Volle Tonnen, leere Teller

Tafeln schlagen Alarm: Auch immer mehr Armut in Heilbronn?

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Immer mehr Menschen kommen ohne die Tafeln nicht mehr über die Runden.
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"Altersarmut wird uns in den kommenden Jahren mit großer Wucht überrollen."

Es sind Aussichten, bei denen einem für die Zukunft angst und bange werden kann. Denn in dieser Woche schlug die Hilfsorganisation Tafel Deutschland Alarm: 20 Prozent mehr Senioren und insgesamt zehn Prozent mehr Menschen als im Jahr 2018 sind auf die Tafeln angewiesen. Die deutschlandweit 947 Tafeln unterstützen derzeit 1,65 Millionen hilfsbedürftige Menschen.

Die erschreckende Entwicklung: Immer mehr Menschen haben nicht mehr genug Geld für Lebensmittel! Während weltweit jedes dritte fertig produzierte Lebensmittel weggeworfen wird, leiden nicht nur Leute in Entwicklungsländern, sondern auch Menschen mitten unter uns Hunger.

Tafeln: Langzeitarbeitslosigkeit und niedrige Renten als Hauptgründe

In Deutschland landen jährlich 18 Millionen Tonnen Lebensmittel auf dem Müll. Volle Abfalleimer, leere Teller! Bei den Tafeln erhalten Leute mit wenig Geld Essen und manchmal auch Kleidung und Möbel - entweder umsonst oder gegen einen deutlich niedrigeren Preis als im regulären Handel.

Die Hauptgründe, warum Menschen die Tafeln aufsuchen: Langzeitarbeitslosigkeit und niedrige Renten. Jochen Brühl, Vorsitzender der Tafel Deutschland, erklärt: "Diese Entwicklung ist alarmierend – und sie ist erst der Anfang. Altersarmut wird uns in den kommenden Jahren mit großer Wucht überrollen." Immer mehr Menschen, die jahrzehntelang gearbeitet haben, müssen hungern, um ihre steigenden Mieten bezahlen zu können. Völlig inakzeptabel: Auch immer mehr Kinder und Jugendliche haben ohne die Tafeln knurrende Mägen.

Heilbronn: Immer mehr Bedürftige nutzen die Tafel

Und wie sieht die Situation in der Region aus? Auch in Heilbronn, Neckarsulm, Eppingen und Weinsberg gibt es Tafeln. Karl Friedrich Bretz, Geschäftsführer des Diakonischen Werks Heilbronn und damit verantwortlich für die hiesigen Tafeln, erklärt: "Einen großen Sprung in Sachen Tafel-Nutzung stellen wir nicht fest. Aber einen allmählichen, ganz kontinuierlichen Anstieg in Stadt- wie Landkreis." Vor allem in den vergangenen fünf Jahren seien immer mehr Senioren in der Region Heilbronn auf die Tafeln angewiesen als früher."

Karl Friedrich Bretz ist Geschäftsführer des Diakonischen Werks Heilbronn.

Um Missbrauch vorzubeugen und aus steuerlichen Gründen kann nicht jeder Beliebige die Hilfe der Tafeln in Anspruch nehmen. Bedürftige müssen einen Tafel-Ausweis beantragen. Die Diakonie Heilbronn erklärt hierzu auf ihrer Homepage: "Die Einkommensgrenze darf in der Regel den Grundsicherungsbetrag nicht überschreiten. Da dieser Betrag keine feste Größe darstellt, muss er für jeden, der eine Einkaufskarte oder einen Tagesausweis für den Einkauf möchte, individuell errechnet werden. Dafür benötigen wir den Personalausweis und Einkommensnachweise sowie ein neueres Passbild."

Tafel-Vorsitzender Brühl fordert: "Die Politik darf nicht länger abwarten, sie muss jetzt handeln. Es braucht tiefgreifende Reformen und verbindliche, ressortübergreifende Ziele zur Bekämpfung von Armut in Deutschland. Die Zeit der kleinen Schritte ist vorbei."

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