich direkt an die Krankenkassen und Politiker zu wenden. "Beschweren sie sich bei den Krankenkassen und fordern sie die Politiker dazu auf, dass die Krankenkassen gesetzlich verpflichtet werden Verträge mit mehr als einem Hersteller für ein Medikament abzuschließen", sagt van Dorp. So könnte zum Beispiel der Komplettausfall verhindert werden. 

Das Problem des Medikamentenengpass wir nicht schnell behoben werden können

Sowohl die SLK Kliniken, als auch Apotheker van Dorp gehen davon aus, dass diese Engpässe weiter andauern werden. "Aufgrund der sehr komplexen globalen Zusammenhänge bei der Arzneimittelherstellung kann es aus unserer Sicht keine pauschale politische Forderung auf nationaler Ebene geben", erklärt Burkhardt. Meist sitzen die Hersteller von Medikamenten in Asien, da sie dort billig produziert werden können, doch wenn diese dann ausfallen, können Apotheker auf keine Ersatzhersteller ausweichen. Dieses Problem gilt es nun zügig anzugehen.

Gerade auch für Diabetiker sind Medikamente sehr wichtig. Eine Studie stellte fest, dass derAnteil der Diabeteskranken in der Region deutlich über dem Durchschnitt liegt. Auch was das Impfen angeht, gibt es in der Region noch Nachholbedarf. Gerade bei der Masernimpfung gibt es große Lücken. Neben einem Medikamentenmangel, fehlt es in der Region um Heilbronn auch an Hebammen. Viele Frauen finden keine Betreuung für die Schwangerschaft und nach der Geburt durch eine Hebamme.

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