Anklagepunkte ließen sich nicht beweisen

Nach Freispruch im Kindesmissbrauchs-Fall: Gehen Eltern nun gegen Anzeigensteller vor?

  • Daniel Hagmann
    vonDaniel Hagmann
    schließen

In Möckmühl sollen Eltern ihre Töchter gequält haben. Gestern wurden sie am Landgericht Heilbronn freigesprochen. Hat das nun juristische Folgen?

  • Vater und Mutter sollen ihre damals drei bis vier Jahre alten Töchter im Landkreis Heilbronn missbraucht haben.
  • Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung plädierten auf Freispruch.
  • Vorwürfe des Missbrauchs durch die Eltern ließen sich nicht beweisen.

Update 16. Oktober: Die Vorwürfe waren heftig: Ein Ehepaar aus Möckmühl im Landkreis Heilbronn soll seine zur mutmaßlichen Tatzeit drei und vier Jahre alten Mädchen missbraucht und sogar vergewaltigt haben. Gestern sprach das Landgericht Heilbronn die in den Jahren 1980 und 1975 geborenen und mittlerweile getrennt lebenden Eltern der beiden Mädchen frei. Die vor allem auf Aussagen einer Pflegemutter und einer Kinderärztin basierenden Anklagepunkte ließen sich nicht beweisen.

War also alles nur ein Komplott wie die Eltern bereits am ersten Verhandlungstag am Landgericht Heilbronn Ende August behauptet hatten? Ist nun zu erwarten, dass die Eltern ihrerseits juristisch gegen die Anzeigenerstatter vorgehen? Zum allgemeinen Thema Freispruch und möglichen Konsequenzen für Anzeigensteller erklärt Lutz Hils, Pressesprecher des Landgerichts Heilbronn, auf Nachfrage von echo24.de: "Jeder Bürger hat das Recht, Strafanzeige zu erstatten, wenn er den Verdacht hegt, er habe von einer Straftat Kenntnis erlangt, erst recht, wenn er sich als Geschädigter einer solchen Straftat ansieht. Es ist allerdings nicht üblich, dass Angeklagte ihren Freispruch zum Anlass nehmen, Strafanzeige wegen falscher Verdächtigung zu erstatten."

Landgericht Heilbronn: Freispruch ist nicht mit Unschuld gleichzusetzen

Eine Strafanzeige diene nur dazu, "die Strafverfolgungsbehörden über einen Sachverhalt zu informieren, den sie aus Sicht des Anzeigenerstatters ermitteln sollen", erklärt Hils vom Landgericht Heilbronn. "Wenn aber in einer Hauptverhandlung ein Freispruch ergeht, ist ja ein Vertreter der Staatsanwaltschaft als Sitzungsvertreter anwesend, der von Amts wegen ein Ermittlungsverfahren einleitet, wenn er die Voraussetzungen für gegeben hält."

Wenn Eltern ihre eigenen Kinder missbrauchen, ist das besonders unbegreiflich. Im Fall von Möckmühl ließen sich die Vorwürfe nicht nachweisen.

Zudem stellt Lutz Hils vom Landgericht Heilbronn klar, dass ein Freispruch keineswegs grundsätzlich mit der sicheren Unschuld des Angeklagten gleichzusetzen ist. Ein Freispruch bedeute, "dass vernünftige Zweifel an der Schuld eines Angeklagten bestehen. Die Unschuld eines Angeklagten wird dadurch nicht festgestellt, sondern nur, dass sich die Unschuld nicht ausschließen lässt. Der Tatnachweis einer falschen Verdächtigung setzt aber die erweisliche Unschuld des Angeklagten ebenso voraus wie den Vorsatz des der falschen Verdächtigung Beschuldigten von dieser Unschuld. Dass jemand von einem Tatvorwurf freigesprochen wird, begründet also keinesfalls automatisch einen Anfangsverdacht wegen falscher Verdächtigung."

Landgericht Heilbronn: Urteil nach Vorwurf des Kindesmissbrauchs gefallen

Update, 15. Oktober, 13 Uhr: Schon die Plädoyers waren eindeutig: Im am Landgericht Heilbronn verhandelten Fall gegen ein Elternpaar aus Möckmühl im Landkreis Heilbronn hatten vor dem Urteil sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Nebenklage und die Verteidigung auf Freispruch plädiert. Diesen Anträgen ist nun auch das Gericht gefolgt: Die Eltern sind von den Vorwürfen des schweren Missbrauchs ihrer zur angeblichen Tatzeit drei und vier Jahre alten Mädchen sowie der angeblichen Vergewaltigung freigesprochen.

Wie der SWR berichtet, wertete das Landgericht Heilbronn die Vorwürfe gegen die beiden Eltern als haltlos. Die Vorwürfe des Missbrauchs gegen das heute getrennt lebende Elternpaar aus Möckmühl hätten auf einer Überinterpretation von Hinweisen der Pflegemutter beruht. Medizinische und psychiatrische Untersuchungen der beiden Mädchen hätten den Verdacht nicht erhärtet. Der Freispruch der Eltern war angesichts der Entwicklung des Prozesses während der Verhandlungstage am Heilbronner Landgericht zu erwarten.

Prozess am Landgericht Heilbronn: Haben Eltern wirklich die eigenen Kinder missbraucht?

Update 15. Oktober, 11 Uhr: Stimmen die entsetzlichen Vorwürfe und hat sich ein Elternpaar aus Möckmühl im Landkreis Heilbronn wirklich an den eigenen beiden Töchtern vergangen? Oder ist wirklich alles nur ein Komplott gegen die Familie, wie die Angeklagten zum Prozessauftakt am Landgericht Heilbronn vor etwa sechs Wochen behauptet haben? An diesem Donnerstag soll das Urteil gegen das Elternpaar fallen, das über die Beschuldigungen des schweren Missbrauchs der beiden Mädchen hinaus auch noch entsetzliche Fotos von Kindern in verabscheuungswürdigen Posen besessen haben soll. Zudem soll das angeklagte Ehepaar auch noch Fotos vom Missbrauch der zur Tatzeit drei und vier Jahre alten Mädchen gemacht haben.

Wie der SWR berichtet, soll es sogar zu einer einmaligen Vergewaltigung gekommen sein. Während des Missbrauchsprozesses am Landgericht Heilbronn haben mehrere Zeugen das Elternpaar schwer belastet. Darunter waren eine Kinderärztin sowie eine Pflegemutter der beiden mutmaßlich missbrauchten Mädchen. Im Anschluss daran hatte eine psychiatrische Gutachterin allerdings die Anklagepunkte erheblich in Zweifel gezogen. Daher haben sich sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Nebenklage und die Verteidigung der Angeklagten in ihren Plädoyers am Heilbronner Landgericht alle für Freispruch ausgesprochen.

Landgericht Heilbronn: Eltern streiten Missbrauch der Kinder ab

Update 1. September: Schwerer sexueller Missbrauch der beiden eigenen Töchter, dazu Besitz expliziter Bilder und Zeitschriften, die Kinder in verabscheuungswürdigen Posen zeigen. Die Vorwürfe gegen ein Ehepaar aus Möckmühl (Landkreis Heilbronn) sind entsetzlich - und laut Aussage der angeklagten Eltern erlogen und Teil einer Intrige.

Heute begann am Landgericht Heilbronn der Prozess gegen die mutmaßlichen Missbrauchseltern. Wie der SWR berichtet, stritten die heute 44-jährige Mutter sowie der 40-jährige Vater die Vorwürfe ab. Die Mutter, die Fotos der Missbrauchshandlungen angefertigt haben soll, erklärte in einer umfassenden Stellungnahme, das die Missbrauchsbehauptungen Teil der Intrige einer Mitarbeiterin des Jugendamts Heilbronn seien, damit die Kinder, die vorübergehend in Pflegefamilien untergebracht werden, dauerhaft dort wohnen bleiben können. Aufgrund von Depressionen und eines Burn-outs des Vaters sowie der allgemein angespannten Situation der Familie, die mit Geldmangel und einer Räumungsklage zu kämpfen gehabt habe, habe sich die Familie zusammen mit dem Jugendamt Heilbronn darauf geeinigt, die Kinder vorübergehend in Pflegefamilien unterzubringen.

Rötungen im Genitalbereich bei einem der beiden Mädchen, die Spuren des Missbrauchs sein sollen, seien laut Angaben der Mutter vielmehr auf eine Windel-Unverträglichkeit zurückzuführen. Das Verhältnis zwischen den Eltern und Kindern soll voller Vertrauen gewesen sein.

Vor allem, wenn sexuelle Gewalt innerhalb der Familie oder des Bekanntenkreises ausgeübt wird, bleibt Missbrauch oft im...

Gepostet von Polizei Heilbronn am Dienstag, 11. August 2020

Prozess in Heilbronn: Eltern sollen ihre beiden Töchter missbraucht haben

Erstmeldung, 31. August: Die Eltern sind die ersten und mitunter wichtigsten Bezugspunkte, die ein Kind hat. Und gerade bei Vater und Mutter sollten sich Kinder immer sicher und geborgen fühlen können. Daher ist es kaum vorstellbar, was die Staatsanwaltschaft einem Ehepaar aus Möckmühl im Landkreis Heilbronn vorwirft. Die 1980 und 1975 geborenen Eheleute sollen in den Jahren 2014 und 2015 ihre beiden gemeinsamen Töchter schwer sexuell missbraucht haben. Die Kinder waren zur damaligen Zeit laut Anklageschrift drei bis vier Jahre alt.

Am morgigen Dienstag, 1. September, beginnt am Landgericht Heilbronn am Morgen der Prozess gegen die beiden Eltern. Es geht bezüglich des angeklagten Vaters aus Möckmühl um Missbrauch der Kinder in drei Fällen, hiervon in zwei Fällen Handverkehr und in einem Fall Geschlechtsverkehr. Bei einem der Fälle des Handverkehrs soll die angeklagte Mutter sogar Fotos der Tat gefertigt haben - so lautet der Tatvorwurf.

Heilbronn: Eltern wegen Missbrauchs der eigenen Kinder angeklagt

Im Prozess am Landgericht Heilbronn treten die beiden mutmaßlich missbrauchten Kinder des elterlichen Ehepaares ab dem morgigen Prozessauftakt als Nebenklägerinnen auf. Die große Strafkammer hat für den Prozess insgesamt 17 Zeugen sowie eine Sachverständige geladen. Es sind insgesamt fünf Prozesstage angesetzt. Mit einem Urteil ist am Dienstag, 15. September, gegen Nachmittag zu rechnen.

Zuletzt sorgte ein Prozess am Landgericht in Heilbronn für Entsetzen: Ein 21-jähriger Heilbronner soll jahrelang Kinder missbraucht haben. Und der Fall eines Erziehers aus Heilbronn, dem am Landgericht in Heilbronn zwei Mal der Prozess wegen Kindesmissbrauchs gemacht wurde, erzeugte bundesweit Aufsehen. Schließlich galt der Erzieher als engagiert, zuverlässig und kompetent.

Rubriklistenbild: © Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Das könnte Sie auch interessieren