Erst die Hitze, jetzt die Fliege

Kirschessigfliege: Zerstört sie unseren Wein?

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Lothar Neumann ist regelmäßig in den Weinbergen der Region unterwegs und überprüft die Fallen für die Kirschessigfliege.
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Wer kennt das nicht? Kleine lästige Fliegen, die gerade im Sommer das Obst umkreisen. Sehr ärgerlich, aber nicht schädlich.

Die Winzer sind hingegen schneller besorgt, wenn kleine Fliegen in ihren Rebstöcken unterwegs sind. Denn seit 2014 gibt es einen neuen Schädling, der die Weinernte im Ländle wirklich bedrohen kann: die Kirschesssigfliege.

Der Laie kann sie nicht von einer gewöhnlichen Fruchtfliege unterscheiden. Sie sehen sich sehr ähnlich. Die männliche Fliege hat allerdings einen schwarzen Punkt auf dem Flügel. Und warum erzittern die Winzer bei dieser kleinen Fliege?

Heilbronn: Legt die Kirschessigfliege Eier in die Reben, ist sie eine Gefahr für den Wein

"Im Gegensatz zur Fruchtfliege, hat das Weibchen der Kirschessigfliege einen Sägeapparat am Hinterteil. Damit öffnet sie die Frucht und legt ihre Eier ab", erklärt Lothar Neumann, Weinbauberater des Landwirtschaftsamts Heilbronn. Damit zerstört sie die Früchte. Bei günstigen Bedingungen kann sich die Kirschessigfliege rasend schnell ausbreiten. "Die Fliege hat ein gigantisches Vermehrungspotential. Wenn die Made in der Rebe ist, beginnt die Essigbildung in der Frucht und dann kann man sie nicht mehr für den Wein verwenden. Den Essigstich kriegt man nicht mehr raus", sagt Neumann.

Immer wieder sieht man Plastikbehälter in den Weinbergen. Hier werden Kirschessigfliegen gefangen.

Doch weshalb ist die Kirschessigfliege so viel gefährlicher für den Wein als andere Schädlinge? "Zum ersten Mal trat die Kirschessigfliege 2014 bei uns auf. Sie wurde aus Ostasien eingeschleppt. So viel wissen wir bisher noch nicht über das Insekt", erklärt der Weinberater. Zur Zeit können die Winzer hauptsächlich nur vorbeugende Maßnahmen unternehmen und die Reben im Blick behalten. Der letzte Schritt ist bei einem schweren Befall dann das Spritzen von Insektiziden. "Das will natürlich kein Winzer. Über 80 Prozent der Rebflächen in Württemberg kommen ohne Insektizide aus. Dieser Einsatz ist wirklich der allerletzte Schritt", sagt Neumann. 

Schließlich ist eine solche Behandlung auch nicht gerade günstig. Bis zu 150 Euro kann ein solches Insektizid den Winzer pro Hektar kosten. Wenn das Insektizid gespritzt ist, dürfen die Trauben auch frühestens 14 Tage später gelesen werden. Außerdem können die Insekizide Bienen schaden.

Gefahr Kirschessigefliege: Heilbronner Winzer können nur den Wein nur bedingt schützen

Deshalb haben sich schon viele Winzer gewappnet und ihre Reben von zu vielen Blättern befreit, doch dabei müssen sie vorsichtig vorgehen, sonst könnten die Trauben einen Sonnenbrand bekomen. "Sonne und hohe Temperaturen mag die Kirschessigfliege nämlich gar nicht", sagt der Weinberater. Außerdem hängen in den Weinbergen kleine Plastikbehälter. Sie sind gefüllt mit Essig und ziehen die Fliegen an. Wöchentlich überprüfen die Weinberater gemeinsam mit der Weinschule in Weinsberg, ob und wie viele Kirschessigfliegen in den heimischen Weinbergen unterwegs sind. "Die Ergebnisse stellt die Schule dann online, so können die Weingärtner sehen, ob sie in ihren Hängen besonders aufmerksam sein müssen", sagt Neumann.

Ob das alles Kirschessigfliegen sind, überprüft die Weinschule in Weinsberg.

Weißwein-Fans müssen sich vor der Kirschessigfliege nicht so sehr fürchten wie Rotwein-Fans, denn die Kirschessigfliege befällt eigentlich nur dunkle Trauben. "Die Frühsorten wie Akolon, Dornfelder und Regent können jetzt bald gefährdet sein, aber auch der Trollinger ist anfällig für die Fliege", sorgt sich Neumann.

Heilbronner Wein: Noch ist die Gefahr vor der Kirschessigfliege nicht zu hoch

"Im Moment haben wir noch Ruhe, aber jetzt beginnen die Trauben sich zu färben. Wir sehen ganz entspannt der Lese entgegen. Wenn das Wetter weiter so gut bleibt, sollten wir keine Probleme bekommen", blickt Hermann Hohl, Präsident des württembergischen Weinbauverbands, zuversichtlich in die Erntezeit.

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